Die schönste Liebesgeschichte überhaupt

Projekt. Stress. Lange Abende. Viele Nerven, die verloren gehen.
Gestern war Gustavo bei mir – den hab ich schon ewig nicht mehr gesehen – und wir haben über die Liebe und über das Unvermögen in der Liebe (manchmal) gesprochen und darüber, wie Liebe alltagstauglich gemacht werden kann, ob das überhaupt geht. Gustavo ist Bildhauer von Beruf und er besitzt sehr viel Kraft und Talent und Wille. Seine Sachen, die er macht (aus Stein und auf Papier), sind wunderschön und ich gehöre zu den Glücklichen, die ein Werk von ihm besitzt.

Heute Abend ist der Schöne in der Stadt und darauf freue ich mich. Ausserdem sagt Herr Fischer, dass die Sonne durch die Wolken dringt. Das ist doch mal ein Anfang!

Herzlich,
Hasenherz

PS: Ich lese „Bis(s) zum Abendrot“ – der dritte Teil der schönsten Liebesgeschichte überhaupt. Heute bin ich mit dem Bus fast ne Station zu weit gefahren, weil ich so vertieft war. Einfach nur schön!

In neuem Licht

Gestern Abend hat ElfElf mit ihrer Band zum Tanz aufgespielt und es war – wie letztes Mal auch – grandios. Alle waren da. Vanalia, k_k, Biene, Sepp, Angi-Peter, Pferderic und der Wollwanderer. Habe Biene und Pferderic den Chachacha beigebracht. Biene war da eindeutig begabter. Heute gibt es tausend Sachen zu erledigen und ich hab das Gefühl, dass die Zeit überhaupt nicht reicht. Bald treffe ich Suelo und ich freu mich sehr, denn ich hab sie bestimmt ein Jahr nicht mehr gesehen.

Diese Tage begebe ich mich mit Lichtgeschwindigkeit von Welt zu Welt und heute ist mir etwas schwindelig. Der Klappentext zu Peter Stamms neuem Buch beschreibt das ganz treffend: „Es sind diese Momente, in denen sich etwas verändert im Leben, in denen etwas geschieht, man merkt es kaum. Momente, die der Zeit enthoben scheinen. Eine neue Welt tut sich auf, man erkennt die Sackgasse, in die man vor langer Zeit geraten ist. Und plötzlich herrscht ein anderes Licht.“

In diesem Sinne, geniesst die Sonne,
Hasenherz

Belanglosigkeiten

Ich trinke viel zu wenig. Wasser. Wasser meine ich. Jetzt bin ich seit sieben Uhr morgens wach und hab noch fast gar nix getrunken. Und es fühlt sich an, als ob ich innen ganz trocken bin und staubig. Ich hol mir mal eben ein Glas Wasser.

—— ein paar Minuten später —–

Oh, Wasser tut echt gut!
Heute hat mir Andrea folgendes Buch ganz dringend empfohlen: Die Frau im Mond von Milena Agus. Mir wurde das Buch schon von verschiedenen Seiten empfohlen und ich glaube wirklich, dass es gut ist. Nur gibt es Bücher, die sind einem aus seltsamen Gründen unsymphatisch. Das Cover gefällt nicht. Der Titel ist nichtssagend. Solche Gründe. Also alles Gründe, die recht doof sind. Werde mich überwinden und das Ding lesen. Und hoffentlich eine Überraschung erleben. Ich werde es euch auf jeden Fall wissen lassen.

Und jetzt: Mittagessen.
En guete,
Hasenherz

Blut ist im Schuh

Rucke di guh, rucke di guh, Blut ist im Schuh. Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.
Seltsamerweise hab ich den Aschenputtel-Satz im Kopf und er will und will nicht verschwinden. Er dreht und dreht und hört sich irgendwie verheissungsvoll und kalt an. Im Geschäft läuft es wieder mal drunter und drüber und mir ist nach verreisen. Nach abhauen. Nach verschwinden. Nach in Luft auflösen. Und so recht komm ich nicht klar. Mit all den Sachen.

Heute Abend gehen Vanalia und ich Jess Jochimsen und Sascha Bendiks im Miller’s Studio anschauen. Darauf freu ich mich und Vanalia sagt: „Ich schicke dir einen virtuellen Strauss magischer Koboldveilchen und mein rabenschwarzes Herz.“ Wie schön! Wie schön!

Herzlich,
Hasenherz

Wer braucht sie nicht, die Illusion?

