Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange…

„Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.“

Ich lese Faust. Nicht diesen Faust. Einen anderen. Nämlich den von Ivan Turgenev. Was soll man sagen? Die Verlegerin Sabine Dörlemann hat wirklich ein Händchen für gute Bücher. Jedes ihrer Leinenbändchen lese ich und jedes ist einfach wundervoll. Gestern sass ich in der S-Bahn und las in eben diesem Faust. Und bei Sätzen wie „Am selben Tag schrieb ich Dir – schauderhaft, sich zu erinnern, mit welchen Gedanken – jenen scheinheiligen Brief.“ lache ich und bin nachdenklich gleichzeitig und werde dann immer so blöd angeschaut von meinen Sitznachbarn. Als wäre ich eine Kinoleinwand und gleich fliegt der Held samt mittlerer Großstadt in die Luft. Mehr Sätze? Mehr Sätze:
„Du bist wie Eis: Solange du nicht schmilzt, bist du fest wie Stein, aber wenn du schmilzt, wird keine Spur von dir zurückbleiben.“
„Auf Treu und Glauben nimmt sie gar nichts an; von Autorität lässt sie sich nicht einschüchtern; sie streitet nicht, aber sie gibt auch nicht nach.“
„Was hat man davon, von sich selbst zu träumen, vom eigenen Glück? Da gibt es nichts zu denken; wenn es nicht kommt, was hat es für einen Sinn, ihm nachzujagen? Mit dem Glück ist es wie mit der Gesundheit, wenn man es nicht bemerkt, heisst das, es ist da.“
„Kleide mich in deinen Flügel,
Tröste meines Herzens Unruhe,
Und segensreich wird der Schatten
für die bezauberte Seele sein.“

Das muss reichen fürs Erste.
Hasenherz

Zeit für (…)

Zurzeit ertrinke ich fast in Arbeit. Alles stapelt sich, alles ist akut und dringend und ich weiss bald nicht mehr wo mir der Kopf steht. Das macht unzufrieden und langsam macht sich ein Gefühl von Frustration breit, da ich gut sein möchte und mein Perfektionismus lässt mich sonntags und abends und auch nachts im Traum arbeiten. Hinzu kommt, dass ich noch für Chéries Hochzeit Sachen machen möchte, die langsam aber sicher nicht mehr aufgeschoben werden können. So kommt es, wie es immer kommt: alles mache ich in letzter Sekunde und fühle hinter mir den Luftsog der Eisenbahn von deren Geleise ich mich gerade noch wegretten konnte. Dabei vergesse ich Dinge, die ich eigentlich nicht vergessen möchte. Dinge, die mir wichtig sind. Nämlich mich auf Menschen und Ereignisse zu konzentrieren, die mir wichtig sind. Wie eben Chéries Hochzeit. Oder Geburtstage. Oder einfach nur da sitzen und meinen Lieben zuhören. Zeit haben. Zeit nehmen. Für mich sein. Schlafen. Den Geruch von sonnengetränktem Beton nach einem Regenguss in mich aufsaugen. Briefe an Freunde schreiben. Überhaupt schreiben. Wissen – ohne nachzudenken – welcher Wochentag ist. Abends joggen im halbdunklen Park. Lesen. Mir grüne Augen vorstellen und diese dann malen. Vor Lachen vom Bett fallen. Lieben. Auf einer Wiese liegen und dem fernen Strassenverkehr lauschen. Geschenke machen. Einen Kuchen backen. Meine Fingernägel rot anmalen. Meine Lieblingsstelle in meinem Lieblingsbuch auswendig lernen. Auf einem Bein stehen. Sinnen. Jonglieren. Für Amnesty Briefe schreiben. Meine Bücher nach Farbe sortieren. Endlich wieder Theater spielen. Gemütlich Kaffee trinken. Am Hauptbahnhof Menschen beobachten. In unserer Küche am Küchentisch sitzen und ins Leere starren. Blog-Beiträge schreiben. Nachts im Zürichsee baden. (Liste ist beliebig fortzusetzen.)
Und in dieser hektischen Zeit gibt es ein paar Menschen, die stark sind und präsent und die zu mir durchdringen – vielleicht zufällig, vielleicht auch nicht – und das hilft. Allen anderen möchte ich sagen: habt Geduld. Bald bin ich wieder bei euch.

Winkend,
Hasenherz

Ponyillusionen

Der inneren Zerissenheit folgend, sah ich gestern abend ins lichte Gesicht meiner Schwester und dann haben wir einen über den Durst getrunken. Wie fühlt es sich an – haben wir uns gefragt – wenn man sich innerhalb von wenigen Wochen ein neues Gesicht erschafft, sich in einen neue Welt begibt, die vorher nicht existent und jetzt mehr als blosse Illusion? Und ist es nicht schmerzlich sich von der Illusion zu verabschieden und diese zur Realität zu machen? Tja. Jeder macht mal Fehler.

