Um nicht zerrissen zu werden

Bei Nietzsche steht: „Die Bestie in uns will belogen werden; Moral ist eine Notlüge, damit wir von ihr nicht zerrissen werden.“

Heute habe ich in der Mittagspause mit Ron über Moral und den Moralbegriff geredet. Es ist doch so, dass wir ein Bild von uns haben, das sehr heuchlerisch ist. Wenn wir denn mal ehrlich sind zu uns selbst. Die Bestie in uns sagt wohl zur Gelegenheit höchst selten nein. Das Gute ist, dass sich uns die Gelegenheit fast nie bietet. Und das auch nur, weil wir Hemmungen haben. Es ist nun aber so, dass ich wohl ein Mensch bin, der tendenziell eher nicht so viele Hemmungen hat. Genauer: Ich bin jemand, der sich zu fragen traut. Der manchmal Sachen einfach macht. Ich gehe also auf andere Menschen zu, rede, stelle Fragen. Und darum erfahre ich auch ziemlich viel von Menschen. Und damit meine ich in erster Linie nicht, was sie mir erzählen. Sondern das, was sie tun. So sagen sie mir, dass sie treu sind und im nächsten Atemzug reden sie was von „offener Beziehung“ und „mal eben küssen und so“. Würde ich dazu ja sagen (und ich halte nicht hinter dem Berg damit, dass ich auch schon ja gesagt habe), würde der eigene Moralbegriff und die Moral der Handlung doch ein Bisschen auseinanderklaffen.

„Der Mensch ist des Menschen Wolf“ sagt mein Lieblingsbürokollege dazu.

Die beste Lektüre, die ich zu diesem Thema kenne ist „Kaddisch für ein nicht geborenes Kind“ von Imre Kertesz. Er sagt da: Wir sprechen von Unmenschlichkeit und meinen damit nur allzu Menschliches.

Bittere Pillen? Süsse Medizin!

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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Mein Lieblingsarbeitskollege hat mir gerade eben was sehr Lustiges erzählt: Er habe letzte Nacht im Schlaf geredet. Das hätte ihm seine Frau heute Morgen mit einer hochgezogenen Augenbraue eröffnet. Folgendes habe er gesagt: „Sabine ist mein Subutex.“ Mein Lieblingsarbeitskollege konnte in wachem Zustand beim besten Willen nicht sagen, was genau Subutex ist. Dann hat er es nachgeschlagen: „Subutex (Buprenorphin) ist ein lang wirkendes, synthetisches Opioid. Es wirkt wie Methadon, Heroin oder Morphin und andere Substanzen. Mit Subutex kann ein Entzug durchführen, wer nicht an zu hohe Dosen Heroin oder Methadon gewöhnt ist. Vor allem HeroinraucherInnen oder HeroinsnifferInnen können mit Subutex ohne Klinikaufenthalt einigermassen gut erträglich entziehen.“ Nun. Mir liegt es Fern diese Traum-Aussage deuten zu wollen.

Letzte Nacht hab auch ich ziemlich wirres Zeug geträumt. Ich kann mich nicht genau daran erinnern. Es schien aber was Schönes gewesen zu sein, denn ich bin mit einem guten Gefühl aufgewacht. Irgendwie zufrieden und vorfreudig. Die Vorfreude erstaunt mich nicht. Werde ich doch nächstes Wochenende in Frankreich verbringen. Zusammen mit meinen Lieblingsvettern, zu Gast bei Gotte Miau.

Letztes Wochenende war ich mit Häschen am Stadtsommerkonzert im Rieterpark. Konzert und Rieterpark funktioniert wirklich tadellos. Danach waren wir noch an einer abgewrackten Party in einem Güterbahndings. Dort haben wir sehr seltsame Typen kennengelernt, die irgendwie nett waren aber auch total zerstört. Ste – einer dieser Typen – gab den Obermacker, so mit harter Lederjacke und nach hinten geschmierten Haaren. Dennoch hatte der was im Blick, das einem anrührte. So ein Kuscheltierblick. Sehr seltsame Mischung.

Ach, ja: Der Gang in die Buchhandlung „Buch am Platz“ in Winterthur hat sich gelohnt. Dort wurde mir „Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson empfohlen. Mag ich.

Warum erfährt man nie, wie alles war?

Wieso warum?

