Probiers Mal mit Heiterkeit

In Hamburg ist es kälter als in Zürich. Die Sonne aber scheint und ich wurde herzlich empfangen. Nun sitze ich alleine in Hases Wohnung, lese „Macht und Rebel“ von Matias Faldbakken, trinke Kaffee und habe ein paar Stunden Zeit, bis zum nächsten Freundestreffen. Manchmal, wenn man sich aus seinem alltäglichen Leben rausnimmt und dann jäh alleine ist, stürzen alle ungedachten, brodelnden Gedanken, die man im alltäglichen Leben immer schön säuberlich zur Seite schiebt, über einen herein. Das ist gut und gewollt. Doch manchmal auch ganz schön hart. Einatmen, ausatmen, in sich hineinhorchen, das Geräusch der Straße draußen nicht ausblenden, aufmerksam die Gefühle entgegennehmen, alles einfach mal hinnehmen, keine Ausweichbewegung machen. Den Blick durch die Fensterscheibe auf den Himmel gerichtet, den Schmerz zulassen. Wer bin ich geworden? Wer drohe ich zu sein? Vielleicht bekomme ich darauf eine Antwort, wenn ich durch diesen ganzen Gefühlsnebel gegangen bin.

„Erfahrung ist ein brutaler Lehrmeister. Aber man lernt. Mein Gott, wie man lernt.“
(C.S. Lewis)

Letzte Nacht hat mich eine tiefe und ultimative Müdigkeit übermannt, ich schlief traumlos auf Hases Sofa und erwachte ratlos. Ich dachte an die Stunden gestern im Zug und an den langen Brief, den ich während der Reise an einen imaginären Freund schrieb. Er beginnt so: „Lieber Freund, bitte verzeih mir die Klischiertheit des folgenden Satzes.“ Was mich zum Ausspruch von Max Frisch bringt: „Kann man schreiben, ohne eine Rolle zu spielen?“
Kann man sowieso irgendwas tun, ohne eine Rolle zu spielen?

Während ich wie ein verlorenes Kind durch das kniehohe Gedankenwasser am in der Dämmerung liegenden Strand wate, versuche ich mich an Mascha Kaléko zu halten: „Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.“

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