Ceci n’est pas une pipe.

René Magritte: Ceci n'est pas une pipe

René Magritte: Ceci n'est pas une pipe

Es ist minus dreizehn Grad in Zürich. Arschkalt. Diese Temperaturen erinnern mich an den Januar 2009. Damals habe ich ein Gedicht geschrieben:

Minus zehn Grad

Gleichmütig blicken die Abendlichter
mir entgegen durchs blasse Glas.
Der Zug fährt. Ich stehe still.

Jetzt, da ich dich offen trage
nicht ummantelt, sondern bloss
bist du mir Mond am Horizont
– so lächerlich und einzig.

Und schon schiebt sich
die erste Nachtwolke
zwischen uns.

Schon seltsam, wie die Zeit die Dinge wandelt. Heute stehe ich allem und allen mit einer unwirklichen Gleichgültigkeit gegenüber. Und die Dinge, die mir nicht gleichgültig sind, lasse ich vorbeiziehen, lasse ich gehen. Als ob ich Klebstoff wäre, der mit den Jahren spröde geworden ist. Und trotzdem sehe ich mich morgens im Spiegel an und denke: Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden. Ich bin glücklich. Was möchte ich mehr?

Ich war in Clermont-Ferrand an einem Kurzfilmfestival. Und es war der Hammer. Es war lustig, aufregend, anstrengend und sehr abwechslungsreich. Badana und ich haben viele Kontakte geknüpft und die meisten (mit einer Ausnahme) Leute waren sehr nett und offen. An einem Abend – an der Soiree des Deutschen Films – hab ich die schrecklichste und schönste Erfahrung seit langem gleichzeitig gemacht. Achterbahn sozusagen. Aber gut. Manchmal sind Reptiloiden gut, um einem die Augen für die Schönheit zu öffnen. Und dann, es war früh am Morgen, es hatte die ganze Nacht geschneit, die Stadt lag vor uns unberührt, der Schnee einen Meter hoch, Badana und ich stapften durch die Strassen, blieben stehen und Aboubakeur Hamzi sagt: „Ich lebe im Augenblick.“ Und ich sage: „Und dies, dies ist unser Augenblick.“

Wäre die Kälte nicht so durchdringend, ich würde mein Innerstes nicht fühlen. Wir sollten dankbar sein. Für die leuchtenden Momente. Für Freundschaft und Nähe. Funkeln in der Nacht. Wie Tigeraugen. Ich bin gespannt, was 2012 noch so alles bringen mag. Vielleicht ist eine Pfeife ja wirklich keine Pfeife.

6 Gedanken zu “Ceci n’est pas une pipe.

  1. „Und die Dinge, die mir nicht gleichgültig sind, lasse ich vorbeiziehen, lasse ich gehen. Als ob ich Klebstoff wäre, der mit den Jahren spröde geworden ist.“
    -> Ich finde, dass dein Weichmacher noch sehr aktiv ist! Puh, so was von klebrig. Mega schön klebrig. Das tut meiner gestutzten Freiheit verdammt gut. ❤

  2. minus zehn grad im januar 2009 und ich erinnere mich an deine zeilen und wie sie mich damals ummantelt haben… herzliche grüsse, anita

    • oh, ja, ich erinnere mich auch gut daran. ihr wart sozusagen meine rettung. du und veronika und die anderen. das war gut, an diesem kalten samstagmorgen im januar. die perle in der gosse sozusagen.
      <3! danke!

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