Warum sind tausend Kilo eine Tonne?
Warum ist drei mal drei nicht sieben?
Warum dreht sich die Erde um die Sonne?
Warum heisst Erna Erna statt Yvonne?
Und warum hat das Luder nicht geschrieben?

Warum ist Professoren alles klar?
Warum ist schwarzer Schlips zum Frack verboten?
Warum erfährt man nie, wie alles war?
Warum bleibt Gott grundsätzlich unsichtbar?
Und warum reissen alte Herren Zoten?

Warum darf man sein Geld nicht selber machen?
Warum bringt man sich nicht zuweilen um?
Warum trägt man im Winter Wintersachen?
Warum darf man, wenn jemand stirbt, nicht lachen?
Und warum fragt der Mensch bei jedem Quark: Warum?
(Erich Kästner)

Ein Kästner-Gedicht zu diesem müden Donnerstag. Kästner-Gedichte helfen immer. Vor allem wenn es harzt und zieht und man zu müde ist fürs Harzen und Ziehen und man eigentlich ganz wo anders sein möchte und sich dann zuweilen fragt „Warum?“, dann, ja dann sind Kästner-Gedichte die richtige Medizin.

Gestern Abend habe ich mich mit rzeng getroffen. rzeng führt auch einen Blog und über diesen Weg haben wir uns auch kennengelernt. Eine ziemlich lustige Geschichte, übrigens. Ich habe mich also mit ihm getroffen und wie vorauszusehen war, haben wir uns sehr gut unterhalten. Ich habe die Namen seiner Geschwister auswendig gelernt und er fand es nur einbisschen komisch, dass ich 15 Stunden das selbe Lied hören kann.

Nach 4 Stunden Schlaf kämpfe ich mich heute nun durch den Tag und ärgere mich einbisschen, dass ich heute Morgen im Zug mein Buch fertiggelesen habe, denn nun bleibt mir auf der Heimfahrt nur eine schnöde Gratiszeitung, die mich immer so entsetzlich langweilt. Das Buch übrigens ist sehr zu empfehlen: William Boyd „Ruhelos„. Grossartig.

I must be crazy ‚cause I’m feeling kind of good

(She was an alcoholic artist with too much makeup round her eyes…) Ich war ja diese Tage in Hamburg und hab dabei zugeschaut, wie Hase heiratet. Es war schön und romantisch und lustig und ach. Auf der Zugfahrt von Zürich nach Hamburg und von Hamburg nach Zürich (insgesamt dann doch 15 Stunden) hab ich ein einziges Lied gehört. Immer und immer wieder. Ich weiss, klingt ziemlich exzentrisch. (…and I never knew her real name, she was sunbeam wrapped in lies…) Und während ich das Lied gehört habe, hab ich nachgedacht. Viel nachgedacht. Zuerst fürchtete ich dabei verrückt zu werden. Dann aber hab ich gemerkt, dass ich nicht verrückt werde, dass es mir gut tut. (…but I love her and I’m sorry and that’s all there is to say…) Irgendwann – etwa auf Höhe Frankfurt – bin ich dann zum Schluss gekommen, dass ich vielleicht aufhören sollte, mir meine doch etwas seltsame und offene Art übel zu nehmen. Ich hab nämlich ein Advokatenpelztier in meinem Kopf, das grausam konservativ ist. Und dieses konservative Ding hätte gerne Haus, Hund und Hecke. Leider passt das aber nicht zu mir. (…It’s like fairy from the ancient time and I hope it stays that way…) Ich musste also mein Advokatenpelztier enttäuschen. Darauf weinte es bitterlich, heulte rum, zürnte fürchterlich, veranstaltete ein grosses Drama und schlief dann erschöpft ein. (…and when I woke up on your kitchen floor with a headache made in hell…) Ich aber fühlte mich sehr befreit. Es ist schön, zu wissen, dass der sicherste Platz bei einem selbst ist. Und dass man sich nicht zu fürchten braucht. Und dass man doch auch einfach mal zugeben darf: Ich kann das einfach nicht. Nicht jetzt. (…and the flowers that I gave you smiled at me from the window pane. Then I thought I must be crazy ‚cause I’m feeling kind of good…) Es muss einfach ein Lebenskonzept für mich geben, das funktioniert. Nicht wahr? Ich bin zuversichtlich. (…and then when satan helped me up again, it was then I understood…)

