Und täglich grüsst … der blanke Horror

Einmal mehr bin ich heute Morgen zur Arbeit gefahren. Der Weg von Zürich nach Winterthur ist eigentlich ein ganz angenehmer Weg, wenn man mal davon absieht, dass man auf dem Fussweg vom Bellevue zum Stadelhofen in die Gegenrichtung der Massen muss und fast jeden Tag von einer Meute griesgrämiger Morgenmenschen fast zertrampelt wird. Ansonsten sind die Züge (eben wegen dieser Gegenrichtung) nicht allzu voll und ich verbringe die täglich Bahnfahrt mit lesen. Alles gut und schön. Wenn da nicht die kurze Busfahrt in Winterthur wäre.

Erstens kommt der Bus immer zu spät. Und zweitens könnte man die Fahrt ohne zu Übertreiben als modernen Nahkampf beschreiben. Ich habe nämlich das Glück, dass an meiner Busstrecke 1. das Technikum liegt, 2. die Gewerbeschule, 3. die Drogenabgabestelle, 4. eine Primarschule, 5. eine Kinderkrippe und 6. das Hallenbad. Jeden Morgen also kämpfe ich mich mit gewaltigen Mengen an Menschen in einen Bus rein und nicht selten kommt es vor, dass ich keinen Platz mehr finde und auf den nächsten Bus warten muss.

Da haben wir die Studenten vom Tech, die irgendwie ungeduscht, mit hängenden Schultern und Tunnelblick genau eine Station fahren und mit riesigen Rucksäcken dann ein mords Chaos veranstalten, weil sie zuhinterst im Bus stehen und zuerst aussteigen müssen. Die Berufsschul-Schülerinnen (und die weibliche Form ist hier durchaus angebracht) formieren sich in Gruppen, riechen nach billigem Parfum, quietschen, schnattern, kichern und kennen keine Gnade. Die Drögeler verhalten sich meist ziemlich ruhig, stinken dafür aber zum Himmel. Oft haben sie Hunde dabei, die nicht weniger stinken. Und dann die Primarschulschüler die eben sind, wie Primarschulschüler sind: etwas desorientiert, laut, ausufernd. Die Mütter mit riesigen Kinderwagen und schreienden Kleinkindern sind da gerade noch harmlos. Und zu guter letzt noch die Klassen, die mit Sportbeutel bepackt ins Hallenbad pilgern oder aber die Rentner, die rüstig und mit stählernen Ellbogen ausgestattet ihrer tägliche Aquafit-Lektion entgegeneilen.

Ich komme also jeden Morgen wie durch die Mangel gedreht bei der Arbeit an und habe das dringende Bedürfnis mich zu waschen oder wahlweise zu kotzen. Jetzt aber hab ich mir ein Fahrrad organisiert und wann immer es das Wetter zulässt, fahre ich die Strecke mit dem Rad und danke Gott für diese grossartige Erfindung.

(Für sehr-sehr-sehr-schlecht-Wetter-Tage habe ich mir überlegt, ob ich mir so eine Paste zulegen soll, die man vielleicht in der Pathologie braucht und sich unter die Nase schmieren kann, wenn der Geruch allzu übel wird. Wär‘ übrigens für den Ausgang auch nicht schlecht, denn jetzt, wo die Clubs und Lokale rauchfrei sind, stinkt es da gewaltig und ist teilweise kaum aushaltbar.)

2 Gedanken zu “Und täglich grüsst … der blanke Horror

  1. Es stinkt wirklich grauselig in den rauchfreien Klubs. Statt Pathologenpaste nimm doch Vicks Vaporub (ist bestimmt billiger).

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