Wer will kein Papierschiff haben?

Gestern hab ich gearbeitet und heute endlich meinen wohlverdienten Tag Wochenende. Gestern gegen Abend hat es mir dann auch die Sicherungen durchgebrannt, meine Kopfschmerzen haben Besitz von mir ergriffen und mein Körper hat mich plötzlicher Schlafattacke reagiert. So fand ich mich also mitten in der Nacht halb auf dem Bett, halb auf dem Boden liegend wieder. Nachdem ich mich mit grösster Kraftanstrengung ganz ins Bett gekämpft hatte, schlief ich den Schlaf der Gerechten. Heute morgen um neun dann weckte mich Timo mit einem Geräusch, das an wettkampfmässiges Geschenke auspacken erinnerte. Raschel, raschel, raschel. Ich versuchte es zu ignorieren, ging aber nicht. Nach einer Stunde Geraschel, entschied ich mich aufzustehen. Da Timo fluchtartig die Wohnung verlassen hatte, konnte ich der Herkunft des Geräuschs nicht auf den Grund gehen. So werde ich wohl noch lange Zeit in Ungewissheit leben müssen.

Seit Izzie bei uns wohnt, herrscht Zucht und Ordnung. Es ist richtig angenehm. Es ist aufgeräumt, alles blitzt und blinkt vor Sauberkeit und niemand lässt mehr – als wär’s schon immer so gewesen – was liegen. Einzig Timos Psycho-Katzen wollen sich nicht so schnell an die neuen Regeln gewöhnen und lassen nach wie vor ihre Haare unmotiviert in der Wohnung rumliegen. Ich bin aber überzeugt, dass sie sich auch noch daran gewöhnen werden.

Timos morgendliches Geraschel hat mich daran erinnert, dass ja bald Weihnachten ist (jetzt wo ich es endlich mal kurz vergessen habe!) und dass Weihnachten auch immer bedeutet, dass man für seine Liebsten Geschenke kaufen muss. Im Buchhandel ist das seit August das grosse Thema und Lea (meine geniale Mitarbeiterin) und ich haben uns Mühe gegeben eine tolle Auswahl zu treffen. Leider ist es so, dass wenn man für andere tausend Ideen hat, einem die Ideen für sich selber ausgehen. Darum habe ich entschieden, dass all meine „Lieben“ (die armen!) dasselbe Geschenk erhalten. Und zwar ein Papierschiff an hauchdünnem Draht, dass sie dann irgendwo in der Wohnung aufhängen, aufstellen müssen, um mich nicht zu verletzten, wenn ich auf Besuch komme. Ha! Und nächstes Jahr muss ich mir neue „Liebe“ suchen. Das Papierschiff werde ich übrigens noch mit lustigen Zeichnungen versehen, damit auch keiner sagen kann, es handle sich um Kunst. Wer kein solches „Kunstwerk“ haben möchte, der kann sich jetzt bei mir melden. Wer nix sagt, ist selber schuld. (Ich habe euch gewarnt.)

Papierschiff

Nun wünsch ich euch einen schönen Sonntag!
Hasenherz

Warm und verzeihend

Gestern Abend war ich mit ElfElf und Vanalia an einem Jazzkonzert. Das war schön. Das Licht schien orange. Draussen war es kalt und drinnen sehr warm. Wir haben Tee mit Schnaps getrunken und uns über die Stürme und den Nieselregen unterhalten. Am Morgen dann, als ich nach Hause kam, hat es genieselt (fast wie in Wuppertal) und die Stadt war noch ruhig und unbekümmert. Sie hat sich leise auf den neuen Tag vorbereitet, hat mir Schutz geboten in der Dunkelheit, die langsam wich. Diese Zeit frühmorgens, wenn alles erst Andeutung ist und Versprechen, mag ich sehr.
In unserer zweiten Heimat haben wir einen Weinbauer kennen gelernt, der nur eigene Äpfel ist. Seine Freunde haben ihm einen „echten Zürcher Abend“ versprochen und ich weiss nicht, wie ein solcher Abend genau aussieht. Der Weinbauer hat mich dann gefragt, ob man von Zürich enttäuscht sein kann und ich habe gesagt, dass Zürich geradezu prädestiniert ist zu enttäuschen, dass man aber, wenn man sich einlässt auf diese unzugängliche Diva, leuchtende Überraschungen erleben kann. Blickt man erst hinter die Arroganz, scheint das orange Licht warm und verzeihend.

Jetzt, da ich aufgestanden bin, habe ich Lust das Gedicht „Funeral Blues“ von W. H. Auden zu lesen. Lest mit!

Stop all the clocks, cut off the telephone,
Prevent the dog from barking with a juicy bone,
Silence the pianos and with muffled drum
Bring out the coffin, let the mourners come.