An der Hochzeit sass ich zusammen mit Anna – mit der ich mich glücklicherweise sehr gut verstand – am Single-Tisch. So ein Single-Tisch an einer Hochzeit ist ne teuflische Erfindung. Man fühlt sich sowas von saublöd. Und wenn dann auch noch der Single-Schreck am selben Tisch sitzt, kann man nur noch …. du weisst schon… ja genau: Angriff ist die beste Verteidigung. (…Well I was never meant to be a good boy, I was never meant to go to school…) Ich hab mich dann – als ich mich endlich vom Single-Tisch entfernen durfte – sehr gut mit dem fantastischen Teufel unterhalten. Er hat mir ein paar Tipps gegeben – schliesslich ist er ja Experte in alternativen Lebenskonzepten. Gute Tipps übrigens! (…Well it’s guys like me who get somewhere, ‚cause everybody pity a fool. Now it’s payback for the rainy days, now it’s no more me and you…)
Schliesslich landete eine kleine Gruppe von Hochzeitsgästen in den frühen Morgenstunden im „Wohnzimmer“ des Hotels mit einem Kasten Bier, fütterte die Jukebox und liess die Feier sanft ausplämpern. (…Well I got mine, you got yours, babe. Now it’s payback, now it’s me against the world. It was the last time I forgave you.)

PS: Ach ja, das Lied: „Song for Aberdeen“ von Mando Diao

Stunde des Todes

“Wir sagen wohl, die Stunde des Todes sei ungewiss, aber wenn wir es sagen, stellen wir uns diese Stunde in weiter, vager Ferne vor, wir denken nicht daran, dass sie irgendeine Beziehung zu dem bereits begonnen Tage haben und dass der Tod (…) am gleichen Nachmittag noch erfolgen könne, der uns so gar nicht ungewiss schien, für den der Gebrauch der Stunden bereits im voraus festgelegt war. (…) man wünschte, es wäre morgen schön, und man ahnt nicht, dass der Tod, der auf einer anderen Ebene schon selbst durch undurchdringliches Dunkel wandelnd, zu einem gelangt ist und gerade diesen Tag für seinen Auftritt gewählt hat, die nächsten Minuten schon … ” (Marcel Proust, Guermantes)
Wenn es denn in ein paar Stunden für mich zum Ende kommen sollte, könntet ihr euch gewiss sein: Es war ein glückliches Ende. Denn dieser Sommer ist Glück. Sonnenkind, ich. Hehe.

(Sommer-, Sende-, Atem-) Pause.

Heute ist ein müder Tag. Badana sagte, es sei, alls hätten alle Ferien, als seien alle Läden geschlossen. Stimmt schon, die Stadt schläft, als ob sich alle von der Bruthitze erholen, ausgeflogen sind, endlich mal durchschlafen. Nachdem ich heute in der Max-Frisch-Badi war und das Wasser wärmer war als die Luft, mag auch ich nichts weiter. Heute ist ein Tag, wo man sein Bett frisch bezieht, bei geöffnetem Fenster zusieht, wie sich alles einbisschen bewegt und die kühle Luft geniesst.

Ich bin glücklich, denn heute ist ein müder Tag. Es braucht nichts weiter. Sendepause. Tanzen tu ich morgen wieder. Heute schlafen wir aus, heute erholen wir uns, heute laden wir die Batterien auf für alles, was kommt.

Letzte Nacht hat Häschen von einem Stubentiger geträumt, der Ameisen fängt und mir, mir träumte von einer Elster, die mit Menschenstimme Lieder sang. Auch dieses:
O Welt voll Glanz und Sonnenschein,
O rastlos Werden, holdes Sein,
O höchsten Reichtums Fülle!
Und dennoch, ach – vergänglich nur
Und todgeweiht, und die Natur
Ist Schmerz in Schönheitshülle. (Marie Ebner-Eschenbach)

Heute ist ein müder Tag. Heute schreit nichts und gar nichts rüttelt. Heute mag süsser Schlaf mich übermannen.

