…and walk!

Put your heart under your feet ... and walk

Heute mal wieder an der Gessnerallee

Als ich heute Mittag das Büro verliess, um einen süssen freien Nachmittag zu geniessen, hat mich ein Obdachloser umarmt. Es hat ganz klassisch, harmlos angefangen. Er fragt mich nach Geld, ich gebe ihm Geld, er sagt danke, ich sage bitte und will mich gerade abwenden, als er seine Arme weit ausbreitet, mich übers ganze Gesicht anlacht, mich innigst in seine Arme schliesst und mir dabei „god bless you“ ins Ohr haucht. Ich bin einigermassen überrascht und muss lachen.

Wir haben also noch ein bisschen gelacht und sind dann unserer Wege gegangen.

An der Gessnerallee dann – bei diesem Durchgang, der zur Löwenstrasse führt, den ich sehr mag – traf ich eine ehemalige Chefin, sie hat mittlerweile schneeweisses Haar. Sie hat mich zu einer Veranstaltung im März eingeladen, ich habe zugesagt und beim Abschied hat sie mir eine Kusshand zugeworfen.

So durch die Stadt zu ziehen, Musik auf den Ohren, den Menschen lachend ins Gesicht zu blicken und fast immer ein Lächeln zurückzubekommen, macht irgendwie froh.
Put your heart under your feet… and walk!

Augen der Grossstadt
(Kurt Tucholsky)

Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
Mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das? vielleicht dein Lebensglück …
vorbei, verweht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang,
die dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hasts gefunden,
nur für Sekunden …
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider;
Was war das? kein Mensch dreht die Zeit zurück …
vorbei, verweht, nie wieder.

Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Es sieht hinüber
Und zieht vorüber …
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider.
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.

2 Gedanken zu “…and walk!

  1. Liebe Sabine. Ich freue mich immer sehr über deine Bloggs. Sie sind unbeschreiblich schön geschrieben und so gefühlvoll. Es zeigt mit immer, was für ein wertvoller, tiefgründiger, liebenswerter Mensch du bist. Deine innere (und selbstverständlich auch äussere) Schönheit braucht soviel Platz, dass jeder, der dir begegnet, in deinen Bann gezogen wird. Danke, dass wir uns begegnet sind und vielleicht wieder mal begegnen werden. Helga

    • Liebste Helga, vielen, vielen Dank für diese schönen Worte, für das Kompliment, welches mich unglaublich fest freut! Das kann ich nur zurückgeben und ja, es würde mich auch sehr freuen, Dir mal wieder zu begegnen! ❤ ❤ ❤

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