Kurzgeschichte – Erster Teil

Sie hatte sich auf die nasse Bank an der Bushaltestelle gesetzt. Die Nässe würde hässliche Flecken auf ihren hellen Jeans hinterlassen – aber das war ihr egal. Sie musste nachdenken. Und das gelang ihr schon immer besser im Sitzen. Sie kramte eine Zigarette aus ihrer Handtasche und suchte Feuer. Kein Feuer. Gut. Also nicht rauchen. Schade. Aber vielleicht gar nicht schlecht. Rauchen sei ja schlecht für die Gesundheit und für die Mitmenschen. Obwohl diese diesmal nicht geschädigt würden, die Bushaltestelle war nämlich leer. Es war kurz vor Mitternacht und die Gegend nicht gerade das Vergnügungsviertel der Stadt.

Sie sah ihn nicht kommen, zu sehr war sie mit ihren Gedanken beschäftigt. Er setzte sich neben sie auf die nasse Bank und grinste sie so umwerfend an, dass sie ganz vergass, unfreundlich zu sein. Dieser Abend sollte eigentlich nur ihr gehören, ihr und ihrer Weggabelung im Kopf. Sie konnte ja nicht länger an ihrer Kopfkreuzung rumstehen, das war langsam peinlich, sie stand da schon seit Wochen und hatte das „Darübernachdenken“ bis jetzt erfolgreich vermeiden können. Er bot ihr eine Zigarette an und auch Feuer und sie konnte nicht widerstehen. Natürlich nicht. Sie hätte auch nicht ernsthaft widerstehen wollen, vielleicht geziert hätte sie sich gern. Sie schaute ihn von der Seite an und nickte höflich, blies den Rauch hinaus in die Kälte. Sie blickte auf ihre Hände und stellte fest, dass man an ihren Händen das Alter sah. Es schlich sich langsam an und manifestierte sich auf ihren Handrücken.  Sie benutze ungern Handcreme. Der Bus kam und weder sie noch er machten Anstalten einzusteigen. Sie blieben auf der nassen Bank sitzen. Leise und ganz für sich lachte sie sehr und dachte darüber nach, dass Entscheidungen manchmal ganz simpel sind. Einfach sitzen bleiben. Einfach nicht aufstehen. Einfach da sein und eben nicht dort.

(Fortsetzung folgt…)

Willkommen in meiner Zukunft! (Ready for Take Off?)

Guten Tag und herzlich Willkommen in meiner Zukunft, liebe Mitreisende! Wir hoffen, dass Sie sich wohl fühlen an Bord und wünschen Ihnen einen guten Flug. Sobald wir abgehoben sind, servieren wir Ihnen kalte, alkoholische Getränke wahlweise mit rotem, grünem oder gelben Schirmchen. Lehnen Sie sich zurück, strecken Sie die Beine aus, atmen Sie mal kräftig durch und freuen Sie sich auf unvergessliche Erlebnisse in meiner Zukunft. Wir werden Sorge tragen, dass das Abenteuer und die Entspannung nicht zu kurz kommen. In unserem hauseigenen Bordunterhaltungsprogramm wählen Sie für Action die Eins, für Romantik die Zwei und für Melancholie die Drei. Nun bleibt uns nur noch darauf hinzuweisen, dass unser Zukunft & Co. Bonusprämienmeilen-Programm bestimmt auch für Sie das passende Angebot bereit hält. Melden Sie sich also noch heute an! Unsere charmanten Flugbegleiterinnen beantworten jederzeit gerne Ihre Fragen.

Guten Flug und viel Spass in meiner Zukunft!

Danke und Adiö!