Gestern waren Izzie und ich bei unserem personifizierten Gewissen namens Herr Dr. Furrer. Herr Dr. Furrer schaut bedrohlich mit erhobenen Zeigefinger auf einen herab und spricht mit donnernder Stimme: „Sie wissen, was ich davon halte?!“ Man nickt und möchte am liebsten im Erdboden versinken. Nachdem wir Herr Dr. Furrer hinter uns hatten, hatten wir uns viel Kaffee, eine Packung Zigaretten und Frustshopping verdient.
Habe einen echt lustigen und wirklich sehr angenehmen Service entdeckt. Nämlich „Frank geht ran„. Man kann Franks Nummer angeben und er wimmelt die unerwünschten Anrufer ab. Schade, dass es das für die Schweiz nicht gibt…

Heute Abend treffen wir Xanten! Welch Freude. Biene, Vanalia und ich werden nach Veilchen duftend, schwungvollen Schrittes in den Abend schreiten und Xanten unsere Ehre erweisen. Denn nach einer Begegnung mit Xanten geht es mir immer besser als vorher. Das entspricht seinem Lebensprinzip. Ach ja, Herrn Fischer hab ich getroffen – fast ganz zufällig. Das war sehr schön. Denn wer braucht sie nicht, die Illusion? Ohne Illusionen wäre unser Leben so viel lebensunwerter.

Herzlich,
Hasenherz

PS: „Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiss, ob sie wiederkommen.“ (Oscar Wilde – von wem sonst?)

Morgens um 11 in Deutschland

Morgens um 11 in Deutschland. Sitze in Münster in einem Büro und hier scheint endlich mal wieder die Sonne. Gestern war ja so typisch grausliges Münster-Wetter. Regen und Nebel und verhangener Himmel. Zoé und ich sind dann auch nicht mehr ausgegangen. Wir haben uns in unsere kuschligen Hotelbetten zurückgezogen und ich habe mich in zwei Decken eingewickelt und hab rumgedöst. Das war schön.

Der Mittwoch Abend mit Hase und dem Schönen war sehr angenehm und ich vermiss die Beiden etwas. Denn Büro in Münster ohne die Zwei ist echt etwas trostlos. Heute treten wir dann die Rückreise an und die wird lange dauern.
Die Damen diskutieren hier gerade die Kleiderfrage des „cravatte noir“-Events der Firma, der im Frühling stattfinden wird. Abendkleid? Welche Farbe? Welche Länge? Wie, wo, warum? Viele, viele Fragen. Und kaum Antworten. DAS kann ja heiter werden!

So. Jetzt müssen wir aber los!
Herzlich,
Hasenherz

Abzweigung

Wenn man sich ergibt, hat man dann automatisch auch verloren? Manchmal ist der Kopf wie eine lange gerade Strasse. Man schreitet voran, zügig, den Blick frohen Mutes vorwärts gerichtet und plötzlich taucht hinter einem Hügel eine Abzweigung auf. Schon von Weitem fragt man sich, welchen Weg man gehen sollte. Links? Rechts? Geradeaus? Halblinks? Viertelrechts? Man schaut verwundert die Karte an und entdeckt die Abzweigung darauf einfach nicht. Man ist verwirrt. Irgendwann dann steht man an der Kreuzung und fragt sich: Himmelarschundzwirn, wohin, wohin? Es tun sich Möglichkeiten auf. Kommt man, wenn man viertelrechts geht, in eine grosse, schillernde Stadt mit bösen Gangstern und schönen Frauen? Kommt man, wenn man halblinks geht, an einen blauen, friedlichen Weiher wo die Vögel singen? Kommt man, wenn man geradeaus geht, nach Hause? Kommt man, wenn man rechts geht, zur Höhle des verwunschenen Drachens? Kommt man, wenn man links geht, ins Paradies? (Oder viellecht doch eher zu Hölle, Verdammnis, Glut und Tod?) Da steht man nun. Und muss sich entscheiden. In einem Pseudo-Psycho-Artikel hab ich mal gelesen, dass die besten Entscheidungen immer die intuitiven sind. Je länger man überlegt, desto schlechter wird die Entscheidung. So gehe ich also ganz intuitiv nach rechts.

Ab morgen bin ich mal wieder drei Tage in Deutschland. Freue mich Hase und den Schönen zu sehen. Und ich freue mich zusammen mit Zoé diese Reise zu unternehmen. Aber am allermeisten freue ich mich am Sonntag Xanten zu sehen. Auch wenns nur von Weitem und auf der Bühne ist. Und dann – in weiter Ferne – liegt eine Begegnung mit Herrn Fischer. Und darauf freue ich mich mit kindlicher Vorfreude.

