Notizen für Z.

Es sind die kleinen Dinge, die uns ausmachen, nicht wahr? Du öffnest das Tor des Ostens, senkst deinen Kopf matt auf das Kissen. Es riecht nach Fluss und ich flüstre zaghaft deinen Namen. Die Nacht erzählt deine ganze Geschichte. Die Morgenstunde aber legt einen Schleier auf das Kopfsteinpflaster. Ich möchte mich vor dir verbeugen, vor dem, was du getan und vor den Orten, die du hinter dir gelassen hast. Manchen Menschen, die deine Wege kreuzten, die ich nicht mal mit Namen kenne, an denen ich auf der Strasse arglos vorbeigehen würde, möchte ich die Faust ins Gesicht schlagen. Manchen aber möchte ich danken. Es sind die kleinen Dinge, nicht wahr? Und während du schläfst versuche ich zu verstehen, woher du kommst. Das Glänzen in deinen Augen, wenn du von deinen Leidenschaften sprichst, ist ein Geschenk. Es macht mir Mut und gibt mir Zuversicht. Deine langen Finger, die oft plötzlich in der Bewegung inne halten, dann für Sekunden in der Luft stehen bleiben, sind wie Boten einer fernen Zukunft. Du schiebst deine Arme unter das Kissen und von der Strasse dringt der neue Tag hinein. Ich bin mir sicher, dass deine Sicherheit tiefe Wurzeln schlägt. Es ist die Art, wie du über deine Gedanken sprichst. Du betrachtest das Leben mit Nachsicht. Die Unvollkommenheit nimmst du hin, als wäre sie ein kleines Kind, das es nicht besser weiss. Dein Handeln macht mich zu einem besseren Menschen und auch das verzeihst du mir. Ich ziehe meine Knie nah an den Körper, umschlinge sie mit den Armen und während du dich zur Seite drehst, zünde ich mir eine Zigarette an. Das Licht hat sich verändert, die Nacht hat sich soeben auf ihrem Totenbett ausgestreckt. Jemand lädt einen Lastwagen aus und ich frage mich, ob es Socken, Gurken oder Lampen sind. Es sind die kleinen Dinge, die uns ausmachen, nicht wahr? Deine Fröhlichkeit konkurrenziert deine Ernsthaftigkeit nicht. Und dein Lachen ist bezaubernd. Wenn du gehst, dich durch die Tür bückst, verstehe ich deine Klarheit, als ob sie greifbar wäre. Du hast die Gabe meine Bedenken vom Tisch zu fegen, so, dass mich ihre Lächerlichkeit nicht trifft. Würde ich dir danken wollen, ich wüsste nicht wie. Du atmest regelmässig und ich trete ans Fenster und fürchte mich vor dem Moment, da die Sonne hinter den Häusern aufgeht. So, als ob die Sonne dein Erwachen und damit das Ende darstellt. Ich strecke meine Hand aus und streiche dir die Haare aus dem Gesicht. Du erinnerst mich an die Ewigkeit des Augenblicks.

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