Und heute mal aus der männlichen Perspektive

Sonntag. Schöner, geliebter Sonntag. Und dann erst noch ein Sonntag, wo man eine Stunde geschenkt bekommen hat. Ich arbeite an einem Theaterstückchen, das ich zusammen mit Badana schreibe. Hab grad einen inneren Monolog eines Mannes geschrieben, der völlig verloren einer Frau gegenübersitzt, die er keine Stunde kennt. Er fühlt sich unwohl in der Situation und weiss nicht, was er will, weiss nicht, was sie von ihm will. Das ist eine Situation, die wohl alle irgendwie kennen und wenn man so Texte schreibt, dann greift man natürlich auf Begebenheiten im eigenen Leben zurück, vermischt diese, ordnet sie neu an. Die Perspektive des Mannes ist für mich nicht ganz einfach, mir passiert ja eher, dass ich in der Perspektive der Frau gefangen bin. Ich schreibe also so Sätze:

Was hat sie denn? Hab ich was Falsches gesagt? Was will sie hören? Ich red halt über so Sachen nicht. Dass ich hier bin, bedeutet ja was. Aber was genau, weiss ich eben einfach noch nicht. Muss ich es denn wissen? Wer will schon wie ein Idiot sterben? Niemand. Jeder redet und versteht etwas anderes darunter. Die einen sagen „Ich mag Dich“ und meinen „Ich liebe dich“ und die anderen sprechen von Liebe und meinen damit Sympathie. Sie sagt zum Beispiel „granatrot“ und ich verstehe „grün“. Ich könnte jetzt ihre Hand halten, ich könnte aber auch aufstehen und gehen. Es kommt aufs Grosse an, passieren tut es aber im Kleinen. Ich hab es nicht so mit dem Kleinen. Die Feinheiten gehen mir ab und sie ist viel zu empfindlich. Hab ich was Falsches gesagt? Was will sie hören? Was soll ich denn noch sagen? Ich bin ja schliesslich hier und nur das zählt.

Und während ich schreibe, frage ich mich, ob diese Sätze männlich sind, ob sie männlich klingen, denn ich bin kein Mann und hab keine Ahnung, was in Männern so vorgeht, ob sie hart denken und fühlen oder vielleicht weich oder beides und ob vielleicht die Gedanken eines Mannes gar nicht so anders sind, wie die einer Frau.

Gestern war ich mit Chérie am Konzert von Schnuuz. Chérie und Schnuuz kenne ich seit meiner Lehre, also schon ne Weile und es war ausgesprochen schön wieder mal einen Abend mit den beiden zu verbringen. Irgendwann stand ich draussen mit einem Freund von Schnuuz, der dann eine auffordernde Bewegung mit seinem Kinn machte und sagte: „Komm, lass uns um die Ecke gehen, ein bisschen rummachen.“ Ich musste sehr lachen, denn es klang so, als wären wir 13 oder vielleicht 16. Und dann hab ich mich gefragt, ob das der Ton ist, der meine fiktive Figur vielleicht haben sollte. Dieser auffordernde Shir Khan-Kinn-Ton, der einerseits unglaublich unromantisch oder sogar unhöflich ist und doch irgendwie lustig, weil er mit grosser Offenheit gefärbt. Ich bin dann aber wieder davon abgekommen, denn meine Figur in diesem Stück ist einbisschen weniger von sich überzeugt, hat mehr Narben. Diese Entscheidung macht es nun nicht gerade einfacher, denn ich möchte ja nicht, dass er wie ich klingt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s