so sätze, die menschen sagen

Gestern Abend trug ich mein Herz aufgeknöpft am Revers. Das innere meiner Brust fühlte sich kalt an und grausam. Ich sass in der Strassenbahn und mir war, mir war, als ob die Welt ein grosser, kalter, gelber Pudding wär, ewig wackelnd. Und dann, heute morgen in der S-Bahn, ich hörte gerade Wheels von Cake (And the muscular cyborg German dudes dance with sexy French Canadians. While the overweight Americ ans wear their patriotic jumpsuits. Wheels keep on spinning round spinning round spinning round), die Sonne schien durchs Fenster herein, sah ich den Menschen zu, wie sie bei der Station ein- und ausstiegen und mir war, als ob ich in meinem Wohnzimmer sässe, alles war nah und vertraut und ich hatte keine Angst. Der Tag hat sich dann aber entwickelt und entwickelt und als er sich so entwickelt hat, kam Nebel auf und Sturm und mir wurde bang. Es gibt so Sätze, die Menschen sagen, sie sagen diese Sätze, als wäre nichts dabei. Als ob es keine Rolle spielen würde, sie machen sich – während sie diese Sätze sagen – glauben, das alles, alles, alles ganz einfach und unkompliziert. Und während sie diese Sätze sagen, weiss ich, dass sie verloren sind. Unabdingbar verloren in der Welt und in sich selbst. Und keiner kann sie retten, keiner, keiner. Manchmal, wenn ich böse bin, dann grinse ich in mich hinein und fühle mich wissend. Manchmal, wenn ich gut bin, versuche ich sie vom Gegenteil zu überzeugen – ohne Erfolg. Nichts geht mehr.

Gut Nacht,
Hasenherz

Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange…

„Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.“

Ich lese Faust. Nicht diesen Faust. Einen anderen. Nämlich den von Ivan Turgenev. Was soll man sagen? Die Verlegerin Sabine Dörlemann hat wirklich ein Händchen für gute Bücher. Jedes ihrer Leinenbändchen lese ich und jedes ist einfach wundervoll. Gestern sass ich in der S-Bahn und las in eben diesem Faust. Und bei Sätzen wie „Am selben Tag schrieb ich Dir – schauderhaft, sich zu erinnern, mit welchen Gedanken – jenen scheinheiligen Brief.“ lache ich und bin nachdenklich gleichzeitig und werde dann immer so blöd angeschaut von meinen Sitznachbarn. Als wäre ich eine Kinoleinwand und gleich fliegt der Held samt mittlerer Großstadt in die Luft. Mehr Sätze? Mehr Sätze:
„Du bist wie Eis: Solange du nicht schmilzt, bist du fest wie Stein, aber wenn du schmilzt, wird keine Spur von dir zurückbleiben.“
„Auf Treu und Glauben nimmt sie gar nichts an; von Autorität lässt sie sich nicht einschüchtern; sie streitet nicht, aber sie gibt auch nicht nach.“
„Was hat man davon, von sich selbst zu träumen, vom eigenen Glück? Da gibt es nichts zu denken; wenn es nicht kommt, was hat es für einen Sinn, ihm nachzujagen? Mit dem Glück ist es wie mit der Gesundheit, wenn man es nicht bemerkt, heisst das, es ist da.“
„Kleide mich in deinen Flügel,
Tröste meines Herzens Unruhe,
Und segensreich wird der Schatten
für die bezauberte Seele sein.“

Das muss reichen fürs Erste.
Hasenherz

Frei von meinen nervösen Händen

Ok. Das war jetzt eine anstrengende letzte Woche. Zuerst waren die buch.de-Luxuskörper (*hüstel*) hier in der Schweiz und das war – wie soll ich sagen – als ob man sich in ein Märchen von Hauff begeben hätte – träumerisch, grausam, machtvoll und elektrisierend. Am Dienstag Abend dann verschlug es mich nach Köln und dort regnete es wie aus Kübeln und es war windig und kalt und da stand ich unter dem Kölner Dom und sah an der Fassade hoch und der Regen fiel bedrohlich auf mich hinunter und der Dom wuchs in den Himmel als ob es kein Morgen gäbe. Da habe ich mich einen kurzen Augenblick frei gefühlt, frei von mir und frei von meinen nervösen Händen.

