Willkommen zurück, Vampirherz

Auf die Hügelkuppe zu

Auf die Hügelkuppe zu

Gestern war ich ja im Appenzell. Und ich hatte so grosse Lust auf Grün, auf Wiese und auf Horizont. Und alles hab ich bekommen. Wir sind auf die Hügelkuppe zugegeangen. Der rote Abendhimmel hinter der grasgrünen Kuppe im Blick, der milde Wind am Kopf. Dann endlich standen wir auf der Kuppe und der Blick war überwältigend. Der Bodensee glänzte in der Ferne, die Hügel mit ihren Dörfchen und Kirchturmspitzen lagen lieblich eingebettet. Und wir wie zwei Sterne auf dem Weihnachtsbaum zuoberst dem Wetter ausgesetzt.

Manchmal verhält es sich mit den Augen wie mit der Natur. Blauer Himmel, grüne Wiese. Alles an seinem Platz, alles ganz, ganz richtig.

Und Erkenntnis. Es liegt nie am Gegenüber. Nicht das Gegenüber ist das Problem. Sondern ich bin das Problem. Ich weiss, dass das unfair ist. Doch es ist so, dass meine Zugeneigtheit fehlt. Nie die des Gegenübers. Ich bin verwöhnt. Und doch so sehr gestraft. Willkommen zurück, Vampirherz! Herzlich Willkommen!

Hasenherz

PS: Stunden zuvor im Café Stickerei in St. Gallen. Würde ich in St. Gallen leben, wäre es definitiv mein Lieblingslokal.

Wein & Erdbeeren

Vom Gründonnerstag auf Karfreitag mit der coolen Clique Leichen im Keller gespielt bis morgens um 6. In einer fremden Küche übernachtet. Mit Kaffee und Erdbeeren geweckt worden. Sosososchön.

Am Karfreitag auf Wiesen gesessen – mit wechselnden Gegenüber. Ich liebe meine Freunde. Dann Wein aus Plastikbechern mit Austen am See. Heute Blumenwiesen im Appenzell.

Seltsame Sonne. Seltsame Zeit. So viel Zeit für Unerwartetes.
Froh,
Hasenherz

PS: Lese „So ist es gewesen“ von Natalia Ginzburg. Verwirrendes und gutes Buch. Mit offen gelegtem Herz.

Endlich.

Kein Tag wie jeder andere. Wie viel Zeit ist gerade vergangen? Ein Jahr? Ein Monat? Ein paar Stunden? Ich weiss es nicht. Es ist vier Uhr morgens, ich sitze in meiner Küche und dieser Tag, diese Nacht, war so beispielhalft, dass ich sie euch nicht vorenthalten kann, nicht vorenthalten will. Erstens. Frühling. Als hätte Petrus einen Vertrag mit Amor, wurde es plötzlich Frühling. Mit einem Schlag. Ich habe mich so nach Frühling gesehnt und als dann Frühling eingetreten ist, war ich überfordert und konsterniert. Doch: ich habe mich darauf eingelassen. Zweitens. Schreiben. Heute habe ich mit vielen Leuten über meine Schreibe geredet, habe erstaunliches Feedback erhalten, war verblüfft, verunsichert, fasziniert. Drittens. Theater. Theater so ambivalent wie das Leben selbst. Viertens. Ich. Die Nachträume haben mich gestreift in einer von Wahnisnn befallenen Art, in einer seltsamen Mischung aus Heimat und vollkommenem fremd sein.  Als ich da war, da war für meine Freundinnen, in guten und – wie sagt man so schön – schlechten Zeiten, als ich Verständnis hatte, Typen für sie anquatschte, zuhörte,  bei mir war, nur, um bei ihnen zu sein, sie aufgefangen habe, als sie drohten zu fallen, da war dieses Selbstverständnis endlich zurück. Als ich mit ihm gesungen habe, über die dröhnende und für den Abend unpassende Musik hinweg, aus voller Kehle und im Wissen, um die Wichtigkeit dieser Geste, da habe ich dieses Selbstverständnis endlich gefühlt. Und als mir Nina sagte, dass sie so unheimlich froh ist, dass ich hier bin und das, obwohl ich Nina an diesem Abend erst kennenlernte, da wusste ich das Selbstverständnis hat sich verselbstständigt, ist endlich und wirklich und wahrhaftig Teil von mir. Und als Christoph von seiner Band erzählt hat, von dieser abartig komischen Hippie-Rock Mischung, da lachte ich innerlich und ich wusste – endlich – dass Heimat nur ich bin, dass es so einfach und so schmerzhaft und so faszinierend logisch ist. Jetzt, da ich betrunken – weil ich mir endlich die Kante gegeben habe, endlich losgelassen – da verstehe ich was es heisst, was es heisst, dieses schwarze Herz zu tragen, zu ertragen. Endlich.

