Der schönste Teil der Urlaubsvorbereitung

Endlich Ferien!

Endlich Ferien!

Mein Bücherregal ist grossartig. Eine kleine Bibliothek, wo es immer wieder etwas zu entdecken gibt. Folgende Bücher hab ich nach langem hin- und her als Ferienlektüre ausgewählt:

  • Siri Hustvedt: Der Sommer ohne Männer (Eine Empfehlung von Häschen und der Titel passt irgendwie.)
  • Annie Proulx: Schiffsmeldungen (Wenn ich schon aufs Schiff gehe…)
  • Andrej Szczypiorski: Den Schatten fangen (Szczypiorski ist schlicht und ergreifend immer gut.)
  • Truman Capote: Frühstück bei Tiffanys (Hab ich bis jetzt noch nie gelesen und Capote ist auf jeden Fall ein sicherer Wert.)
  • Celia Fremlin: Parasiten-Person (Da mag ich den Titel sehr und das Thema klingt spannend.)
  • André Gide: Die Schule der Frauen (Noch nicht gelesen. Wird Zeit.)
  • Jacques Chessex: Der Vampir von Ropraz (Hat mir der Verleger geschenkt und ich hab gerade Lust auf Tod, Geheimnis und Barbarei.)

Welche Bücher ich dann wirklich mitgenommen und welche ich dann auch gelesen habe, werde ich euch danach erzählen. Jetzt heisst es: Verweht, vorbei, nie wieder – Auf Wiedersehen & geniesst die Sonne!

Unter Huflattich begraben

Gestern war ein sehr seltsamer Tag. Einerseits mein letzter Arbeitstag vor meinen Ferien – was immer auch grossen Stress und viel Organisationsaufwand bedeutet – andererseits war ich seltsam durchlässig, empfindlich. Das gemeine daran, wenn man durchlässig ist, ist, dass die Menschen um einen rum das irgendwie riechen und immer noch einen oben drauf geben. Da hab ich zum Beispiel einem Freund gesagt (der gerade sehr traurig war, weil etwas Schlimmes passiert war): „Soll ich zu Dir kommen? Brauchst Du mich?“ Worauf er antwortete: „Darauf hab ich – ehrlich gesagt – keine Lust.“ Dieses schnöde „keine Lust“ hat mich verletzt. Weil meine Frage ein Freundschaftsangebot war, eines, das ich im vollen Bewusstsein drum, dass es sein könnte, dass er davon Gebrauch macht und ich um elf Uhr abends trotz unglaublicher Müdigkeit und eben Durchlässigkeit eine Stunde mit dem Zug zu ihm fahren müsste, gemacht habe. Nun. Von diesen Situationen gab es gestern einige. Mein Chef zum Beispiel liess mich beispiellos im Regen stehen, was mich dazu brachte mein Vertrauen in Frage zu stellen, mehr noch, fast an eine Verschwörung zu glauben.

Als ich dann heute Morgen aufgewacht bin, noch immer müde im Bett lag und über die Ereignisse des gestrigen Tages nachdachte, da empfand ich Scham und Ekel. Dann aber, als ich am Bellevue aus der Strassenbahn stieg und Badana auf der anderen Strassenseite stehen sah, mit ihren Kopfhörern auf und ihren schönen Lippen und den Locken und ich zu ihr rüber winkte und auf sie zu hüpfte, da hab ich all die Dinge und schlechten Gefühle weggewischt, „achwas!“ gesagt und „duspinnstdoch!“ und „zumglückhastduferien!“ und war in dieser reinen und unaufgeregten Form glücklich, die so viel schöner ist, als das aufgeregte Glück.

Ach ja. Gestern Abend war ich noch bei Gilg – sein Haus anschauen. Er lebt auf einem Hügel im Wald. Wir sind spazieren gegangen und haben Walderdbeeren gepflückt und dann lagen wir in der Wiese rum. Das war der einzige Moment gestern, in dem ich mich komisch wohl fühlte und den ganzen Mist gedanklich unter Huflattich und Sauerampfer begrub.

Geht tapfer unter

Ich lebe in verschiedenen Welten.
Montags, da geht die eine auf,
die andere geht tapfer unter.

