Die Katzen tanzen, der Kater schläft.

Ich habe Urlaub. Und langsam aber sicher geniesse ich diesen sogar. Gestern hab ich endlich mein Zimmer aufgeräumt, die Wohnung blitzblank geputzt und all die Dinge getan, die ich längst hätte tun müssen. Das tat gut!
Letztes Wochenende hab ich ne Reise gemacht, eine spannende Reise mit vielen Eindrücken und einem katholischen Priester, der mir von seiner Zeit in der Schweiz nach dem Krieg erzählt hat und dies in so eindrücklich farbigen Bildern, dass mich seine Geschichte nicht mehr loslässt. (Aber keine Angst, ich werde nicht fromm.)

Der gestrige Abend war dann – wie soll ich sagen – aufregend und seltsam und ich habe eine Freundin enttäuscht und das tut sehr weh heute, weil all die aufregenden Erlebnisse ohne Freundin nichts wert sind.

Dieses Wochenende hab ich sturmfrei. Nur Timos Psycho-Katzen geistern hier rum und machen komische Sachen. Heute morgen um 6, als ich gerade einschlafen wollte, haben sie einen schrecklichen Heultanz in den leeren Räumen meiner Wohnung vollführt, man hätte meinen können die Welt gehe unter.

Wünsche euch ein schönes Wochenende!
Hasenherz

Das Traummantelboot und die Fliederkaukröte

Hab gestern ein paar Worte auf der Strasse gefunden und sie aufgehoben. Hab sie zu verschenken versucht. Blieb beim Versuch. Und darum, liebe Leser, schenke ich die Worte nun euch:

  • Herbstlaubsalat
  • Traummantelboot
  • Honiglaunegefühl
  • Wasserpurpurhexe
  • Wechselseelensinn
  • Betonwattenlaut
  • Fliederkaukröte

Jetzt können wir mal versuchen Sätze zu bilden – vielleicht gelingt das ja:

Als die Wasserpurpurhexe eines kalten Morgens im November erwachte, hörte sie leise aber sehr deutlich diesen Betonwattenlaut, den sie damals, als das alles geschah, das letzte Mal gehört hatte. Sie erstarrte. Das Honiglaunegefühl, das sie am Tag zuvor so schön getragen hatte, war wie weggeblasen. Sie blieb im Bett sitzen und merkte, wie sie zitterte. Regungslos blieb sie, bis sie sich nicht mehr sicher war, ob sie den Betonwattenlaut wirklich gehört hatte. Vielleicht hatte sie nur geträumt? Sie nahm sich vor so zu tun als wäre nichts. Sie verliess das Bett und nahm sich wie jeden Morgen etwas Herbstlaubsalat aus dem Kühlschrank, goss sich ein Glas Milch ein und setzte sich ans Fenster. Draussen auf dem Fluss war alles ruhig. Er floss träge und gleichgültig an ihrem kleinen Haus vorbei. Sie rieb sich die Augen und schüttelte sich die Angst aus den Gliedern. Alles war gut. Dann blickte sie auf und sah auf dem Fluss das Traummantelboot, das gerade eben vorbeiglitt. Sie starrte und erkannte ganz deutlich die Gestalten – genau wie damals. Es war alles genau wie damals. Ihr blieb ein Stück Herbstlaubsalat im Halse stecken. Das Traummantelboot verschwand hinter der Flussbiege. Alles, was zu hören war, war das Herz der Wasserpurpurhexe, das zum Zerspringen schlug. Was hatte damals die Fliederkaukröte geschrien, als sie geflohen war? Genau. Sie hatte geschrien: „Dem Wechselseelensinn wirst du nie entfliehen!“

Oke. Ich glaub, ich lass das mal. Aber immerhin: Ich hab Worte! Ich lache gerade sehr und grüsse euch herzlichst,
Hasenherz

Mir fehlen die Worte

Es ist kalt geworden. Unheimlich kalt. Wäk. Ich habe meine Daunenjacke hervorgekramt und friere immer noch. Und jetzt werde ich auch noch krank. Ist ja mal wieder typisch. Jetzt, wo ich doch ab morgen Ferien hab.

Heute ist mir nach Worten. Und ich suche und suche und finde die richtigen Worte nicht. Sie sind einfach nicht da. Weder die Grossen noch die Kleinen. Es sind keine da und ich bin zum Schweigen verdammt. Kann mir mal jemand seine Worte leihen? Egal was für welche. Völlig egal.