Herzlich,
Hasenherz

Was soll man tun, verdammt?

Mann. Ich werde alt. Egal wann ich ins Bett gehe, ich falle um halb zwölf aus dem Bett. Gestern ist es wieder fünf Uhr in der Früh geworden und nach lächerlichen sechseinhalb Stunden bin ich putzmunter. Das müsste mir mal unter der Woche passieren. *grummel* Heute morgen also, als ich putzmunter in meinem Bett lag, hab ich ein Buch zur Hand genommen, das unmotiviert auf meinen tausend Bücherbergen rumlag. Der Klappentext („Bordell der Toten“ von Carlos Eugenio Lopez): „Man kann das Leben nicht mit angezogener Handbremse leben. Das geht einfach nicht. Man muss eine Menge Mumm haben und es einfach anpacken. Was soll man sonst tun? Sagen, dass es einem leidtut? Was soll man tun, verdammt? Etwa sagen, dass es einem leidtut, und losheulen?“ Passend. Es wird also nicht losgeheult, es wird Mumm gehabt. Jawohl.

Heute ist ein sehr schöner Tag, fast ein Frühlingstag und Izzie geht Schiff fahren. Ich gehe nicht Schiff fahren. Ich setz mich mit einem Buch in den Park und geniesse die Sonne. Das solltet ihr auch tun!

Herzlich,
Hasenherz

PS: “ Begehren und zurückweisen, dachte ich in diesem Moment, ist wohl das, was wir am seltensten tun und am häufigsten erfahren.“ („Die Rose von Istanbul“ von Joaquin Arnaiz)

Der Zauberlehrling

Guten Morgen! (Es ist 04:45 Uhr morgens und ich bin gerade nach Hause gekommen.) Laut Gala-Jahreshoroskop war heute mein Glückstag. Der Rest des Jahres wird… nun ja… sagen wir mal der Rest des Jahres wird erinnerungswürdig, fantastisch, romantisch, abenteuerlich, anstrengend, aufregend, bewegt. Das ganze Glück aber hab ich heute schon verbraucht.

Biene, Angi-Peter, Vanalia und ich waren einen Film schauen. Nämlich „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“. Der Film wurde als «masochistische Angstvision des Mannes vom Geschlechterkampf» oder als «feministische Fantasie der Stärke» bezeichnet. Leider war ich sehr müde und hab die Hälfte des Films verschlafen. Darum kann ich euch leider nicht berichten, wie sich „feministische Fantasie der Stärke“ anfühlt. Tut mir leid!

Danach verbrachten wir ein paar sehr nette Stunden in unserer dritten Heimat. Dort trafen wir auf Sepp, den Wollwanderer und auf den Zauberlehrling. Der Zauberlehrling ist ein Freund vom Wollwanderer und die beiden suchen gerade eine Wohnung. Das Gespräch mit dem Zauberlehrling war wirklich sehr erfrischend. Es ist nicht selbstverständlich einen so charmanten und eloquenten Gesprächspartner in einer rauchigen Bar anzutreffen. Er hat mir die erste Strophe der Loreley rezitiert und ich hab ihm mein Lieblingsgedicht von Brecht aufgesagt. Darauf ist er über Handke zur Suche von Märchen im Alltag gekommen. Kurz, es war ein sehr angenehmes Gespräch und ich würde sagen, der Zauberlehrling ist eine aussergewöhnliche Person, einer Romanfigur gleich, die mit Bestimmtheit Klavier spielt.

Jetzt aber ab ins Bett!
Schlaft schön,
Hasenherz

PS: Hier mein Brecht-Lieblingsgedicht in voller Länge.
Der Radwechsel
Ich sitze am Strassenhang.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
mit Ungeduld?

alternde Freunde, bellende Hunde

Heute kommt „Der Freund“ in die Kinos. „Der Freund“ ist ein Schweizer Film, der teilweise in unserer zweiten Heimat spielt und der darum unbedingt geguckt werden muss. Heute ist ein Interview mit dem Hauptdarsteller (Philippe Graber) in der Zeitung. Er sagt: „Selbstverwirklichung ist schon eher mein Ziel. Zu mir selbst kommen und mit meinen besten Freunden alt zu werden.“ Und ich sage: Klasse Idee! Auch ich will mit meinen besten Freunden alt werden! Damit beginne ich doch gleich heute und ruf jetzt als erstes Vanalia an. So.

Ansonsten ist es ruhig bei mir. (Bin ja auch seit drei Tagen alleine.) Tucholsky sagt: „Mensch: ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.“
Auf bald,
Hasenherz