Wir Kinder im Juli geboren

Wir Kinder im Juli geboren
lieben den Duft des weißen Jasmin,
wir wandern an blühenden Gärten hin
still und in schwere Träume verloren.
*
Dass das Schöne und Berückende
Nur Hauch und Schauer sei,
dass das Köstliche, Entzückende,
Holde ohne Dauer sei.
*
Ich habe einen Verehrer. Daniel kommt aus dem Kongo und als er mich das erste Mal ansprach, sprach er kein Deutsch. Wir unterhielten uns auf Französisch. Ab und zu treffe ich ihn in der S-Bahn oder am Bahnhof und er fragt mich jedes Mal, ob ich mit ihm Kaffee trinken wolle. Und ich sage jedes Mal nein. Er versteht nicht wieso, erzählt mir von den Bergen im Kongo, von den Wochenenden dort und der Musik. Heute habe ich ihn wieder getroffen und wie jedes Mal sagte ich: „Nein, ich werde nicht Kaffee trinken kommen und nein, auch nicht tanzen. Du fragst warum? Weil ich in meiner Welt gefangen bin.“ Er spricht vom Herzen, von schlafloser Nacht und blickt mich mit schwarzen Augen an. Ich lache und zucke mit den Schultern, es ist mir unangenehm. Was soll ich sagen? Soll ich von der Verschiedenheit reden? Von Bildung, Sprache, Kultur oder gar von Geld? Soll ich vom Geruch reden? Von den mitleidigen Blicken, die mir zugeworfen werden?
Es macht mich traurig, wenn ich erkennen muss, dass meine Welt lächerlich beschränkt ist. Dass meine Toleranz nicht weiter reicht, als zum Mailänder Dom. Ich hasse es, wenn ich die Angst vor der Fremde in mir hochkriechen fühle. Und frage dann lächelnd, wie lang die Reise in den Kongo dauert. „9 Stunden“, sagt Daniel „du würdest sie lieben, die Berge.“

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