Fantasmus und ich haben ein kleines, nettes Spiel, das ich euch natürlich nich vorenthalten möchte: Wir stellen uns (oder besser: er mir) eine Aufgabe und ich hab dazu Bilder zu finden, die man theoretisch fotografieren könnte. Seine erste Aufgabe war „Nebel“. Mein Bild waren halb geschlossene Augen und Wimpern, die im Kerzenlicht seltsam durchsichtig und schimmernd erscheinen. Die nächste Aufgabe habe ich mir selbst gestellt: „Nähe“. Da denke ich noch nach. Wie würdet Ihr Nähe fotografieren?

Hier ein Foto von Fantasmus (und jetzt wisst Ihr auch warum er mir Aufgaben stellt und nicht umgekehrt).

Wahnsinns Bild

Schön, nicht wahr? Mich hat das Foto sprachlos gemacht – wahnsinn.

Herzlich,
Hasenherz

Wie mir Vanalia gestern das Leben rettete

In der Unbeweglichkeit gefangen, hat mich gestern Vanalia sanft an der Hand genommen und mich in einen Raum voll mit Kissen und warmem Licht und Geschichten über mich – wie ich lache und den Kopf in den Nacken werfe – entführt. Das hat unheimlich gut getan und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich Vanalia zur Freundin haben darf. Merci, Cara!

Flatscreen-Lars ist mal wieder schlecht gelaunt und ich muss mir immer ausgefallenere Dinge einfallen lassen, um ihn aufzuheitern. *phu!* Ausserdem darf ich mich mit falschen Hilfe-Texten und ähnlichem auseinandersetzen. Ziemlich langweiliges Thema. Zum Glück kann ich das zusammen mit Fantasmus machen, der bringt Farbe rein und das ist schön.

Bald ist hier in Zürich Streetparade und da muss ich fliehen, weil ich ein weiteres Wochenende mit Menschmassen vor meiner Haustüre echt nicht mehr aushalte. Werde also übers Wochenende aufs Land reisen und Blumen pflücken.

Blümchen-Grüsse,
Hasenherz

Wenn Engel lieben

Heute ist – um es mit den Worten von Flatscreen-Lars zu sagen – die Kacke am Dampfen. Wir haben zuwenig Leute, alles ist latent nervös und aggressiv und unsere Chefin hat Plakate mit „Lach doch mal wieder!“-Sprüchen aufgehängt.

Habe ein neues Orakel-Spiel. Man nehme zum Beispiel die Rowohlt Taschenbuchvorschau (weil sehr dick) und klappe irgendeine Seite auf und beziehe dann den Buchtitel der Seite auf den heutigen Tag. Ich hatte vorhin „Wenn Engel lieben“. Was mir das jetzt wohl sagen soll? Habe auch noch ne Seite für Flatscreen-Lars aufgeschlagen: „Durch Wüsten und Kriege“. Komme gar nicht mehr aus dem Grinsen raus. Ist ein lustiges, kleines Spiel. (Vor allem wenn alle rundherum einen auf Griesgram machen.)

Grinsekatze-Grüsse,
Hasenherz

es geht um alles ungelebte, die tausend unnennbaren dinge

Jedes Opfer tötet seinen Mörder (Arsenik)
Von Claire Goll

Es geht um den Frühlingswind,
den Du soeben in der Gasse gespürt hast.
Um das Recht ihn zu atmen.
Um das Recht, aufzustehen, schlafen zu gehen,
wann du willst.
Um das Recht Deine Hände zu beschäftigen,
Deine ungefesselten Hände.
Um das Recht, Dich an einer Blume zu freuen,
wenn Du dich je wieder freuen könntest.
Um das Recht zu leiden,
wie keine von außen auferlegte Strafe
Dich jemals leiden machen könnte.
es geht um alles Ungelebte,
die tausend unnennbaren Dinge des Daseins,
die in der Zukunft noch enthalten sind.
Es geht um Möglichkeiten,
die Du spürst,
aber die zu einfach sind, sie zu definieren,
und die ein einziges Wort zusammenfasst: Freiheit

