Ich und mein mörderischer Kater sitzen im Büro und denken über die letzte Nacht nach. Begonnen hat alles sehr harmlos. Am Anfang war da die Idee mit den Arbeitskollegen nach dem Fussballmatch Schweiz – Spanien noch was trinken zu gehen. Weil sowieso nix mehr ging und man etwa 3 Stunden bis zum Bahnhof gebraucht hat. Wir haben uns also in die Fanmassen geworfen und so richtig mitgefeiert. Der Abend hat damit geendet, dass ich eine Frau küsste (ihr Freund war sehr fasziniert und hat ihr die Erlaubnis gegeben), Dani Felix einen Knutschfleck mitten auf den Hals machte, ich mit Sara darüber diskutierte, wer von unseren männlichen Kollegen am heissesten ist (zwei davon sassen gleich daneben), Felix Bruder mir seinen Ausweis zeigen musste, weil ich nicht geglaubt habe, dass er erst zwanzig ist und dass ich ziemlich übel hinfiel (oder besser: von Felix umgerissen wurde) und dabei mein Handybildschirm in die Brüche ging.
Davon, dass ich meinen Zug verpasst habe und ähnlichen Shizzle reden wir schon gar nicht.
Daraus lernen wir:
- Nicht mit Arbeitskollegen feiern (am nächsten Tag muss man sich dann Sprüche anhören – und zwar 10 Stunden lang).
- Nie auf leeren Magen trinken!
- Wenn man schon mit Arbeitskollegen feiert, ihnen frühzeitig und vorgängig beibringen, dass wenn man Dinge sagt wie: „Oh-O. Jetzt werde ich überstellig!“, man unverzüglich nach Hause geschickt werden soll.
- Sich in betrunkenem Zustand auf Distanz halten zu Hüpfenden und Gümpenden.
- Ehrlichkeit in allen Ehren: Manchmal aber ist Schweigen gold.
- Wissen, wann der letzte Zug fährt.
Und das Beste ist: Es geht weiter. Morgen früh fahre ich ans Southside und werde wohl kaum weniger trinken oder/und mehr schlafen. Klasse.





Abschiede sind immer schwierig. Heute ist der letzte Arbeitstag von Zoé. Genauer: der letzte Arbeitstag den Zoé und ich gemeinsam haben. Und auch ich werde nicht mehr lange arbeiten, wo ich gerade arbeite. Manchmal stimmt mich das traurig. Denn ich mach die Arbeit gern und ich liebe das Team. Es wird mich schwer fallen, hier wegzugehen. Andererseits freue ich mich auf mein Leben ab Dezember. Ich freue mich auf die Freiheit, auf die Abenteuer, auf die Zeit. Das erste Mal im Leben gebe ich mir Raum um zu tun, was mir gerade einfällt. Viel zu lange habe ich gewartet. Natürlich. Ich habe auch Angst. Was fängt man mit Freiheit an? Wohin streben die Gedanken, wenn man Zeit hat sich Gedanken zu machen? Was tut man mit seinen unruhigen Händen, wenn man nicht tausend Sachen gleichzeitig erledigen muss? Wie fülle ich den Raum, der momentan leer ist – nur ein paar Staubknäuel enthält? Vielleicht schliesse ich zuerst die Fenster, vielleicht lege ich Kissen aus, vielleicht zünde ich eine Kerze an, vielleicht male ich ein Bild und hänge es an die leere, weisse Wand. Vielleicht lade ich Freunde ein und spiele mit ihnen – auf dem Fussboden sitzend – das Flaschenspiel. Vielleicht lache ich und vielleicht weine ich auch einbisschen. Ganz sicher aber werde ich endlich mal wieder atmen. Richtig tief einatmen.