Vielen Dank!
Hasenherz

Heimweh?

Heute bin ich müde und sehr schlecht gelaunt. Grummelig. Und traurig. Ja, sehr traurig. Zum Glück reissen mich heute Abend die Tschickens raus. Sepp und ElfElf betätigen sich hinter der Bar und das kann ja nur gut kommen…

Brigida, eine alte Schulfreundin, hat mir den Link zu ihrem Blog geschickt. Schaut euch ihre Bilder an. Die sind wirklich sehr, sehr schön.

by Brigida Brunetti

Zum Schluss für diese Woche lasse ich die grossartige Mascha Kaléko sprechen (aus Verse für Zeitgenossen):

Mir ist zuweilen so als ob
Das Herz in mir zerbrach.
Ich habe manchmal Heimweh.
Ich weiß nur nicht, wonach . . .

Herzlich,
Hasenherz

An der Zeit aufzuräumen

Unsere Shops sind gerade down. Das heisst ich habe mal eben fünf Minuten und nutze die natürlich sofort. Heute konnte ich mich mit Geschenkpapier und Geschenkkarten rumplagen und – ehrlich gesagt – gehts mir ziemlich auf die Nerven. Ich als latent ungeduldiger Mensch kann es nicht ab, wenns nicht funktioniert. Da hab ich einfach mal meinen Bürotisch aufgeräumt und das tat gut. Hey, man sieht mich jetzt wieder, wenn man zu mir ins Büro kommt! Das ist doch was.

Heute habe ich Dramaqueen zufälligerweise getroffen. Und das hat mir vor Augen geführt, dass ich schon lange nicht mehr in meiner alten Buchhandlung war und schon sehr lange sehr viele Menschen nicht mehr gesehen habe und irgendwie ist es langsam aber sicher an der Zeit.

Bald, bald habe ich Ferien und ich freu mich sehr darauf. Nur noch ne Woche und dann werde ich mal wieder sehr lange schlafen und mein Zimmer auf Vordermann bringen und lange Briefe schreiben und am See spazieren gehen und ausatmen und ausatmen und durchatmen und einatmen und ausatmen und durchatmen…

Den Atem anhaltend,
Hasenherz

Mein neues Leben als Hippie

Hippie

Zurück von der Buchmesse, zurück im wirklichen Leben. Die Messe war – wie soll ich sagen – streng. Anfangs hatte ich einen Kulturschock. Gefangen in diesem momentanen Projekt, wo ich mich mit Templates und Funktionen rumschlage, stand ich also letzten Mittwoch in Frankfurt und fühlte mich wie ein Engerling, der seit zehn Jahren das erste Mal die Sonne sieht. Und dann all diese Menschen! Krass.
Schlussendlich wurde es aber gut und ich bekam ein paar Bücher geschenkt. Unter anderem ein sehr schönes: Fünf Tage im Juli von Franz Xaver Karl (»Die Julisonne stand wie ein riesiger Schmerz am Himmel.«). Es ist im kleinen Blumenbar Verlag erschienen, der sehr schöne und tolle Bücher macht. Ich freue mich es zu lesen.

Ausserdem war ich noch an der Gerade-sehr-weit-oben-sein-Feier von Fantasmus. War lustig und schön und ich fand es spannend all seine Menschen kennenzulernen. Habe mit Hase Walzer getanzt (mehr schlecht als recht) und Wouter hat mir erklärt, wie das so geht, wenn man ein echter Hippie sein möchte. Ja, ihr habt richtig gehört. Ich bin jetzt Hippie. Als Hippie ist das Leben nämlich einiges einfacher. Lektüre zum Thema: Hippigschpängschtli

Auf bald,
Hasenherz

Zwischen zwei Buchdeckeln

Flatscreen-Lars hat mir ein Zitat von Andreas Altmann geschickt, das ich sehr schön finde: „Zwischen zwei Buchdeckeln darf ich schreien und fassungslos sein.“
Wie wahr. Für mich gilt zurzeit: Zwischen zwei Buchdeckeln darf ich aufhören Ich zu sein. Zwischen zwei Buchdeckeln darf ich loslassen, darf ich leben, darf ich atmen, darf ich lieben.

