Neulich, alleine in ner Bar

Von Haus aus bin ich nicht so der „Ich-setz-mich-alleine-in-ne-Bar-Typ“, aber wenn es sich ergibt, weil man was missverstanden hat oder einfach vor dem Gewitter flieht, hat es was für sich. Man sitzt also da, nippt an einem kalten Bier und schaut sich die Menschen an, hört ihren Konversationen zu und kommt dann – ganz unverhofft ins Gespräch.

Was tust du hier, wer bist du, warum so allein.

Die Frau gegenüber liest „Narziss und Goldmund“ von Hesse. Ich erinnere mich gut daran, als ich es gelesen habe vor so vielen Jahren und freue mich für sie, dass sie es noch vor sich hat, die Lektüre.

Ein Mann tippt in sein MacBook, er hat keine Augen für seine Umgebung.

Mir tropft das Bier auf den Rock, die Frau schaut auf und lächelt.

Man möchte auf die Fragen geistreich antworten, mir fällt jedoch nichts Kluges ein.

Ich trinke Bier, mein Name ist soundso, ich bin vor dem Gewitter geflohen.

Ich zucke mit den Schultern. Der Barkeeper wischt mit einem Lappen über den Tresen, draussen scheint bereits wieder die Sonne.

Ich zahle, drehe mich um und winke zum Abschied.

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