Quarantäne (im ungemachten Bett!)

Hasenherz steht unter Quarantäne. Hasenherz hat nämlich einen blöden Virus eingefangen, der ansteckend ist. Frau Dr. Unterholz hat Hasenherz verboten unter Leute zu gehen. Nun sitzt Hasenherz mit tränenden Augen (der Virus hat so nette Ausdrucksformen wie Augenentzündung) in der Küche und langweilt sich zu Tode. Hasenherz könnte aufräumen oder basteln oder ihr Bett machen. Hasenherz ist aber lustlos und tigert in der Wohnung rum. Küche – Wohnzimmer – Schlafzimmer – Balkon – Küche (den Rest kannst du dir denken). Fernsehen oder lesen kommt nicht in Frage, weil eben. Augenentzündung. Hasenherz ist schon so verzweifelt, dass sie daran denkt Hörspiele zu hören oder zu telefonieren. (Hasenherz mag beides nicht.)

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Ich habe letzthin das neue Buch von Amélie Nothomb „Winterreise“ gelesen. Hach, ich liebe die Bücher von Amélie Nothomb. Da gibt es ein paar Stellen, die mir gut gefallen:

„Sich im Winter zu verlieben ist keine gute Idee. Die Symptome sind grandioser und schmerzhafter. Das reine Licht begünstigt den krankhaften Genuss der Erwartung. Kälteschauer steigern das Fieber. Wer sich zum Luciafest verliebt, zittert und bebt drei Monate lang. Andere Jahreszeiten kokettieren mit kleinen Nettigkeiten wie Knospen, Beeren, Blättern, auf die sich die Seele stürzen kann. Die Nacktheit des Winters bietet keine Zuflucht. Trügerischer als Luftspiegelungen in der Wüste ist die berühmte Kälte-Fata-Morgana, die Oase am Polarkreis, ein durch Minusgrade erzeugter Skandal der Schönheit.“

„Sie ist bei weitem das Beste, was ich auf diesem Planeten angetroffen habe. Sie hat keine guten Eigenschaften, sie ist die Güte an sich. Dennoch hat sie sich mir gegenüber grausam und kastrierend verhalten. Wenn aber selbst das Prunkstück der Menschheit nicht mehr taugt, sollte man mit der Gesamtheit aufräumen.“

„(…) also musste ich Schönheit zerstören. Zerstört man je etwas anderes? Es gibt kein Beispiel eines Anschlags gegen die Hässlichkeit. Sie weckt nicht genug Leidenschaft, um solchen Aufwands wert zu sein. Extrem Hässliches ruft bloss sterile Empörung hervor. Allein das Erhabene weckt die Glut, die zu seiner Zerstörung nötig ist. (…) Jeder tötet, was er liebt.“

Ein wirklich sehr lustiges, unterhaltsames, herrlich absurdes und gutes Buch.

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Wo würde Hasenherz lieber sein, als in der Quarantäne? (Stellt sich Hasenherz selbst die Frage, um diese auch gleich selbst zu beantworten.): Hasenherz würde lieber draussen sein. Zum Beispiel in der Bäcki oder im Xenix mit ihren Freundinnen. Hasenherz würde lieber im Zug sitzen und zum Beispiel nach St. Gallen oder auch nach Luzern fahren. Oder mit einem Fremden in einem Kaffee sitzen und sich fragen: „Passt’s oder passt’s nicht?“ Hasenherz würde lieber arbeiten. Hasenherz würde sogar lieber vom Hotel Uto Kulm aus über die Stadt blicken.

„Ich werde ihn mit jener Liebe lieben, die uns alles einflösst, was uns auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.“
(Amélie Nothomb: Winterreise)

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