Wie wirkt es sich auf uns aus, wenn wir in schöner Umgebung aufwachsen oder leben? Oder aber eben in nicht in so schöner Umgebung, wie zum Beispiel in Oberhausen? Tut das etwas mit unserem Denken, mit unserer Psyche? Und wenn ja, in welche Richtung? Kann es sein, dass wenn unsere Umgebung trist ist und traurig, dass das eben gerade das Gegenteil in uns auslöst, dass da die Phantasie und die Farbe im Kopf wächst?
Also, nicht, dass ich Oberhausen sehr gut kennen würde. Ich bin sicher, es gibt auch in Oberhausen schöne Ecken. Ich spreche von dieser Art von Innenstädten, die nach dem Krieg wieder aufgebaut wurden. Hastig vielleicht, ohne Musse für das Verwunschene – gelangweilt, lieblos und fahrig. Diese Innenstädte haben alle etwas düsteres, depressives. Mit Häuserreihen und Ladenzeilen, die sich trostlos ins Nichts erstrecken.
Wenn man dagegen an Orte denkt, wie zum Beispiel Lucca, die bezaubernd sind, die in jeder Ecke funkeln und strahlen, kann man schon auf den Gedanken kommen, dass sich da das Gemüt von ganz allein etwas beschwingter entfaltet.
Gerade jetzt, wo wir auf die paar Quadratmeter rund um unseren Wohnort zurückgebunden sind, ist es ein sehr grosses Glück, ein paar Meter von seiner Haustüre entfernt eine solche Sicht vorzufinden:
Schönheit ist überall anzutreffen, in kleinen Dingen, wie auch in grossen. Wenn uns aber der Zufall das Geschenk gemacht hat, dass wir die kleinen Dinge vor einer atemberaubender Kulisse entdecken dürfen, ist das wie Weihnachten.




Dieser Ort hier ist irgendwie magisch. Die Aussicht ist grün und regennass und hinreissend. Man blickt hinunter ins Tal, dort wo das Leben stattfindet, wo Autos fahren und Lichter brennen. Hier aber auf dem Berg, in der Kluft ist alles ruhig. Es ist noch dunkel, das Licht jedoch drückt bereits über den Horizont. Es wird kein schöner Tag mit Sonne und Wärme. Es wird ein „Forks“-Tag. Doch gerade diese Wolken, die klare Luft, der Regen und die Nebelschwaden, die sich durch die schwarzen Bäume drücken, machen diesen Tag zum Ausdruck meines inneren Zustands. Wetter ist sowieso eine ganz famose Art der Ausdrucksweise. In manchen Fällen, wenn das Wetter so gar nicht mit dem inneren Zustand übereinstimmt, kann es anstrengend sein. Liebeskummer im Hochsommer zum Beispiel. Ätzend.