Bis(s) zur Mittagsstunde

Heute ist Sonntag und ich habe mir Gedanken über Torstens Postkarte aus Neuseeland gemacht:
Bestimmt wurde die Karte versehentlich nach Saudiarabien geschickt, weil sie an einem Brief für einen Geschäftsherrn in Riad klebte. Die Karte landete also zusammen mit dem Brief – übrigens ein Liebesbrief seiner Neuseeländischen Jugendfreundin, von der er zwanzig Jahre nichts mehr gehört hat – im Briefkasten in Riad. Der Geschäftsherr hat den Brief und die Karte mit in seine Wohnung genommen. Zuerst den Brief gelesen. Gerührt und verwirrt hat er sich die Tränen weggewischt und die Karte zur Hand genommen. Da erst bemerkte er, dass die Karte nicht für ihn bestimmt ist. Normalerweise wäre er zu faul gewesen die Karte auf die Post zu bringen und weiterzuschicken. Da das Schicksal ihm aber den Brief seiner Jugendfreundin – die er im übrigen immer noch liebte – überreichte, dachte er sich, dass diese Karte bestimmt für den Adressaten eine ähnliche Wichtigkeit hat und wenn man im Dienste des Schicksals steht, man unbedingt pflichtbewusst sein muss, man weiss nie… So hat die Karte also doch noch den Weg zu Dir gefunden, lieber Torsten.

Dann bin ich noch ins Geschäft gegangen – wo ich übrigens jetzt noch bin – und habe das Leseexemplar von „Bis(s) zur Mittagsstunde“ abgeholt. Ich freue mich riesig auf die Lektüre! Jetzt gehe ich nach Hause und lese den Rest des Tages. Juhuiiii! Wer den ersten Band noch nicht kennt, muss ihn noch lesen. (Pflichtlektüre!)
http://www.buch.ch/shop/bch_start_startseite/schnellsuche/any/?fq=3-551-58149-5&fc=ANY

Schönen Sonntag!
Hasenherz

Biedermann & die Brandstifter

Schauspielhaus Zürich - Biedermann

Gestern war ich mit Sonja „Biedermann und die Brandstifter“ im Schauspielhaus Zürich gucken. Diese Inszenierung mit den Masken von Suse Wächter hat mir ausserordentlich gut gefallen.
Im Stück sagt Willi Eisenring, der Brandstifter: „Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand.“

Höre auf www.last.fm Musik – ein cooles Musiktool, dass ihr mal ausprobieren müsst. Ansonsten ist nicht viel los. Timos Psycho-Katzen brauchen dringend Futter und drum verabschiede ich mich in den Samstag und wünsch euch Glück!
Hasenherz

PS: Alex B. hat heute Geburtstag. Happy Birthday!

Wenn das Herz denken könnte…

Ha! Nachdem ich gestern im Schneeregen fast versoffen wäre, scheint heute die Sonne und das macht mich wahnsinnig glücklich.

Habe heute Torsten das erste Buch für seinen Wohnzimmertisch in den Briefkasten geworfen. (Torsten möchte einen Wohnzimmertisch aus Büchern basteln.)  Es handelt sich um das Buch „Wenn das Herz denken könnte…“ von Fernando Pessoa. Ein wunderbares „Frauenbeeindruckbuch“, das Torsten bestimmt gut brauchen kann. Oder um Pessoa zu bemühen: „Irgendwann werfe ich eine Bombe aufs Schicksal.“

Jetzt möchte ich euch noch Mascha Kaléko vorstellen. Seht euch zum Beispiel mal ihr „Lyrisches Stenogrammhenheft“ an, das 1933 erschienen ist.
http://www.buch.ch/shop/home/schnellsuche/buch/?fq=3-499-11784-3&fc=BUCH
Mascha Kaléko sagt sehr schön:
„Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond“

Schönes Wochenende wünsch ich euch!
Hasenherz

Der erotische Pepys

Heute regnet es und die Kunden ziehen nasse Bahnen auf den Parkettboden der Buchhandlung. Ich schaue aus dem Fenster und blicke auf die bunten, trauertragenden Regenschirme der Passanten. Ivana sagt, dass Menschen ohne innere Ordnung ihre Genialität aus der Diskrepanz zwischen dem Versuch der äusseren Ordnung und dem inneren Chaos beziehen.

Habe heute im Buch „Der erotische Pepys“ weitergelesen. http://www.buch.ch/shop/home/schnellsuche/buch/?fq=3-8218-0772-5&fc=BUCH
„Samuel Pepys (1633-1703) war ein wetterwendischer Opportunist, ein Frauenjäger der dreistesten Art, ein barscher Vorgesetzter – und ein manischer Tagebuchschreiber. Er legte in seinem Tagebüchern über alles Rechenschaft ab – über seine (manchmal mafiösen) Geschäftsmethoden im Marineamt, seine Ausschweifungen in düstren Kneipen und fremden Betten, seine Ehezwistigkeiten, seine Krankheiten, seine Speisezettel, seine Erniedrigungen, seine Selbstzweifel, seine Verdauungsstörungen.“ (Klappentext)
Dieses Buch ist ein tolles Dokument aus früheren Zeiten und dazu noch eine wirklich lustige und amüsante Lektüre. Lege es euch sehr ans Herz. Unbedingt lesen! Hier ein Auszug:

30. Juni. Früh aufgestanden und ins Büro. Dort traf ich Griffiths Magd beim Saubermachen. Vergebe mir Gott, was ich mit ihr alles hätte anstellen wollen, aber ich hielt mich im Zaum. Nachdem sie gegangen war, bohrte ich einige Löcher in die Wand, um so von meiner Amtsstube aus in das große Büro schauen zu können, was mir großes Vergnügen bereitet.

In diesem Sinne: Seid schön brav und bohrt keine Löcher in eure Büro-Wände. (Und wenn doch, dann unbedingt Bericht an mich!)

Herzlich,
Hasenherz

Reisen im Kopf

Hallo ihr lieben Büchernarren!

Als ich die Lehre als Buchhändlerin gemacht habe, sagte mir ein Verleger: „Geh hin und lies. Rauche, trinke und lies!“ Diesen Rat hab ich mir zu Herzen genommen und hab die Reisen im Kopf angetreten. Hierüber will ich berichten.

„Hauptsache, ich komme irgendwo hin“, sagte Alice.
„Das wirst du sicher, wenn du lange genug gehst“, sagte die Katze. (Lewis Carroll „Alice im Wunderland“)

Gerade lese ich „Deutschlandreise“ von Roger Willemsen.  http://www.buch.ch/shop/home/schnellsuche/buch/?fq=3-596-50959-9&fc=BUCH Und mir gefällt diese Stelle besonders: „Die wahre Anziehung eines Menschen kommt vermutlich aus seinem unerfüllten Leben, sie tritt aus der Stelle aus, an der der Mangel entsteht. Aber manchmal erdrückt der Mangel alles, und so wie es möglich ist, durch Angst die Sexualität eines Menschen völlig zu zerstören, so kann, was fehlt, all das zunichte machen, was nicht fehlt.“
Schön, nicht wahr? Und so wahr! Was meint ihr?

Worte, Bücher, Sätze bedeuten die Welt und den Tod. Glück liegt nicht im Grossen. Es liegt im Kleinen. Im Sonnenaufgang und im geschriebenen Wort. Glück ist keinem Erdbeben gleich. Wohl eher einer Muskelzuckung.

In diesem Sinne, von Herzen,
Hasenherz