The EndFeg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten. (Mascha Kaleko)

Heute ist es soweit. Heute habe ich meinen letzten Arbeitstag. Und ich bin froh. Und ich bin traurig. Und ich bin neugierig, gespannt und auch etwas ängstlich. Trotzdem: Es war eine schöne Zeit. Eine sehr intensive Zeit. Ich habe viel gelernt. Da war viel Schmerz, aber da war auch sehr viel Glück. Und darum möchte ich es nicht unterlassen, den Menschen zu danken, die mir die Zeit hier unvergesslich gestaltet haben. Ebendiese Personen:

  • Der fantastische Teufel (Für ALLES. Und damit meine ich ALLES und viel mehr.)
  • Mr. Fox und Mr. Wolf (Für seine Freundschaft, für seine Stärke, für seine Hilfe. Auf dass es noch lange weiter geht!)
  • Häschen (Ohne Dich, Häschen, wär alles grau. Auf viele weitere schöne Erlebnisse!)
  • Eddie (Dafür, dass du mich hast schweben lassen. Für das vermeintliche Spiel, das zu so viel mehr wurde.)
  • Hase (Für seinen Fernfahrermodus. Und für seine unerschütterliche Freundschaft.)
  • Der Schöne (Dafür, dass er mich am Anfang aufgefangen hat. Und dafür, dass er mich am Ende begleitet hat.)
  • Fuchur (Für die Leichtigkeit. Und für das Spiel.)
  • Der Graf (Für seine Charme. Für seine Stimme)
  • Herr JekyllHyde oder aber Miraculix (Dafür, dass er immer da war. Dafür, dass er mein Herz öffnen kann.)
  • Michael „Campino“ (Für seine Schönheit. Und dass ich sie sehen durfte. Und für seinen trockenen Humor!)
  • Michael G. (Für die schönen Abende. Für die Gastfreundschaft.)
  • Jörg – Der Fast-Schweizer (Für seine Wärme.)
  • Thomas (Für seine Fürsorge. Für das Verständnis.)
  • Zoé Lealita (Für die Zugehörigkeit. Für die vielen gemeinsamen Stunden. Und auf viele Weitere.)
  • Stefan (Für das Auftauchen aus dem Nichts. Für die Offenheit. Für die vielen schönen Geschichten.)
  • Nele (Für die kurze aber tolle Zusammenarbeit.)
  • Linda (Für das Seite an Seite stehen.)
  • Nicolas (Für die Gemeinsamkeiten. Und für die Andersartigkeiten.)
  • Spidy (Für die Zugeneigtheit.)
  • Christine & Steffi (Für das gemeinsame Durchboxen und Durchhalten.)
  • Tiger (Für die sirupartige Zeit. Für die Nähe.)
  • Katja (Für die gemeinsamen Abende. Und dafür, dass ich Willkommen war.)
  • Timo (Für das Überdauern.)
  • Melanie, Amélie, Isabel, Debora, Nadia  (Für euer Verständnis. Für euer Mich-Mögen. Für das Lachen.)
  • Mäse (Für sein Wissen. Für seinen Humor.)
  • Christina (Für die gemeinsamen Buchmessetage und alle Tage, die ähnlich waren.)

Euch allen: Danke! Auf bald!

Crazy Shizzle

Die Wogen haben sich geglättet. Gestern Abend auf einem Barhocker in Edi’s Weinstube. Umgeben von expliziten Bildern. Mir gegenüber meine wunderbare Freundin Badana, die mich mit ihren tiefen und bezaubernd dunklen Augen angeblickt hat, als wär ich ein Geist. „Mooooooooment!“ sagte sie und versuchte Worte zu finden für mein Leben, für das nicht mal ich Worte finde. Ich glaube „Crazy Shizzle“ waren dann die Zusammenfassung.
Später hat Badana versucht einem Mann in Frauenkleidern auf der Damen-Toilette des Lokals die Gepflogenheiten von solchen Orten zu vermitteln. Was mir ein breites Grinsen auf’s Gesicht gezaubert hat.
In unserer zweiten Heimat versuchte ich Antworten zu finden. Und fand auch eine. Eine ziemlich gute sogar. Die da lautet: „Spring über deinen eigenen Schatten“. (Danke, Mathis, für deine Hilfe!) Eine seltsame Begegnung hatte ich mit einer Chick, die vor mich hin trat und auf ihr linkes Auge zeigte und sagte: „Siehst du das! Das ist eine Träne! Ich brauche auch eine Antwort! Ich möchte wissen, ob der Mann, den ich liebe, irgendwann mit mir zusammenkommen möchte.“ Ich habe sie umarmt, ihr gesagt, dass alles gut wird und ihr natürlich auch eine Antwort geschenkt: „Führ Dein Vorhaben durch.“ Sie war sehr zufrieden und später sah ich sie dann, wie sie auf der Tanzfläche alle Typen um sich rum magnetisch anzog. Meine Aufgabe war also erledigt. Mein Karma wird es mir danken.