Zum Glück habe ich diesen Tag erlebt, zum Glück.
Hasenherz

Hippies müssen nie weinen

Mein nächstes Leben lebe ich als Hippie

Mein nächstes Leben lebe ich als Hippie

Ich möchte ein Hippie sein, im warmen Solar
Dann müsste ich nicht mehr schrei’n
Alles wär so klar

Hippies müssen nie weinen

Ich möchte ein Hippie sein, im warmen Solar
Hippies müssen nie weinen
Dann müsste ich nicht mehr schrei’n, alles wär so klar

Ich möchte ein Hippie sein, im warmen Solar
Dann müsste ich nicht mehr schrei’n
Alles wär so klar

Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen, Hippies müssen nie weinen…

Knuts Koffer machen glücklich

Knuts Koffer = täuschend echte Hippies.

Knuts Koffer = täuschend echte Hippies.

Am Freitag war ich an der Knuts Koffer Plattenfeier in unserer zweiten Heimat. Knuts Koffer sind ne dreiköpfige Band, die Tollhausmusik spielen. War grandios. Ein wunderschöner Abend, nicht zuletzt wegen Max, der mich für einen kurzen Augenblick glücklich gemacht hat. Danke Max!

Am Samstag haben wir Kurt Fickert-Frick verspeist. Kurt Fickert-Frick war ein Hahn, der sein glückliches Leben unter den Händen von Lukrezia und dem Zauberlehrling hat aushauchen dürfen. Er war leider etwas zäh und taugte besser als Suppenhuhn. Der Abend aber war alles andere als zäh und hat ebenfalls sehr glücklich gemacht. Danke Lukrezia, Zauberlehrling und Badana!

Der Sonntag dann geht als Trauerweiden- und Tränen-Tag in meine Geschichte ein. Ganz, ganz schrecklich. Und heute bin ich also traurig und hoffe, dass das Glück irgendwann wieder unter dem Trauer-Teer hervorscheinen wird. Vielleicht gibt es bald wieder Abende wie die mit Max und Kurt Fickert-Frick. Ich versuche zuversichtlich zu sein.

Herzliche Grüsse,
Hasenherz

PS: Soeben Post bekommen. Max mag mich. Gehtdoch!

Den Frühling herbeisehnen

VollOpteMann und ich haben da so eine Vision. Oder wie möchte man das nennen? Ein Zukunftsbild. Folgendes:

seebadiWir sitzen mit einem Drink in der Hand (natürlich ist der Drink orange, oder rot oder gelb-rot, mit Schirmchen!) in einer Seebadi-Bar (zum Beispiel im Seebad Enge) auf einem Floss, die Füsse im Wasser. Es ist später Abend, es ist wunderbar warm. Über unseren Köpfen eine Lichterkette. Da gibt es Nachtgeräusche, Wind in den Bäumen, Menschen die lachen. Hab ich schon erwähnt, dass es wunderbar warm ist? Ja? Gut.

Mit diesem Sommernachtbild im Kopf hangeln wir uns von Graupelschneeregenkältetag zu Graupelschneeregenkältetag. Manchmal, wenn VollOpteMann nicht so voll opte gut drauf ist (was natürlich höchst selten vorkommt), erinnere ich ihn an die Lichterketten. Ich glaube, es hilft. Hoffentlich!