Angriff ist die beste Verteidigung

Gestern Abend war ich mit Biene in der vom Gewitter gereinigten und gekühlten Stadt unterwegs. In der Mars Bar haben wir es uns dann gemütlich gemacht und über unser Glück geredet. Wir haben nämlich grosses Glück mit unserem Freundeskreis. Unser Freundeskreis besteht aus lauter Singles oder Menschen, die trotz Beziehung doch noch anzutreffen sind. Wir müssen uns also nicht mit dem Problem rumschlagen, dass wir mutterseelenallein an einem Samstagabend zu Hause sitzen weil unsere besten Freunde mal eben einen gemütlichen Päärli-Abend veranstalten. Auch hat in unserem Freundeskreis niemand Kinder, niemand ist verheiratet und niemand macht gerade Karriere. Die Menschen um uns rum haben alle ihre Eigenheiten, manchmal sind sie sogar ziemlich verrückt und genau das ist grosses Glück.
Heute aber wollte ich es wissen: Ich war zu einem Brunch eingeladen bei einem Paar, dass gerade bei mir um die Ecke wohnt. Die Gastgeberin kenne ich über einen Arbeitskollegen und fahre mit ihr gelegentlich Zug. Sprich: Ich kenne sie nicht. Trotzdem hat sich mich zu ihrem Brunch eingeladen, was ich sehr nett und offen von ihr fand. Und weil ich ein mutiger Mensch bin und Offenheit jederzeit gerne honoriere, bin ich heute alleine hingegangen. Kurz vor ihrer Haustür wollte ich eigentlich schon aufgeben, hab mich dann aber überwunden und stand eine Minute später bei ihr im Flur und musste feststellen, dass man für solche Unternehmungen eigentlich a.) mehr Schlaf und b.) bessere Laune braucht. Da ich aber nicht sonderlich viel geschlafen habe und meine Laune noch etwas im Keller war, fühlte ich mich schon in den ersten Sekunden unglaublich unwohl. Das hatte nichts mit den Gastgebern zu tun. Es ist aber so, dass der Gastgeber meistens keine Zeit für seine Gäste hat und so musste ich also auf „alleine-an-einer-Party-Überlebensmodus“ schalten. Ich stellte mich also in die Küche neben die Kaffeemaschine – ein guter Platz wie sicher alle wissen, die auch schon in meiner Situation waren. Nachdem ich drei Kaffees getrunken hatte, um mich auf Touren zu bringen, hab ich auf die Terrasse gewechselt – sozusagen mitten ins Herz der Party. Wenn man alleine wohin geht, wo sich alle kennen oder aber jemanden dabei haben, den sie gut kennen, muss man ein Auge für leichte Opfer haben. Heute gab es drei davon. 1. die schwangere russische Freundin von einem Freund der Gastgeber. Leider konnte sie fast kein Englisch und war auch ziemlich schüchtern. 2. der Single-Bruder der Gastgeberin, der wohl wenig Erfahrung im lockeren Umgang mit Frauen hat. Leider war er sehr gehemmt und wich während unseres kurzen Gesprächs stetig rückwärts gegen die Terrassentüre zurück, bis er in der Küche verschwand. (Ich hab mich schon gefragt, ob ich stinke…) 3. der Clown vom Dienst, der alle kennt und mit allen, die er nicht kennt, redet. Leider ist es schwierig mit dem Clown vom Dienst in ein wirkliches Gespräch zu kommen, weil er ja eben der Clown vom Dienst ist. Auf die Frage, was er denn so tue, antwortet er stets mich Sachen wie: „Atmen!“ (Nuuuuuuuuuuuunja.) Als der Clown vom Dienst mich dann auch noch aufforderte „einen Schwank aus meinem Leben“ zu erzählen, hab ich die Strategie gewechselt. Diese Strategie funktioniert eigentlich immer, sie braucht einfach n bisschen Mut und Forschheit. Es ist die „Angriff-ist-die-beste-Verteidigung“-Strategie. Sie geht so: Man suche sich die Alpha-Person des gleichen Geschlechts und gehe direkt auf sie zu. Ich setzte mich also neben die schillerndste und interessanteste Frau und verwickelte sie in eine Gespräch. Sie reagierte zuerst irritiert und abweisend (gerade bei Frauen ist das immer so – Frauen sind oft sehr zickig gegenüber anderen Frauen). Das Gespräch kam in Gang, ich erzählte ein paar Geschichten (die offensiven, lustigen Geschichten), die sie dazu brachte mir ebenfalls Geschichten zu erzählen, solche, die dann die ganze Aufmerksamkeit der übrigen Partygäste auf sich ziehen. Die schillerndste Frau geniesst das natürlich und man braucht ihr nur noch ein, zwei Vorlagen zu geben, bis man zur „Freundin“ der Schillernden wird. An diesem Punkt ist man dann gerettet. Auf einmal finden einem alle sehr interessant und lustig, man bekommt anständige Antworten auf seine Fragen, man ist nicht mehr allein und der Single-Bruder der Gastgeberin traut sich wieder aus der Küche und verflucht sich, dass er die Gelegenheit nicht ergriffen hat. Nach zwei Stunden hab ich dann aber einen Manson gemacht. Ich dachte mir: „Sooo, Süsse, das war jetzt genug. Du hast dir genug bewiesen.“ Ich ging also nach Hause und dachte an das Gespräch mit Biene zurück und war noch einmal sowas von froh, ihr könnt euch das nicht vorstellen. Und ich freue mich auf heute Abend, wo ich mitten in meinem Freundeskreis das Spiel schauen werde und ich glaube, ich werde all meinen Freunden ein peinliches Liebesgeständnis machen, so froh bin ich um sie. In diesem Sinne: Danke! Ich liebe euch!