Let aeroplanes circle moaning overhead
Scribbling on the sky the message He is Dead.
Put crepe bows round the white necks of the public doves,
Let the traffic policemen wear black cotton gloves.

He was my North, my South, my East and West,
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song;
I thought that love would last forever: I was wrong.

The stars are not wanted now; put out every one,
Pack up the moon and dismantle the sun,
Pour away the ocean and sweep up the woods;
For nothing now can ever come to any good.

Schönen Sonntag!
Hasenherz

Ponyillusionen

Der inneren Zerissenheit folgend, sah ich gestern abend ins lichte Gesicht meiner Schwester und dann haben wir einen über den Durst getrunken. Wie fühlt es sich an – haben wir uns gefragt – wenn man sich innerhalb von wenigen Wochen ein neues Gesicht erschafft, sich in einen neue Welt begibt, die vorher nicht existent und jetzt mehr als blosse Illusion? Und ist es nicht schmerzlich sich von der Illusion zu verabschieden und diese zur Realität zu machen? Tja. Jeder macht mal Fehler.

Nächstes Wochenende findet die Hochzeit von Chérie statt und ich freue mich und mir ist auch etwas bang, denn damals als alles begann, gab es noch Ponies, die es zu striegeln galt. Noch heute lachen wir uns schlapp, wenn wir an Gustavos braune Schuhe und an den Streichelzoo auf der Lenzerheide denken.

Schönen Sonntag wünsch ich euch!
Hasenherz

Achtung! Zaun! *kawum!*

Vanalia und ich haben uns gestern die Nacht um die Ohren geschlagen und unsere Zeit damit verbracht, eine Party zu suchen, die unter einer Autobahnbrücke in der Nähe des Flusses stattfand. Auf unserer langen und beschwerlichen Reise sind wir vielen lustigen Menschen begegnet. Wir durften bei Annina im Auto mitfahren. Das war besser als Achterbahn fahren. Oh. Mein. Gott. Annina kann echt nicht autofahren. Sie fuhr rückwärts in einen Zaun, überfuhr tausendmal den Bordstein, beschleunigte ruckartig in jeder Kurve und wenn sie auf den Tacho sah, hatte sie keine Augen mehr für die Strasse. Vanalia und ich kamen aus dem Kichern nicht mehr raus und die beiden Jungs – Niklas und Björn – versuchten Annina Tipps zum richtigen Fahrgefühl zu geben. (Übrigens: Annina war stocknüchtern.) Dann haben wir eine romantische, kleine Wanderung am Fluss gemacht; der Morgen graute. Endlich fanden wir die Party und schaukelten uns in den neuen Tag. Als wir dann nach Hause wollten, musste ich Herrn Vogt von der Taxifirma nach allen Regeln der Kunst bezirzen, damit er uns in der Pampa abholen kommt.
Ach ja, Herr Ernst haben wir auch noch kennengelernt. Ein alternder Rockmusiker, der viel zu erzählen wusste über die illegalen Clubs von damals und über die wilden Siebziger.

Vanalia hat übrigens geschworen, dass wir nun das wilde Leben aufgeben und nur noch unter Plastikpalmen in irgendwelchen Ü35-Lounges rumhängen werden. (Ha! Wers glaubt!)

Herzlich,
Hasenherz

PS: Die schönsten Radio-Wochen im Jahr sind die, wenn rundfunk.fm auf Sendung ist. Reinhören!

sich ins Nichts denken

War heute Nacht tanzen. Seltsam ist, dass ich in diesen dunklen, rauchigen, kalten Nachträumen sehr gut nachdenken kann. Während sich alles zulächelt, versucht die schönsten Bewegungen zum Besten zu geben, sich cool gegen irgendeine Wand lehnt und am Longdrink nippt, verschwindet mein Blick ins Nichts und ich denke nach. Wie es sein könnte und warum es nicht so ist.

In vier Stunden muss ich wieder aufstehen. Isabelle und ich gehen morgen unsere Grossmutter im Altersheim besuchen. Dort gibt es immer weiches Fleisch und Rahmsauce mit ebenfalls pampweichem Gemüse. Ist jedesmal ein Graus. Aber so ist das halt. Und meine Grossmutter besuch ich ja gern.

Schlaft gut!
Hasenherz

Hector, unser Zimmer

Heute morgen sind Vanalia und ich in Berlin angekommen und wir haben auch sofort ein tolles, kleines Hotel in Friedrichshain gefunden mit Garten im Hof und viel gruen und netten Leuten. Unser Zimmer heisst uebrigens „Hector“.
Jetzt freuen wir uns auf den Tag und haben schon viele Plaene. Heute abend zum Beispiel gehen wir an ne Veranstaltung mit dem sinnigen Titel „Bloody Sunday“.