Morgen gehts an die Buchmesse und ehrlich gesagt, hab ich überhaupt keine Lust zu gehen. Das liegt nicht an der Buchmesse. An die Buchmesse würde ich theoretisch sehr gerne gehen. Nur möchte ich eigentlich mal zwei Tage hintereinander frei haben. Und nicht jetzt, nach dem ganzen Stress, noch an der Messe rumrennen und tausend Menschen die Pfötchen schütteln. (Man kann es sich wohl nicht immer aussuchen, nicht wahr?)

Die Tschickens haben für mich gekocht (weil ich ja so viel arbeite). Jeden Tag gibts ein anderes Gericht. Heute gabs Zürigschnätselts. Sehr fein! Die Tschickens sind einfach wunderbar! Schön, solche Freunde zu haben. Was ich für ein Glück habe, man glaubt es kaum.

Danke.
Hasenherz

Pause. Endlich.

Nach 14 Tagen ohne einen Tag Pause, habe ich heute frei. Gestern Abend war ich so müde, dass ich bei Alex auf dem Sofa eingeschlafen bin, während die anderen die Fotos von Chéries Hochzeit angeschaut haben. Jetzt, nach zwölf (!) Stunden Schlaf, fühle ich mich schwer und wie neu geboren. Hey, ich kann mir ja endlich wieder den Wochentag merken! Wir haben heute Samstag! (Und das wusste ich ohne auf die Zeitung zu schielen.)
Heute Samstag habe ich also frei. Und ich werde mit Izzie in die Stadt gehen und wir werden uns durch das Hut-Sortiment sämtlicher Warenhäuser probieren und uns kringeln vor Lachen. Izzie mit Federhut, Izzie mit Wollmütze, Izzie mit grossem, runden Strandhut, Izzie mit Schleierhütchen… In meinem Kopf mache ich viele Bilder und wenn ich dann nächste Woche an der Buchmesse rumgurke und jede Menge Menschen treffen muss, nehm ich eins der Bilder hervor und lächle in mich hinein.

So, jetzt geniesse ich meinen Tag. Haha!
Hasenherz

Das ist er also, mein Geburtstag

Das ist er also, mein Geburtstag. Durchsetzt mit Schmerz. Durchsetzt mit Glück. Manchmal frage ich mich wohin dieser Weg führt. Ich stehe am Fluchtpunkt meines Lebens und habe wirklich keine Ahnung wohin ich gehe, wohin ich gehen soll, gehen will. Alles offen. Alles frei. Wem soll ich folgen? Wann wird der Wind drehen?
Die Arme ausgebreitet, den Blick auf den Horizont geheftet, unter mir die tosenden Wellen die das Meer wütend gegen die stoischen Steine wirft, die Füsse nackt, am Rand der Klippe. Der Wind im Gesicht, die Haare nach hinten geweht. Salz auf den Lippen, den Mund halb geöffnet. Atem, der regelmässig geht. Die Welt zieht heute an mir vorbei, ich bin ruhend, still, völlig bewegunslos und möchte sagen: Lasst mich einen kurzen Augenblick so zurück. Nur kurz, bis sich das Herz schwer und metallisch wieder in Bewegung setzt. Hustend, atmend.
Das ist er also, mein Geburtstag. Alles offen, alles frei. Ich male mit geschwungenen Pinseln meine Augen an, meine unsteten Augen, ich male schwarze Linien ins Nichts. Völlig sinnbefreit. Mein Mund lächelt mir zu. Ich lächle zurück. Freundlich. „Wenn ich winken soll, werde ich winken.“

Herzlich,
Hasenherz

Nicht davor

Ich sitze am Ufer des Flusses. Es ist kalt. Nebel kriecht über das Wasser. Über mir ragen die Felsen, die Felsen, die Felsen. Ein Boot zieht leise vorbei. Sie bringen die Toten nach Hause. Die weiss gewandeten Toten. Es riecht nach Metall, nach Algen. Das Gras, worin ich sitze, ist nass. Die Erde feucht. Wir leben aus verschiedenen Gründen. In verschiedenen Leben. Der Fluss ist grün und grau und sanft. Ich fürchte mich nicht. Nicht davor. Zerfetzte Nebelschwaden ziehen flussabwärts. Folgt den Toten, folgt den Toten! Über mir der atmende Himmel, unter mir mein offen Herz.
(Das kommt davon, wenn man den Soundtrack von Solaris zu hören bekommt…)
Hasenherz