Heute hat Timo Geburtstag und bei uns steigt ne Party. Timos Psycho-Katzen werden ausrasten. Heute morgen erklärte mir Timo, dass er in jedem Raum unserer Wohnung eine Chakra-Kugel verstecken wird und dann schaut bei welchem Chakra sich die meisten Leute aufhalten. Die, die sich zum Beispiel im Raum mit dem Sakral-Chakra aufhalten, seien sexuell frustriert. Seine Freunde müssen echt Nerven haben. Schön, dass ich meine Leidensgenossen endlich mal kennenlerne.

Lila Grüsse,
Hasenherz

Radwechsel

Heute ist es Zeit für Brecht:
„Ich sitze am Strassenhang. Der Fahrer wechselt das Rad. Ich bin nicht gern, wo ich herkomme. Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre. Warum sehe ich den Radwechsel mit Ungeduld?“
Na? Fühlt ihrs auch?

Gestern hat mich der Schöne auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung aufmerksam gemacht. Ein Artikel über Extremsituationen. Lohnt sich zu lesen:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/special/921/43878/index.html/wissen/artikel/578/119434/article.html

Grüsse!
Hasenherz

Parsifal

Parsifal und der Rote Ritter

Nach einem langen und hektischen Arbeitstag (im Laden läufts wie an Weihnachten) werde ich heute abend Parsifal von Wagner gucken gehen. Das Ganze dauert 5 Stunden und ich hoffe wirklich sehr, dass ich nicht schon in der ersten Stunde einschlafen werde. Ansonsten freu ich mich sehr, denn Timo wird geigen und da ich Timo noch nie geigen gehört habe (ausser wenn er übt und das klingt schrecklich), wird die Oper bestimmt ein Erlebnis.

Jetzt aber flugs los und einen Opernführer schnappen, damit ich auch wieder ganz genau weiss wie das so war mit dem Parsifal und dem goldenen Flies. (Oder wars der heilige Gral?)

Herzlich,
Hasenherz

In den Winden im Nichts

nichts.jpg

Gestern war ich mit Vanalia, Biene, Angi-Peter und Sepp im Ballett. Wir haben „In den Winden im Nichts“ geguckt und es war wirklich ausserordentlich schön. Zum Träumen schön. Angi-Peter hätte sich ein paar Instrumente mehr gewünscht und Vanalia ist nach der Vorstellung die Treppe runtergehopst und getänzelt.

Heute ist ein grosser Tag. Biene hat Geburtstag und Vanalia hat extra für sie eine Buchvernissage mit dem sinnigen Namen „Süsse Sünden“ (was Biene zweifelsohne ist – eine Sünde wert) organisiert. Das wird bestimmt ein Spass. Wie alles gelaufen ist und ob Klohbrillenschlange alle Töne getroffen hat, erzähl ich euch morgen.

Happy Birthday, Biene!
Hasenherz

Achtung! Ansteckungsgefahr!

Gestern nach einem laaaaaaaaaaaaaaaaangen Arbeitstag hat Lia sein Feierabendbier über mich ausgeschüttet. Der Gerucht von Bier vermengt mit Waschmittel hat schon was seltsames an sich. Der alte Herr am Tisch gegenüber hat, nachdem wir die Sauerei weggewischt hatten, gefiepst: „Jetzt ist es ja sauberer als vorher!“ War ziemlich amüsant.

Heute Abend sehe ich nach langer, langer Zeit Beni-Bani-Hani-Bani mal wieder und ich freue mich. Er ist erwachsen geworden und wohnt jetzt an der Unteren Zäune. Ziemlich schick. Ausserdem hat er geheiratet und heisst jetzt Kunz. Ob ich die glückliche Person, mit der er verheiratet ist, kennenlernen werde? Vielleicht bindet sie Blumen und streicht die Tischdecke glatt? Ob Erwachsen-Sein ansteckend ist?

Fragen über Fragen!
Hasenherz