Juuuuuuuuuuuuuhuuuuuuuuuuiiiiiiiiiiiii Feeeeeeeeeeriiiiiiiiiiieeeeeeeen!!!!!!!
Hasenherz

Die Tragik der Sehnsucht

Guten Morgen! Es ist vier Uhr morgens und die Vögel singen draussen vor dem Fenster. Gerade war ich noch tanzen und jetzt ist mir nach schreiben zu Mute. Habe diese Ostern viel gelesen. Zum Beispiel den Schnulzroman von Vanalia:
http://www.buch.ch/shop/home/typhoonartikel/ID11377354.html;jsessionid=fdc-6yiu1c9vrg1.fdc61

Dann habe ich noch den neusten Roman von Barbara Vine gelesen – wie immer sehr spannend und richtig gut. In ihren Büchern kann man so richtig schön versinken:
http://www.buch.ch/shop/bch_buc_startseite/suchartikel/aus_der_welt/barbara_vine/ISBN3-257-06550-7/ID14235180.html?jumpId=3371751

Besteht die Tragik der Sehnsucht nicht darin, dass das Ziel der Sehnsucht immer die Ziellosigkeit, ja die Sehnsucht selbst?

So. Jetzt geh ich aber schlafen…

Küsse euch,
Hasenherz

Das schöne Hirn des Stefan Zweifel

Nach langem Schweigen bin ich wieder hier und es ist viel passiert. Nic, Thesi und ich hatten am Freitag Abschiedsapéro. War lustig und auch traurig und die Crew hier hat einen wirklich tollen Film über mich gemacht, der mir die Röte ins Gesicht trieb und mich zu Tränen rührte. Vielen, vielen Dank!

Am Samstag haben wir dann Sams Geburtstag gefeiert und Lia hat seinem Ruf alle Ehre gemacht – er war für die Coolness zuständig – der Abend war echt cool. Besonders cool war, dass ich gegen Biiiiti im Töggelen gewonnen habe. (Er war Argentinien und ich Liechtenstein und glaubt mir, Liechtenstein war noch nie besser…)

Am Sonntag waren Isibelle und ich im Spital bei unserem Grossvater und das hat bei mir Magenkrämpfe ausgelöst und einen Wirbelsturm in meinem Kopf, der anhält und durch alle Windungen meiner Erinnerung fegt.

Gestern war dann in der Buchhandlung Katastrophenstimmung. Die Kundschaft kaufte Bücher als wäre Weihnachten und alle wollten die Dinger auch noch geschenkverpackt. Einzig die Sonne erinnerte uns daran, dass Frühling ist. Am Abend war Literaturclub angesagt. Die Görls und ich haben uns das Ganze live angeguckt. Die beiden Alexen und Clau hatten sich richtig toll rausgeputzt (man kommt ja nicht jeden Tag im Fernsehen). Nächsten Dienstag um 22.20 Uhr müsst ihr also fernsehen – es lohnt sich – nicht nur wegen den Görls sondern auch wegen Stefan Zweifel, der neben seiner schönen Nase auch noch ein ausgesprochen schönes Hirn hat.
http://www.sf.tv/sf1/literaturclub/index.php

Viel Spass!
Hasenherz

einatmen, ausatmen, einatmen…

Sonntag. Uff. Gestern war ich in Basel bei meinen Grosseltern. Ach, das war schön und schlimm und alles was dazugehört. Heute begleiten mich Kopfschmerzen und das seltsame Gefühl, dass Allein-Sein ein Geschenk ist und die Trauer von gestern hat sich in eine Art Knoten in meinem Nacken verwandelt, der schmerzt und pulsiert.

Derweil vergnügt sich Wurmbrand in Amsterdam und Timo arbeitet. Timos Psycho-Katzen begleiten jeden Schritt, den ich in der Wohnung tue in der Hoffnung es gäbe etwas zu essen. Es gibt aber nichts zu essen. Und ich denke nicht nach und ich bewege mich in einer Art Traum und ich versuche zu lesen, zu leben und alles was mir gelingt, ist, dass meine Atem regelmässig geht und das ist doch auch schon was.

Immer weiter atmen, Leute! Nur nicht aufhören…
Hasenherz

Lumpenhund

Sonntag und ich muss arbeiten. Werde zusammen mit Michelle (unserer grandiosen Azubi) den Büchertisch im Theater am Neumarkt für die Buchvernissage von Hansjörg Schneider machen. Sein neues Buch heisst „Hunkeler und der Fall Livius“ und der Benedikt Scherer vom Tages-Anzeiger sagt dazu: „Kaum ist ein Mörder gestellt, so wünscht man sich schon den nächsten Lumpenhund herbei. Ein klares Suchtsymptom!“
http://www.buch.ch/shop/home/typhoonartikel/ID14249746.html;jsessionid=fdc-fshxw96bfb1.fdc41
Ja, ja, da kann man nur hoffen, dass das ein spannender Nachmittag wird.

Grüsse euch herzlich, ihr Lumpenhunde!
Hasenherz