Jahaha! Southside!

Montag morgen nach dem Southside ist irgendwie ärgerlich. Weil: Southside ist vorbei, mir steckt noch der Kater in den Knochen und die Müdigkeit im Hintern (höhö) und der Fernfahrermodus ist noch nicht ganz in den „Ich benehme mich wie eine normale Frau“-Modus zurückgewechselt. Jahahaha! Das Southside war echt geil, ich kann mir gar nicht erholen, so schön war dieses Wochenende! Hach.

Es hat geregnet, es war saukalt, es war schlammig – und trotzdem: Es hat grossen Spass gemacht. Badana und ich sind Hippie-mässig durch die Zeit gezogen und haben viel erlebt. Zum Beispiel haben wir „Lass die Finger von Emanuela“ wunderschönst per Telefon gesungen bekommen. Und dann haben wir noch Pandi und Merwin kennengelernt, die eigentlich Andi und Erwin hiessen, die kommen aus München, sagten sie und haben uns morgens um 8 Uhr Kaffee spendiert und auch sonst waren sie samten. Badana hat mit ihren glänzenden Stiefeln gepunktet und ich hätte beinahe auf dem Tisch getanzt (hätte es einen Tisch gehabt, ich hätte es bestimmt getan).

Wie schön es ist, so einfach nichts zu denken und nichts zu tun haben und einfach nur bei sich zu sein!
Hasenherz

PS: Übrigens: Ich rieche nach französischem Acker – wurde mir gesagt. Ähm. Ja.

Hasenherz fordert das Glück heraus

Als dieses Wochenende am Freitag gegen 18 Uhr begonnen hat, habe ich mich gefragt, ob ich Glück erfahren würde. Ob mir das Wochenende eine speziell glückliche Erfahrung bieten würde – und siehe da! Manchmal erreicht einem das Glück schräg von der Seite, von da, von wo man nie im Leben damit gerechnet hätte. Und nun sitze ich also hier – es ist Sonntag Nachmittag – in meiner Küche, meine Wohnung erstrahlt in neuem Glanz, es ist heiss, die Sonne scheint (Sommer!) und bald, bald stellt sich heraus, wie gross mein Glück sein wird, ob es sich lediglich um ein kleines Glück handeln wird oder um ein ganz grosses Glück. Ich bin sehr gespannt, bin aufgeregt und mir ist auch etwas bang. Wie immer, wenn man den Fuss anhebt, um den Schritt durch die Tür zu machen. Drückt mir die Daumen!

Ich, der Menschenfresser

Habe gerade in ein Leseexemplar hineingelesen, das sehr interessant aussieht. Es heisst „Don Ottos Klassikkabinett“ und wurde von Mauricio Botero verfasst (ein Verwandter des Malers).  Wie auch immer… Darin fand ich folgenden Satz: „Ich war er, und ich verstand ihn.“ Dieser Satz erinnerte mich an ein Gespräch mit Peter, die meine Art, Menschen psychisch aufzufressen, nicht verstand. Nicht, dass sie nicht verstehen wollte, Peter ist einfach von einem anderen Schlag und ihr sind solche Dinge eher fremd. Meine Eigenart ist also, mich so sehr auf mein Gegenüber einzulassen, bis ich zu ihm werde, bis ich die Gefühle und die Neigungen verinnerlicht habe. Das Gute daran: Ich kann die Probleme, Ängste und Gedanken des Gegenübers sehr, sehr gut nachvollziehen und bin eine tolle Zuhörerin. Das weniger Gute daran: Es braucht Tage, bis ich mein jeweiliges Gegenüber wieder aus meinem Organismus raus habe. Noch Tage später bin ich dem Menschen nah und sozusagen „voll von ihm“. Ich nenne das liebevoll „Psycho-Kater“. Das ist nicht immer ganz einfach, vor allem, weil es viele Menschen gibt, die auf diese Form von Nähe mit Aggression, irritierter Distanziertheit, Kälte oder dann gegenteilig mit Verliebtheit reagieren. Eigentlich logisch. Denn wer kann schon damit umgehen, wenn jemand spielend so viel Nähe zulässt, dass es sich wie „bemächtigen“ anfühlt? Und trotzdem: Ich finde es wahnsinnig spannend. Ich kann gar nicht anders sein. Alles andere wäre mir viel zu langweilig. Und meine Langeweile ist mein grösster Feind.

Harzig, zäh & dickflüssig

atompilzHach.

Heute dreht die Welt sich harzig – irgendwie. Alles zäh wie Leder und dickflüssig wie Sirup. Manchmal wünschte ich mir, dass es in meinem Kopf etwas heller und in meinem Herzen etwas weniger staubig.

Tja.

Ach, wär ich doch ein Atompilz, der sich zum Himmel erhebt und die Welt eindunkelt und alles mit sich reisst, was grad zu nah und grad zu zufällig. Vielleicht könnt ich mich dann auch gleich mitreissen. So mitreissend mitreissen.