Life ist hard – And so am I

Heute am frühen Morgen (so gegen 11 Uhr) im Zug von St. Gallen nach Zürich: Mir gegenüber ein alter Mann, der mir unablässig und ohne jegliche Form von Zögern Geschichten aus seiner Jugend erzählt hat, neben mir eine Frau – gefühlte 500 Kilo schwer -, die unglaublilch abgestanden und ungewaschen gestunken hat, dass mein sowieso schon etwas angeschlagener Magen einen Manson * schnurstracks weg aus meinem Körper zu machen drohte. Ich habe also meine Ohrstöpsel eingestöpselt und in unanständiger Lautstärke Eels „Novocaine For The Soul“ im Repeatmodus gehört.

Gestern Abend waren wir am Kulturfestival St. Gallen und haben uns da Knuts Koffer und Stereo Total reingezogen. Und dann verliert sich die Spur, bis ich mich heute am frühen Morgen (so gegen 11 Uhr) im Zug nach Zürich wiederfand.

Und vielleicht, vielleicht sollte ich mir mal Gedanken über die vergangene Woche machen, die an Intensität wohl in nichts Nahe steht, die meine kleine, runde Welt um ein paar Zentimeter verschoben hat. Und nochwas: Ihr solltet dringend mal Motorboot fahren auf dem Zürichsee. Erstens sieht man die Stadt aus völlig neuer Perspektive und zweitens ist es bei dieser Hitze sehr erfrischend. Also, hopp! Los geht’s!

* „einen Manson machen“ = abhauen, eben mal Zigaretten holen gehen, plötzlich verduften, verschwinden, nie wieder gesehen werden…

Fussball, Sommer & nichts könnte schöner sein

Es ist Sommer. Ich liebe den Sommer. Ich liebe es Abends in den See zu springen und danach auf der Wiese zu liegen. Ich liebe es, in den Park joggen zu gehen und die Lunge nicht wegen der Kälte sondern wegen des Rauchens zu spüren. Ich liebe den Geruch der Linden, der gerade im Moment süss und kitschig in der Luft liegt. Ich liebe den Sommer.

Vielleicht erinnere ich mich irgendwann im Januar an diesen Sommer und werde zu meiner Freundin, die neben mir an der Tramhaltestelle sitzen wird, fest eingewickelt in einen Wintermantel, leise die Kälte verfluchend, sagen: „Weisst du noch, im letzten Sommer? Da war ich glücklich. Und es war keine aufgeregte Form von Glück (so, wie man glücklich ist, wenn man im Lotto gewinnt oder frisch verliebt ist), nein, es war eine ausgeglichene Form von Glück. Anhaltend, ausdauernd und gutmütig. Hach, wie war das schön im Sommer 2010!“ Meine Freundin – sehnsüchtig nach der Tram Ausschau haltend – wird seufzen und zustimmend nicken.

Mein Lieblingsarbeitskollege hat heute verzweifelt gefragt: „Was werden wir nur tun, wenn die Fussball-WM vorbei, die Tage kürzer? Was werden wir nur im Winter tun?“ Ich hab ihn in die Seite gepufft und ihm verboten über den Winter zu reden. Aber er hat schon Recht. Was – zum Henker – tun wir nur im Winter? Mir graut…

Nun. Ich denke, ich geniess jetzt erst mal den Sommer. Schliesslich ist Gelassenheit eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.