Später. Vielleicht.

Als wärs Wasser, das mich umgibt.

Als wärs Wasser, das mich umgibt.

Müde. Ausgelaugt. Verwirrt. Unsicher. Zerschlagen. Zusammengesetzt. Geleimt. Voller Hoffnung. Todtraurig. Enttäuscht. Überfahren. Heimgesucht. Und. Überrascht.

Über das, was zu Ende geht. Über das, was aufgetaucht aus der Flut und wieder unterging. Das, was süss und im Abgang bitter.
Ende.
Und dann.
Später. Vielleicht.
Anfang.

Ich möchte sagen: Rede mit mir! Ich möchte den alten Mann der mir im Zug gegenübersitzt schütteln und fragen. Ich möchte mich der Frau, mit dem blonden Mädchen an der Hand, in den Weg stellen und fragen. Ich möchte an der Haustür meiner Nachbarin klingeln, ihr in die Augen sehen und fragen. Ich möchte vor den jungen Mann mit den schwarzen Haaren, der mit der Gitarre auf dem Rücken, hintreten und fragen. Ich möchte sagen: Rede mit mir. Oder schweig für immer.

„Du hast die Wahl. Du kannst dir Sorgen machen, bis du davon tot umfällst. Oder du kannst es vorziehen, das bisschen Ungewissheit zu geniessen.“ (Norman Mailer)

Ich lache gerade sehr über die Absurdität. Ich lache gerade sehr. Und dann weine ich. Süsse, weiche Tränen. Tränen wie aus einem Bilderbuch.

Grinsekatze

Alice und die Grinsekatze

Alice und die Grinsekatze

„Hauptsache, ich komme irgendwo hin“, sagte Alice.
„Das wirst du sicher, wenn du lange genug gehst“, sagte die Katze.
(Lewis Carroll „Alice im Wunderland“)

Heute bin ich Grinsekatze. Heute geht es mir gut. So richtig gut. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, ich habe wenig geschlafen, viel getrunken und suche aus der Verwirrtheit Sicherheit zu gewinnen.

Gestern Abend hab ich Zermatt gerochen. Schon lustig, wie man einen Geruch mit einem Ort verbindet. Zermatt riecht nach Schnee, nach kalter Bergluft und einbisschen auch nach Metall und Tiefgarage. Ich liebe den Geruch von Tiefgaragen. Und den Geruch von Zermatt lieb ich auch. Sogehtdas.

„Mit dem Wind, dem Wasser und dem Feuer / Bin ich noch in keiner Weise quitt, / Aber meine Traumesabenteuer / Öffnen mir die Pforten ungeheuer, / nehmen mich zum Morgensterne mit.“ (Anna Achmatowa)

Am Arsch hinä!

Am Arsch hinäMein Wort zum Montag – ganz kurz und präzise:

Am Arsch hinä! Schnauze! Ihr könnt mir gestohlen bleiben! Geht weg mit euren aufgesetzten Gesichtern, mit euren Rechtfertigungen und euren mies gelaunten Drunterlieg-Persönlichkeiten. Lasst mich doch einfach in Ruhe, geht mir aus dem Weg, bleibt mir vom Leib! Stellt eure blöden Fragen eurer Grossmutter! Seid demütig, klein, löst euch in Luft auf! Geht dahin, wo der Pfeffer wächst. Nehmt euch nicht so wichtig, gebt doch endlich Ruhe – bleibt gelassen!

(Kleine Einschränkung – sozusagen die Packungsbeilage: Die Worte oben gelten nicht für meine Freunde, nicht für die Guten und auch nicht für die Höflichen.) *over and out*