Bald ist Frühling!
Hasenherz

verschlossen und trotzdem vorhanden

„Ich hatte das Alte verloren
und das Neue nicht gewonnen,
es verschloss sich vor mir,
aber ich wusste, dass es vorhanden war.“
(Marlen Haushofer)

Mitten im März bleibt mir vieles verschlossen. Claudio – sozusagen mein momentaner, geistiger Vater – sagt, ich solle mich ablenken. Findet man den Schlüssel zur Tür nicht, dann soll man nicht versuchen sie aufzubrechen. Man soll sich an der Bar vor der Tür einen Drink genehmigen und einbisschen mit dem Barkeeper schäkern.

In diesem Sinne: Prost!
Hasenherz

Viele Grüsse aus dem Gletschergarten

Kennt ihr euren inneren Gletscher? Es gibt ihn nämlich, den Gletscher in uns drin. Ich hab für euch ein Bild meines inneren Gletschers gesucht und gefunden.

Mein Gletscher: Sehr verschwiegen

Mein Gletscher: Sehr verschwiegen

Heute fühle ich meinen Gletscher sehr stark. Kalt und gross und mächtig und ruhig. Weit und verschwiegen. Seit Jahrzehnten liegt er da, kaum verändert, alles unter sich begrabend. Mein Gletscher liegt heute, wie ihr erkennen könnt, unter einem aufreissenden Himmel, die Sonne mag sich nicht entscheiden.

Wie geht man mit Ratlosigkeit um? Wie mit Unentschlossenheit? Wie mit Traurigkeit? Und wie, zum Teufel, mit Plötzlichkeit?

Heute habe ich zum Schönen gesagt: „Schmerz ist nur schlecht erinnerbar.“ Und der Schöne hat gemeint: „Hmhm.“

Habt ihr schon mal mit einem Schlagstock in der Hand vor dem Spiegel posiert? Nur um zu sehen, wie das so aussieht? Ich noch nie! Das sollte ich heute aber dringend nachholen!

Herzlich,
Hasenherz (vom Gletscher ins Tal winkend)

Und dann kam Clotilde…

Clotilde, Catherine & Marise (hier sich noch traulich zugewandt)

Clotilde, Catherine & Marise (hier sich noch traulich zugewandt)

Nachdem ich „Bis(s) zum Ende der Nacht“ verschlungen habe, lese ich jetzt eine echte Buchperle. Ein kleines, feines Büchlein aus dem Dörlemann Verlag. Und es gefällt mir wahnsinnig gut. Nur schon die Aufmachung. Es ist in türkise Leinen gebunden, hat ein rotes Leseband und ein tolles Coverbild. Der Titel dieser Buchperle ist: „Liebesgeschichte„. Die Autorin, Louise de Vilmorin, wurde 1902 in Paris geboren und war mal mit Antoine de Saint-Exupéry verlobt. Hier ein Auszug:

»Während Catherine Valle-Didier als verheiratete Frau zur Verschwiegenheit neigte, führte ihre gute Freundin Marise Lejeand, die keinen Ehemann mehr hatte, ein recht offenes Leben. Zwischen beiden bestand nicht die geringste Ähnlichkeit, vielleicht waren sie sich gerade deswegen so nah.  Jede staunte unablässig über die andere, während sie sich zugleich als Komplizinnen fühlten, in welcher Angelegenheit blieb allerdings unklar.«

Sehr unterschiedliche Freundinnen also. Bis ein Mann kommt und alles aus dem Gleichgewicht gerät. Das würde ja alles noch gehen. Doch dann kommt Catherines junge Tochter (Clotilde) und findet ebenfalls gefallen an diesem besagten Mann. Ihr seht, reichlich Explosionsstoff. Und in einer wundervollen Sprache geschrieben. So, genau so, sollte Frühlingsliteratur sein. Zurückhaltend, unterhaltend, begeisternd und grandios anregend.

Herzlich, Hasenherz