Basel – Zürich

Bin im Zug von Basel nach Zürich. Habe eine Nacht in Basel bei Gotte Miau verbracht. Gestern Abend sind wir vor dem Theater in die Brötli Bar Abendessen gegangen. Ein sehr lustiges Lokal. Danach „Das war ich nicht“ im Theater Basel. Toll! Ne echt gute Inszenierung. Hingehen! Unbedingt. Habe ja letzten Sommer das Buch gelesen und schon das hat mir ausserordentlich gut gefallen.

Und heute Mittagessen mit meiner Grossmutter. Sie fragte mich nach der Liebe und als ich mit den Schultern zuckte, erzählte sie mir von damals, als sie sich mit 16 verlobte und mit 18 heiratete. Sie sagte, dass es ja damals keine Pille gab und auch sonst wurde nicht verhütet. Man war sehr ungeschützt. Mein Grossvater habe dann auch zu ihr gesagt, er wolle warten bis zur Hochzeit, da er sie für alles andere viel zu gern habe. Ich habe ihr von der heutigen Zeit erzählt, wo sehr sorglos mit sich und anderen umgegangen wird. Alles und nichts ist jederzeit möglich. Was einerseits sehr gut ist und toll (wer würde sich was anderes wünschen?), andererseits gehen wir heute zu lieblos mit der Liebe um, was dazu führt, dass man entweder frustriert, abgeklärt oder völlig abgehoben romantisch in einer Sackgasse endet. Zu viel Freiheit führt leider halt auch zu Orientierungslosigkeit.
Meine Grossmutter hat mir noch von meinen beiden Urgrossvätern erzählt. Dass der Vater meines Grossvaters sehr konservativ war und geritten sei und gefochten hätte. Und dass ihr Vater ein Lebemensch gewesen sei, ein charismatischer Mann, der viele Freunde und Kontakte hatte.

Heute früh, als ich auf dem Balkon von Gotte Miau stand mit einem Kaffe in der Hand, als sich die Wolken mit dem Himmel vermischten, fühlte ich die Fuge in mir, den Riss, der immer grösser wird und mir wurde bewusst, dass ich mich verändere. Und dass diese Veränderung Früchte tragen wird. Jetzt brechen meine Gedanken, bald aber werden meine Taten, mein Leben brechen. Das ist sie also, die viel besungene Freiheit.

Gestern Morgen im Zug (in eine ganz andere Richtung):
Nebel liegt über meinem grünen Land. Es ist früh, mein Herz steht still. Es gelingt mir nicht, die Weite des grünen Landes, das unter dem Nebel liegt, in mir aufzunehmen. Die Zuversicht gelingt mir nicht. Diese Tränen sollen jetzt geweint sein, später ist dafür keine Zeit. So ist das mit Orten. Man begeht sie unaufmerksam. Zuweilen öffnet man die Augen, die grauen und lässt den Ort in sich wohnen – für immer. Ich trage viele Orte in mir, die mich an mich selbst erinnern. Wie ich war und wie ich sein werde. Und dann werde ich so, wie ich bin.

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