Nächstes Wochenende findet die Hochzeit von Chérie statt und ich freue mich und mir ist auch etwas bang, denn damals als alles begann, gab es noch Ponies, die es zu striegeln galt. Noch heute lachen wir uns schlapp, wenn wir an Gustavos braune Schuhe und an den Streichelzoo auf der Lenzerheide denken.

Schönen Sonntag wünsch ich euch!
Hasenherz

Frei von meinen nervösen Händen

Ok. Das war jetzt eine anstrengende letzte Woche. Zuerst waren die buch.de-Luxuskörper (*hüstel*) hier in der Schweiz und das war – wie soll ich sagen – als ob man sich in ein Märchen von Hauff begeben hätte – träumerisch, grausam, machtvoll und elektrisierend. Am Dienstag Abend dann verschlug es mich nach Köln und dort regnete es wie aus Kübeln und es war windig und kalt und da stand ich unter dem Kölner Dom und sah an der Fassade hoch und der Regen fiel bedrohlich auf mich hinunter und der Dom wuchs in den Himmel als ob es kein Morgen gäbe. Da habe ich mich einen kurzen Augenblick frei gefühlt, frei von mir und frei von meinen nervösen Händen.

Fantasmus und ich haben ein kleines, nettes Spiel, das ich euch natürlich nich vorenthalten möchte: Wir stellen uns (oder besser: er mir) eine Aufgabe und ich hab dazu Bilder zu finden, die man theoretisch fotografieren könnte. Seine erste Aufgabe war „Nebel“. Mein Bild waren halb geschlossene Augen und Wimpern, die im Kerzenlicht seltsam durchsichtig und schimmernd erscheinen. Die nächste Aufgabe habe ich mir selbst gestellt: „Nähe“. Da denke ich noch nach. Wie würdet Ihr Nähe fotografieren?

Hier ein Foto von Fantasmus (und jetzt wisst Ihr auch warum er mir Aufgaben stellt und nicht umgekehrt).

Wahnsinns Bild

Schön, nicht wahr? Mich hat das Foto sprachlos gemacht – wahnsinn.

Herzlich,
Hasenherz

Am Nordpol

Nouvelle Vague

Übers Wochenende bin ich nach Romanshorn geflohen. Die Streetparade hat also ohne mich stattgefunden und darüber war ich sehr glücklich und froh. In Romanshorn war es ruhig und sonnig und der Bodensee war angenehm erfrischend und wir haben die Seele mal so richtig baumeln lassen (schöner Ausdruck, nicht wahr?).

Gestern hatte Christina Geburtstag und morgen Xanten, der übrigens gerade unterwegs zum Nordpol ist, um Namen in den Wind zu flüstern.

Chérie – eine liebe Freundin – hat mir gestern eröffnet, dass sie ein Kind erwartet. Mann, hab ich mich gefreut! DAS sind mal schöne Nachrichten!

Herzlichst,
Hasenherz

Ein weiss schimmerndes Einhorn gesehen?

Gestern mit den Tschickens auf der Bäckeranlage an einem Jazzkonzert. Die Musik des Rusconi Trios ist nach wie vor herzerwärmend.

Dann habe ich zwei Münchner kennengelernt und wir haben das ewige Thema Deutsche/Schweizer besprochen. Langsam geht mir das Thema auf die Nerven. Haben die Menschen denn keine andere Probleme als sich über ein paar hochdeutsch sprechende Zeitgenossen aufzuregen? Liebe Schweizer, seid doch mal einbisschen locker. Ist ja nicht zum aushalten, echt.

Christoph – einer der beiden Münchner – hatte ja ne lustige Theorie: Schweizer Mann und deutsche Frau, das geht. Deutscher Mann und schweizer Frau, das geht gar nicht. Hätte er noch nie gesehen – gibts nicht. Da sähe man vorher ein weiss schimmerndes Einhorn als diese Kombination. Warum das so ist, kann ich euch nicht sagen. Darüber verloren sich die beiden in den wildesten Spekulationen. Die einfachste war: Schweizer Frauen sind zu kompliziert. DahabenwirdenSalat.

Schönes Wochenende!
Hasenherz

Wie mir Vanalia gestern das Leben rettete

In der Unbeweglichkeit gefangen, hat mich gestern Vanalia sanft an der Hand genommen und mich in einen Raum voll mit Kissen und warmem Licht und Geschichten über mich – wie ich lache und den Kopf in den Nacken werfe – entführt. Das hat unheimlich gut getan und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich Vanalia zur Freundin haben darf. Merci, Cara!

