Angriff ist die beste Verteidigung

Gestern Abend war ich mit Biene in der vom Gewitter gereinigten und gekühlten Stadt unterwegs. In der Mars Bar haben wir es uns dann gemütlich gemacht und über unser Glück geredet. Wir haben nämlich grosses Glück mit unserem Freundeskreis. Unser Freundeskreis besteht aus lauter Singles oder Menschen, die trotz Beziehung doch noch anzutreffen sind. Wir müssen uns also nicht mit dem Problem rumschlagen, dass wir mutterseelenallein an einem Samstagabend zu Hause sitzen weil unsere besten Freunde mal eben einen gemütlichen Päärli-Abend veranstalten. Auch hat in unserem Freundeskreis niemand Kinder, niemand ist verheiratet und niemand macht gerade Karriere. Die Menschen um uns rum haben alle ihre Eigenheiten, manchmal sind sie sogar ziemlich verrückt und genau das ist grosses Glück.
Heute aber wollte ich es wissen: Ich war zu einem Brunch eingeladen bei einem Paar, dass gerade bei mir um die Ecke wohnt. Die Gastgeberin kenne ich über einen Arbeitskollegen und fahre mit ihr gelegentlich Zug. Sprich: Ich kenne sie nicht. Trotzdem hat sich mich zu ihrem Brunch eingeladen, was ich sehr nett und offen von ihr fand. Und weil ich ein mutiger Mensch bin und Offenheit jederzeit gerne honoriere, bin ich heute alleine hingegangen. Kurz vor ihrer Haustür wollte ich eigentlich schon aufgeben, hab mich dann aber überwunden und stand eine Minute später bei ihr im Flur und musste feststellen, dass man für solche Unternehmungen eigentlich a.) mehr Schlaf und b.) bessere Laune braucht. Da ich aber nicht sonderlich viel geschlafen habe und meine Laune noch etwas im Keller war, fühlte ich mich schon in den ersten Sekunden unglaublich unwohl. Das hatte nichts mit den Gastgebern zu tun. Es ist aber so, dass der Gastgeber meistens keine Zeit für seine Gäste hat und so musste ich also auf „alleine-an-einer-Party-Überlebensmodus“ schalten. Ich stellte mich also in die Küche neben die Kaffeemaschine – ein guter Platz wie sicher alle wissen, die auch schon in meiner Situation waren. Nachdem ich drei Kaffees getrunken hatte, um mich auf Touren zu bringen, hab ich auf die Terrasse gewechselt – sozusagen mitten ins Herz der Party. Wenn man alleine wohin geht, wo sich alle kennen oder aber jemanden dabei haben, den sie gut kennen, muss man ein Auge für leichte Opfer haben. Heute gab es drei davon. 1. die schwangere russische Freundin von einem Freund der Gastgeber. Leider konnte sie fast kein Englisch und war auch ziemlich schüchtern. 2. der Single-Bruder der Gastgeberin, der wohl wenig Erfahrung im lockeren Umgang mit Frauen hat. Leider war er sehr gehemmt und wich während unseres kurzen Gesprächs stetig rückwärts gegen die Terrassentüre zurück, bis er in der Küche verschwand. (Ich hab mich schon gefragt, ob ich stinke…) 3. der Clown vom Dienst, der alle kennt und mit allen, die er nicht kennt, redet. Leider ist es schwierig mit dem Clown vom Dienst in ein wirkliches Gespräch zu kommen, weil er ja eben der Clown vom Dienst ist. Auf die Frage, was er denn so tue, antwortet er stets mich Sachen wie: „Atmen!“ (Nuuuuuuuuuuuunja.) Als der Clown vom Dienst mich dann auch noch aufforderte „einen Schwank aus meinem Leben“ zu erzählen, hab ich die Strategie gewechselt. Diese Strategie funktioniert eigentlich immer, sie braucht einfach n bisschen Mut und Forschheit. Es ist die „Angriff-ist-die-beste-Verteidigung“-Strategie. Sie geht so: Man suche sich die Alpha-Person des gleichen Geschlechts und gehe direkt auf sie zu. Ich setzte mich also neben die schillerndste und interessanteste Frau und verwickelte sie in eine Gespräch. Sie reagierte zuerst irritiert und abweisend (gerade bei Frauen ist das immer so – Frauen sind oft sehr zickig gegenüber anderen Frauen). Das Gespräch kam in Gang, ich erzählte ein paar Geschichten (die offensiven, lustigen Geschichten), die sie dazu brachte mir ebenfalls Geschichten zu erzählen, solche, die dann die ganze Aufmerksamkeit der übrigen Partygäste auf sich ziehen. Die schillerndste Frau geniesst das natürlich und man braucht ihr nur noch ein, zwei Vorlagen zu geben, bis man zur „Freundin“ der Schillernden wird. An diesem Punkt ist man dann gerettet. Auf einmal finden einem alle sehr interessant und lustig, man bekommt anständige Antworten auf seine Fragen, man ist nicht mehr allein und der Single-Bruder der Gastgeberin traut sich wieder aus der Küche und verflucht sich, dass er die Gelegenheit nicht ergriffen hat. Nach zwei Stunden hab ich dann aber einen Manson gemacht. Ich dachte mir: „Sooo, Süsse, das war jetzt genug. Du hast dir genug bewiesen.“ Ich ging also nach Hause und dachte an das Gespräch mit Biene zurück und war noch einmal sowas von froh, ihr könnt euch das nicht vorstellen. Und ich freue mich auf heute Abend, wo ich mitten in meinem Freundeskreis das Spiel schauen werde und ich glaube, ich werde all meinen Freunden ein peinliches Liebesgeständnis machen, so froh bin ich um sie. In diesem Sinne: Danke! Ich liebe euch!

2 Gedanken zu “Angriff ist die beste Verteidigung

  1. so ein freundeskreis ist eben schon was schönes. was sag ich, etwas grossartiges, etwas phänomenales!
    und ja, wer kennt diese „anderen situationen“ nicht. ich hab gegrinst beim lesen, sehr schön…

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