Bei mir im Büro hat es viele von diesen Familienmenschen. Solche, die sich nach Langeweile sehnen und nach einem Quentchen Ruh. (Und hin und wieder eifersüchtig auf mein Leben schielen.) Manchmal, wenn ich mitten in meinem Wochenende stehe, gefüllt mit Rauch und lauter Musik, möchte ich sagen: Wisst ihr eigentlich wie schwer das ist? Dieses „mit den Hüften drehen“, dieses Getränk in meiner Hand? Wisst ihr, wie schwer es ist, die Lächerlichkeit auszuhalten, immer und immer auf 25 geschätzt zu werden und das seit Jahren? Wisst ihr, wie sich die Entzauberung anfühlt? „Ah, du findest mich cool? Ist das so? Du willst mich jetzt also küssen? Aber nicht etwa mit Zunge? Nein, ich komme nie mit dir ins Mascotte und auch nicht zu einem Fussballspiel. Nein, ich schmeisse keinen Trip mit dir und nein, ich heirate nicht.“

Ich lebe in verschiedenen Welten.
Montags, da geht die eine auf,
die andere geht tapfer unter.

Jeden Abend tausend Leben und in jedem tausend Möglichkeiten. Und zu jedem einzelnen sag ich nein. Manchmal bin ich müde, manchmal sehn ich mich nach Langeweile und einem Quentchen Ruh.

Ich lebe in verschiedenen Welten.
Montags, da geht die eine auf,
die andere geht tapfer unter.

Conversation

Bei uns in der WG gibt es ein eigentümliches Phänomen. Wir lieben es, alle zusammen in der Küche zu sitzen oder auf dem Balkon oder im Wohnzimmer und uns einen Schlagabtausch via Facebook zu liefern. Das heisst, wir sitzen nebeneinander und lachen uns kringelig über die Kommentare der anderen. Gestern war so ein Abend. Wir haben den Eurovision-Trash geschaut und das Ganze auf Facebook live kommentiert. Da haben sich dann natürlich auch noch weitere Freunde eingeschaltet und teilweise haben wir Tränen gelacht. Das war ein ausserordentlich lustiger Abend. Das witzige ist, dass ich – am Anfang des Abends – zu Häschen sagte, dass dies so ein typischer Abend sei, einer wie viele, den wir in spätestens zwei Wochen vergessen haben. So im Stil von: „Hm. Was hab ich vorletzten Dienstag gemacht? Hmmmm… Phu. Keine Ahnung. Ich glaub, nix spezielles.“ So gesehen – habe ich weiter zu Häschen gesagt – können wir die Sau rauslassen, denn in zwei Wochen würden wir uns ja sowieso nicht mehr dran erinnern.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus der Konversation:
Konversation

Perhaps, perhaps, perhaps.

„Du bist aus Wachs und ich aus Holz,“ sage ich und du schaust, als wär das die einfachste Erklärung. Es ist schon so, ich bin aus Holz. Meine Suchtmittel sind holzig, meine Musik ist hölzern und mein politische Einstellung sowieso. Bevor ich dich mundtot machen kann, erklärst du mich deine wächserne Welt. Im Hintergrund meines Kopfes singen Cake „Perhaps, perhaps, perhaps“.

Als ich mich in die 1. Mai-Feierlichkeiten der Züzi-Schönlinge stürzte, hab ich mich gefragt, wer – bitteschön –  den Himmel heute grün angemalt hat. Ich meine: grün? Haaaallooo? Pink hätte viel besser gepasst.

If you can’t make your mind up,
We’ll never get started.
And I don’t wanna wind up
Being parted, broken-hearted.

Und dann ist mir heute etwas sehr peinliches passiert. Ich hab Freunde getroffen und Freunde von Freunden. Unter anderem auch George – ein Freund von Freunden. Ich hab ihm meine Hand entgegen gestreckt und gesagt: „Hallo, ich bin Sabine.“ Und er schaut seltsam. Und da fällt mir ein, dass wir uns mal geküsst haben, vor etwa einem Jahr oder so und tja. Ich hab ihn nicht sofort erkannt. Unglaublich peinlich. Meine Freundinnen haben sehr gelacht. Das sind dann eben die Nachteile eines Hippielebens.

A million times I ask you,
And then I ask you over again.