Flatscreen-Lars ist mal wieder schlecht gelaunt und ich muss mir immer ausgefallenere Dinge einfallen lassen, um ihn aufzuheitern. *phu!* Ausserdem darf ich mich mit falschen Hilfe-Texten und ähnlichem auseinandersetzen. Ziemlich langweiliges Thema. Zum Glück kann ich das zusammen mit Fantasmus machen, der bringt Farbe rein und das ist schön.

Bald ist hier in Zürich Streetparade und da muss ich fliehen, weil ich ein weiteres Wochenende mit Menschmassen vor meiner Haustüre echt nicht mehr aushalte. Werde also übers Wochenende aufs Land reisen und Blumen pflücken.

Blümchen-Grüsse,
Hasenherz

Eine Reißzwecke im Mohnblumenfeld

Gestern hab ich im Scrabble gewonnen! Und das gegen meinen Angst-Gegner Wurmbrand. Und zwar mit den wundervollen Wörtern „Reißzwecke“, „Heidschnuckenherde“ und „Mohnblumenfeld“. Odersoähnlich.

Heidschnucke

Das ist ein Bild von einer Heidschnucke. Lustiges Tierchen, nicht wahr?

Mein Bürogschpändli Christina ist zurück aus dem Urlaub und das freut mich ungemein. Bin richtig glücklich. Endlich muss ich mich nicht mehr um den ganzen Kooperationen-Marketing-Mist kümmern.

Heute ist ein blöder Tag. Ein Angst-Tag. Dafür, das das heute dieser Tag ist, fühl ich mich eigentlich einigermassen gut. Das lässt hoffen.

Liebe Grüsse,
Hasenherz

Real gestorben – Die traurige Ausnahme

Seid ihr gut in der neuen Woche angekommen? Obwohl ich am Wochenende mal wieder Tag und Nacht umgedreht und ein Vampir-Leben geführt habe, bin ich heute nicht mal so müde. Vielleicht gewöhne ich mich langsam daran?

Habe heute einen lustigen Artikel von meinem Lieblingsjourni entdeckt:
„Malta gibt eine perfekte Kulisse für historische Filme ab. Russel Crowe hat auf der Mittelmeerinsel als Gladiator im gleichnamigen Film in der Arena um sein Leben gekämpft. Sein Filmpartner Oliver Reed, in der Rolle des Gladiatorentrainers Proximo, ist während der Dreharbeiten an einer Herzattacke real gestorben. Damit ist er eine traurige Ausnahme: Die meisten Besucher verlassen die Insel entspannt und erholt. Malta hat nämlich neben seiner bewegten 7500-jährigen Kulturgeschichte und vielen eindrücklichen Bauten mittlerweile auch im Wellness-Bereich etwas zu bieten.“

Bin froh, dass ich noch nie auf Malta war, klingt ja real gefährlich!
Ist das nicht schön, wie hier von der Kulturgeschichte auf das Wellness-Angebot übergeleitet wird?

Viel Spass,
Hasenherz

Achtung! Zaun! *kawum!*

Vanalia und ich haben uns gestern die Nacht um die Ohren geschlagen und unsere Zeit damit verbracht, eine Party zu suchen, die unter einer Autobahnbrücke in der Nähe des Flusses stattfand. Auf unserer langen und beschwerlichen Reise sind wir vielen lustigen Menschen begegnet. Wir durften bei Annina im Auto mitfahren. Das war besser als Achterbahn fahren. Oh. Mein. Gott. Annina kann echt nicht autofahren. Sie fuhr rückwärts in einen Zaun, überfuhr tausendmal den Bordstein, beschleunigte ruckartig in jeder Kurve und wenn sie auf den Tacho sah, hatte sie keine Augen mehr für die Strasse. Vanalia und ich kamen aus dem Kichern nicht mehr raus und die beiden Jungs – Niklas und Björn – versuchten Annina Tipps zum richtigen Fahrgefühl zu geben. (Übrigens: Annina war stocknüchtern.) Dann haben wir eine romantische, kleine Wanderung am Fluss gemacht; der Morgen graute. Endlich fanden wir die Party und schaukelten uns in den neuen Tag. Als wir dann nach Hause wollten, musste ich Herrn Vogt von der Taxifirma nach allen Regeln der Kunst bezirzen, damit er uns in der Pampa abholen kommt.
Ach ja, Herr Ernst haben wir auch noch kennengelernt. Ein alternder Rockmusiker, der viel zu erzählen wusste über die illegalen Clubs von damals und über die wilden Siebziger.

Vanalia hat übrigens geschworen, dass wir nun das wilde Leben aufgeben und nur noch unter Plastikpalmen in irgendwelchen Ü35-Lounges rumhängen werden. (Ha! Wers glaubt!)

Herzlich,
Hasenherz

PS: Die schönsten Radio-Wochen im Jahr sind die, wenn rundfunk.fm auf Sendung ist. Reinhören!