Ohrensessel im Blumenbeet

Faust

Faust

„Und fragst du noch, warum dein Herz sich bang in deinem Busen klemmt?“ (Goethe, Faust)

Nein, keine Angst, ich werde mich nicht der Magie zuwenden. Dafür bin ich zu sehr im Leben verhaftet. Gestern war Wollishofen-Fest. Dafür hatten wir ein paar Monate gearbeitet und es hat sich gelohnt. Das Fest dauerte 20 Stunden und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Von der Burg hat gespielt und Knuts Kapelle und es gab buntes Kinderprogramm am Nachmittag mit Hühnerstreichelzoo und Wände besudeln (ihr hättet das Haus nachher sehen sollen, es war von oben bis unten angemalt). Ich habe einen Drachentöter kennengelernt, der (noch) fliegen kann. Die Gespräche mit ihm waren sehr anregend und da hab ich ihm seine Arroganz verziehen. Ein Akkordeon-Privat-Konzert im Estrich hab ich bekommen, alte Freunde wieder gesehen und den Journi mit den schrägen Augen rumgeführt. Ach, schade, dass das alte Haus in Wollishofen abgerissen wird, wirklich schade.

Am Freitag hatte ich ein lustiges Gespräch mit einem Arbeitskollegen. Nennen wir ihn Eddie. Eddie sagte, dass ihm Dates zu mühsam sind, weil man da Blumen bringen muss. Ich habe mich gefragt, wie das so weiter geht in seinem Leben, wenn er mit seinen jungen 22 Jahren (oder sind es 21?) Dates als mühsam empfindet und „Blumen bringen“ als feste Grösse, sozusagen als Preis für das Kennenlernen eines anderen Menschen abseits von Alkohol und wilden Partynächten betrachtet. Ich behaupte mal, Eddie fällt es nicht schwer jemanden kennenzulernen in der Disco. Nur. Was, wenn die Beliebigkeit sich über diese Begegnungen legt? Was, wenn das Vampirherz gelangweilt? Wehe! Vielleicht hat der Drachentöter gar nicht so unrecht, wenn er Ohrensessel quer durchs Haus, hinaus in den Garten schleppt – nur, um eine Aufgabe zu erfüllen, nur, um die Begegnung der Beliebigkeit zu entreissen.

3 Gedanken zu “Ohrensessel im Blumenbeet

  1. Begegnungen mit Dir, liebstes Hasenherz, werden nie beliebig. Von Natur aus nicht. Denn wer sich zu einer Nachlässigkeit hinreissen lässt, erfährt die Konsequenz in vollem Umfang. Und das ist keine Kritik. Das ist ein Kompliment – ein sehr grosses Kompliment. Ich freue mich auf unsere nächste Begegnung!

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