Grummel.

So, fertig düstere Gedanken. Die Sonne scheint (!), das Leben ist schön (!), meine Haare riechen nach Honig (!), im Radio läuft Highway to Hell (!) und mein Lieblingsbuch ist heute „Oh, wie schön ist Panama“ (!).

Und die Antwort des Nachmittags lautet: „Sieh dich nach Alternativen um“.

Kein Klub, kein Klub, kein, kein

So würde der Türsteher aussehen vor dem Klub, wo ich bestimmt NIE aufgenommen werden würde.

So würde der Türsteher aussehen vor dem Klub, wo ich bestimmt NIE aufgenommen werden würde.

„Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Klub beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen. “ (Groucho Marx)

Ich meine, das ist doch das Grundproblem. Sagt zumindest Claudio. Und Claudio muss es ja wissen. Er ist schliesslich mein Gewissen und geistiger Vater in einem.

Ein perfekter Teufelskreis. Der Klub, der mir die Mitgliedschaft verweigert, dem will ich beitreten. Der, der mich aufnimmt, den finde ich doof. Auf einen Klub zu hoffen, der so tut, als wolle er einem nicht aufnehmen und einen dann doch heimlich aufnimmt, kann man ja nicht hoffen, nicht wahr?

Blödes Zeugs, das.

Was ich mag:

  • Den Geruch meines Zimmers im Sommer. Diese Mischung von Sonne, Sommerluft, Parfum, Waschmittel und alten Möbeln ist herrlich.
  • Verspielte Gegenüber. Die Finten schlagen, einen aber nicht im Regen stehen lassen.
  • Meine Freunde. Mit all ihren Macken und Neurosen und Nervtöter-Seiten.
  • Küsse.
  • Galgenhumor. Sowieso Humor. Der Humor von Wurmbrand besonders.
  • Offenheit und Neugierde.
  • Perfekte Sätze in der Literatur. Zum Beispiel dieser (Ist wirklich nur EIN Satz – ein Langer): „Ich will nicht wie ein Idiot sterben“, habe ich dieser Frau kurze Zeit darauf in einem engen und dunklen Hotelzimmer gesagt, dessen Schäbigkeit ich damals nicht wahrzunehmen vermochte, ein Zimmer mit nackten Wänden, in dem die grauen oder vielleicht trauertragenden oder einfach als überflüssig betrachteten Bettdecken auf dem sauberen, wenn auch schwärzlichen Teppichboden lagen, auf dem nicht einmal Platz war, um ein paar Schritte zu tun, da zwei halbausgepackte Koffer den Platz einnahmen, auf dem man die Schritte in ein Badezimmer hätte tun können, das so leer und so weiss war, dass zwei Zahnbürsten – granatrot und grün -, die in ein und demselben Glas standen, dessen Cellophan verschwand, ohne dass wir gewusst hätten, in welchem Augenblick noch wer es hatte verschwinden lassen, den Blick anzogen wie der Dolch die Hand oder der Magnet das Eisen, dermassen, dass, als eine der beiden Zahnbürsten in der letzten Nacht, die ich dort verbrachte, fehlte die Keramik und die Fliesen und die Kacheln sich mit dem Granatrot der Zahnbürste färbten, die dortgeblieben war, und diese Farbe vereinnahmte sogar das Schwarz des Necessaires, das ich auf dem gläsernen Bord liess, damit es nach dem Fortgang irgendeine Veränderung gab oder Trauer in dem Badezimmer herrschte, das so leer und so weiss war und zu dem man kaum gelangen konnte über die halbausgepackten Koffer und die als überflüssig betrachteten und auf den Boden geworfenen Bettdecken hinweg, als ich in einem Hotelzimmer kurze Zeit darauf derselben Frau sagte oder gesagt habe: „Ich will nicht wie ein Idiot sterben, und da ich eines Tages unausweichlich werde sterben müssen, möchte ich in meiner Zeit vor allem für das einzige Sorge tragen, was sicher und unausweichlich ist, aber allem zuvor möchte ich für die Form meines Todes Sorge tragen, denn die Form ist nicht so sicher noch unausweichlich.
  • Gemüsewähe und Salat.
  • Den Geruch von Tiefgaragen und Neubauten.
  • Sommerregen.
  • Seltsame Monster-Hasen zeichnen.
  • SMS von meinen Liebsten.
  • Umkehrungen, Irritationen, Aha-Momente.
  • Menschen, die etwas besonders gut können und mir davon erzählen. Mit möglichst vielen Details.
  • Fragen: Fragen stellen, Fragen beantworten.
  • Das Internet.
  • Sich kugeln vor lachen.
  • Der erste Schnee.
  • Kaffee. Kaffee. Kaffee.
  • Flaschenspiel, Leichen im Keller und ähnliches spielen.
  • Höflichkeit.
  • Luftschlösser bauen. Nur um sie gleich wieder umzubauen.
  • Umgestaltete Wörter. Solche wie Kartuffs (für Kartoffeln), Karotjes (für Karotten) und Vitatins (für Vitamine).
  • Klavierspielende Hände beobachten. Sowieso Hände.
  • Frühmorgens den Radiomoderator anschnauzen – lautstark – weil er zu viel quasselt.
  • Anziehung. Flirren in der Luft.
  • Schlaf.
  • Namen in denen zwei Vokale hintereinander vorkommen. Wie: Moana, Alea, Romeo, Eleonor, etc.
  • An S-, U- und sonstigen Bahnhöfen rumstehen.
  • Die Bilder von Edward Gorey.
  • Die Bücher von Joseph Roth.
  • Meine Wohnung. Mit Izzie Kaffee trinken am Küchentisch.
  • Das Buch der Antworten.
  • Menschen haarsträubende Spitznamen geben. Und diese auch benutzen, so, dass kein Aussenstehender weiss, von wem man spricht. Im Stil von: „Gestern hab ich den Zauberlehrling getroffen und der hat mir erzählt, dass Xanten eine Affäre mit Peter hat. Sie (Peter) sagt aber immer, sie sei mit Fuchur zusammen.“
  • Die Nacht durchtanzen.
  • Sommerbadibars.
  • Kleine Buchhandlungen. Bücherregale bis an die Decke.
  • Nachrichtensprecher.
  • Mit meinen Freundinnen über Sex reden.
  • Die Hardbrücke in Zürich. Um die Hardbrücke, auf der Hardbrücke, unter der Hardbrücke sein.
  • Walliser Dialekt.
  • Wasser.
  • Nachts die Lichter der Stadt betrachten und glücklich sein. Sowieso die Tatsache, wegen Lichter glücklich sein zu können.
  • Musik.
  • Bei Kerzenschein auf Dachterrassen rumsitzen.
  • Den Kopf aus einem Zugfenster halten, den Fahrtwind im Gesicht. Zugreisen in Europa im Sommer.
  • Zu wissen, dass Älter werden nicht fühlbar ist. Mal abgesehen von Rheuma.

