Keine Macht den Krähen!

Was sie wohl im Schilde führt?

Was sie wohl im Schilde führt?

Heute morgen hatten Izzie und ich einen Brief unserer Grossmutter im Briefkasten. Sie hat uns Tickets für eine Veranstaltung zukommen lassen. Das alles ist sehr nett und süss, aber wenig spektakulär. Spektakulär und irgendwie ziemlich geheimnissvoll war ein Satz in ihrem Begleitbrief. Da standen so Sachen wie, dass sie hofft, dass es uns gut geht, dass es ihr gut geht und so weiter. Und dann, mitten in den ganz normalen Sätzen stand ein Satz. Ein seltsamer, verwirrender Satz . Er lautete: „Ich bin so froh, dass die Krähen nicht gewonnen haben.“ Nach diesem kryptischen Satz ging es ganz normal weiter. Weder Izzie noch ich konnten mit diesem Krähen-Ding etwas anfangen. Und trotzdem hat er bei beiden von uns etwas angesprochen. Irgendwie konnten wir instinktiv sagen: „Ja, wir sind auch ausserordentlich froh und glücklich, dass die Krähen nicht gewonnen haben. Und wir werden alles, alles, alles tun, dass sie nicht gewinnen werden!“

Seltsame Sache. Fast schon gruselig.

In den Schmerz atmen

Mein Kickbox-Trainer hat mir etwas beigebracht: Er sagt, ich solle in den Schmerz atmen. Bei sehr anstrengenden Übungen, wenn ich das Gefühl habe, ich kann nicht mehr und instinktiv den Atem anhalte, soll ich bewusst tief einatmen. Die Überwindung ist jeweils gross und es braucht viel Kraft, doch es hilft. Lustigerweise hilft es. Sobald man am Zenit des Schmerzes angekommen ist, ist er wie weggeblasen.
Dieser in-den-Schmerz-atem-Trick hilft übrigens auch bei seelischen Schmerzen. Tief durchatmen. Durchatmen. Durchatmen. In der Mitte des Tornados ist es totenstill.

In diesem Sinne: Es mag so aussehen, als läge Schnee, doch in Wirklichkeit ist der Frühling steinwurf-nah.
Herzlich,
Hasenherz

Das Fenster zum Hotel

Gegenüber meines Küchenfensters – ich erinnere mich immer sehr gut an mein Küchenfenster, am besten dann, wenn ich nicht in meiner Küche bin – hat es ein Hotel. Drei der Hotelzimmerfenster sind genau auf meine Küche gerichtet und wenn am Abend bei mir Licht brennt, in meiner Küche und ein Gast im Hotelzimmer das Licht an hat, dann könnten wir uns gegenüberstehen und uns zuwinken und sogar die Gesichtszüge des jeweilig anderen ganz gut erkennen. Der Gast könnte mir zuschauen, wie ich Kaffee trinke um zwölf Uhr nachts und er könnte sich fragen, wie ich es anstelle, dass ich danach noch einschlafen kann oder er fragt sich, ob ich wohl Nachtschicht habe und gerade erst aufgestanden bin und jetzt frisch zur Arbeit fahre. Ich hingegen könnte den Gast beobachten, wie er seinen Koffer auspackt, seine Hemden sorgfältig auf die Bügel hängt, sie glatt streicht und den Holzschrank dann schliesst. Ich könnte zusehen, wie er sich auf die weissen Laken des Bettes setzt, sich die Krawatte lockert und sich gedankenverloren übers Kinn fährt. Ich würde dann mit meiner Kaffeetasse in der Hand nah ans Fenster stehen und ihm zuwinken und er würde sich ertappt fühlen und die Vorhänge schliessen wollen und dann kurz bevor die Vorhänge geschlossen sind, würde er zurückwinken und vielleicht läge auch ein Lächeln drin.

Hotelzimmerfenster gegenüber seiner Küche zu haben, ist ein wahres Geschenk.

Andre geworden

Müde bin ich heute. Peter und ich haben ElfElf vom Flughafen abgeholt. Um sechs Uhr in der Früh. ElfElf kam braungebrannt im Schneegestöber an. Die Arme. Ich finde die Kälte schon kaum aushaltbar – wie es ihr wohl geht?

Dieses Wochenende war ich zweimal im Theater. Andorra und Immanuel Kant hab ich gesehen. Vanalia hat Andorra gar nicht gefallen, Peter fand es einbisschen gut und auch einbisschen nicht gut und mir hat es sehr gefallen. Das fand ich spannend, dass wir drei so unterschiedliche Meinungen hatten. Einzig in einer Frage waren wir gleicher Meinung: Der Soldat war viel zu sehr überzeichnet. Das hätte es wirklich nicht gebraucht. Danach haben wir uns den Kopf freigetanzt in unserer zweiten Heimat. Leider hat Shirkan durch Abwesenheit geglänzt.

Immanuel Kant auf hoher See

Immanuel Kant auf hoher See

Am Samstag dann Immanuel Kant. („Das Ende aller Dinge, die durch der Menschen Hände gehen, ist, selbst bei ihren guten Zwecken, Torheit.“) Dieses Stück hat mir auch sehr gefallen. Sogar Frank, der recht wenig von Theater versteht, war angetan. Ist ne sehr lustige Inszenierung, mit einem Hammer Bühnenbild – geht hin, es macht echt Spass!

Ansonsten kann ich nichts sagen, ausser die Worte von Theodor Fontane zu wiederholen: “ Wir kennen uns nie ganz, und über Nacht sind wir andre geworden, schlechter oder besser.“

Einen guten Wochenanfang wünscht euch:
Hasenherz

Kollektivschuld & Weihnachtsgeschenke

„Es hat sich inzwischen wohl herumgesprochen, dass es eine Kollektivschuld nicht gibt und auch keine Kollektivunschuld und dass, wenn es dergleichen gäbe, niemand je schuldig oder unschuldig sein könnte.“
(Hannah Arendt)

Etwas sinnvolles zur Tagesmitte wollt ich euch heut nicht ersparen.

Falls ihr Lust habt, schon mal ein paar gute Bücher zu kaufen, damit ihr dann am 22. Dezember nicht noch in die übervollen Läden rennen müsst: Ich empfehle euch unsere Buchliste „Für Klassische & Einfühlsame„. Das passt zu euch und euren Freunden. Ach ja, und für die Ladies: „Die geheimnissvolle Sexualität der Pflanzen“ aus der Rubrik „Für Verspielte & Lustige„.

Herzlich, Hasenherz

Leichen im Keller

Weihnachten im Buchhandel ist echt die Hölle. Glaubt mir.

Am Samstag war ich nachts im Wald mit meinen Freunden und wir haben ne Wurst gebraten und Peter hat Schlangenbrot gemacht. Lustig wars. Dann haben wir Leichen im Keller gespielt und wie immer hat das Wahrheiten zu Tage befördert oder einfach schön gekleidetet Halbwahrheiten, wie auch immer. Unterhaltungswert hatte es allemal.
Am Sonntag war ich dann mit meiner Schwester in Basel bei meiner Grossmutter. Was da alles abgeht in so einem Altersheim! Spannender als jede Teenie-Lager-Romantik!

Hühü!
Hasenherz