So viel Hölle, so viel Paradies

Oskar Kokoschka: Pieta

Oskar Kokoschka: Pietà (Plakat für die internationale Kunstschau Wien, 1909)

Niemals zuvor habe ich so viel Krampf, so viel Hölle, so viel Paradies gekostet.“ (Alma Mahler über ihre Beziehung zu Oskar Kokoschka)

Heute war ich im Kunsthaus Zürich und habe mir die Ausstellung zu Oskar Kokoschka angesehen. Zum Glück war ich früh da. Als ich ging, enterten gerade riesige Menschengruppen den Eingangsbereich, schupsten sich, stiessen sich Regenschirme in die Kniebeugen, riefen laut, schimpften und muteten ganz grässlich an. Ein weiterer Vorteil, wenn man zu den Frühaufstehern gehört (was ich ja seit neustem tue). Die Ausstellung selbst aber war sehr sehenswert. Mit sechzehn Jahren hatte ich meine erste Begegnung mit den Gemälden von Kokoschka im Rahmen der Ausstellung „Entartet“ in Berlin gehabt. Eine Ausstellung über die verfolgten Künstler des zweiten Weltkriegs, deren Kunst vom Nazi-Regime als „Entartete Kunst“ bezeichnet wurde. Es war also auch ein Wiedersehen nach langer Zeit. Kokoschka und ich.

Es hatte auch ein Nachbildung der lebensgrossen Puppe, die Kokoschka nach dem Vorbild von Alma Mahler anfertigen liess, da sie ihn verlassen hatte. Nachdem er die Puppe hunderte Male gezeichnet hatte, sie überall hin mitnahm, sogar ins Café, fand sie ein fulminantes Ende.
Oskar Kokoschka: „Endlich habe ich mich entschlossen, sie zu vernichten. Die Puppe hatte mir die Leidenschaft gänzlich ausgetrieben. Ich machte also ein großes Champagner-Fest mit Kammermusik, während dessen mein Kammermädchen Hulda die Puppe mit all ihren schönen Kleidern zum letzten Mal vorführte. Als der Morgen graute – ich war wie alle anderen sehr betrunken – habe ich im Garten der Puppe den Kopf abgehackt und eine Flasche Rotwein darüber zerschlagen. Am nächsten Tag schauten ein paar Polizisten zufällig durch das Gartentor, erblickten wie sie meinten den blut überströmten Körper einer nackten Frau, und stürzten in der Verdächtigung eines Liebesmordes ins Haus hinein. Genau genommen war es das auch, denn an jenem Abend hab ich die Alma ermordet…

Auch ein Weg der Bewältigung, nicht wahr? Da sind Badana und ich gerade harmlos, die das Bildnis von verflossene Liebhabern am Strand von Odessa begraben oder aber in die Alster werfen.

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