Fragen

Schreib mir, was du anhast! Ist es warm?
Schreib mir, wie du liegst! Liegst du auch weich?
Schreib mir, wie du aussiehst! Ist’s noch gleich?
Schreib mir, was dir fehlt! Ist es mein Arm?

Schreib mir, wie’s dir geht! Verschont man dich?
Schreib mir, was sie treiben! Reicht dein Mut?
Schreib mir, was du tust! Ist es auch gut?
Schreib mir, woran denkst du? Bin es ich?

Freilich hab ich dir nur meine Fragen!
Und die Antwort hör ich, wie sie fällt!
Wenn du müd bist, kann ich dir nichts tragen.

Hungerst du, hab ich dir nichts zum Essen
Und so bin ich grad wie aus der Welt
Nicht mehr da, als hätt ich dich vergessen.

(Bertolt Brecht)

Schmerzhaft tiefe Lippen

tiefer_schmerzEs gibt Bücher, die haben seltsame Cover zu seltsamen Titeln. Zum Beispiel „Tiefer Schmerz“ von Arne Dahl. Das Buch hat Frauenlippen – rot geschminkte – auf dem Cover. Drunter steht: Tiefer Schmerz. Ich mein, was weckt das? Lippen = Schmerz? Und dann auch noch ein tiefer Schmerz. Andererseits finde ich die Verbindung, die sich mir im Kopf auftut, auch ganz … nett.

Kann die Imagination von Lippen, sozusagen das Herbeisehnen von Lippen, nicht eine Form von Schmerz sein, die man sogar geniessen kann? Oder hassen – beides gleichzeitig. Was dagegen hilft? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung.

Bald reise ich wieder nach Hause. Das Hotelzimmer diesmal war übrigens sehr schön. Ich habe wieder einmal Glück gehabt.

Hasenherz

Alle Sünden dieser Welt

„Alt werden ist natürlich kein reines Vergnügen. Aber denken wir an die einzige Alternative.“ (Robert Lemke)
Wir denken erst im Herbst über die Alternative nach.  Im Frühling und im Sommer dieses Jahres werden wir erstmal alt. Und zwar so richtig alt. Sowas von höllisch alt, dass man gar nicht älter werden kann.

Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat.“ (William Somerset Maugham)
Und darum, bevor wir im Herbst über die Alternativen nachdenken, begehen wir im Frühling und im Sommer dieses Jahres alle Sünden, die man begehen kann und werden dabei alt. Ihr wisst schon, so richtig alt. Damit niemand sagen kann, wir hätten uns keine Mühe gegeben. Das wär ja noch schöner…