Ein Date mit Karel Fonteyne?

Der Kopfschmerz jagt wie wildgewordene, streunende Hunde durch meinen Schädel. Bald ist Abend und ich kann den Schmerz mit Bier oder mit Wein oder mit vielen Zigaretten wegbefördern. Heute Abend habe ich ein Date. Und das schöne an Dates ist, dass man sich endlich mal wieder die Beine rasiert. *hüstel* Nein, das schöne an Dates ist natürlich, dass man aufgeregt ist und nicht weiss, was man mit seinen Händen tun soll. Vielleicht tut das Date auch meine Kopfschmerzen vertreiben – ganz von selbst. (Zumal das Date gefaked ist und darum das mit den Händen auch nicht so ein grosses Problem.) Hab ein Bild gefunden von Karel Fonteyne, das mir gut gefällt. (Die Dame scheint übrigens auch ein Kopf-Problem zu haben…) Hier:

Das Spinnennetz

Das 1. Mai Fest wurde auf den 2. Mai verschoben. Seltsam. Das ist wie wenn man Silvester auf den Dreikönigstag schieben würde – nur weils grad besser in den Terminkalender passt.

Gestern habe ich „Das Spinnennetz“ von Joseph Roth fertig gelesen. Wow. Dass er mein Lieblingsautor ist, kommt nicht von ungefähr. „Das Spinnennetz“ war sein erster Roman und erschien 1923. Er beschreibt darin glasklar und mit einer visionären Kraft die Mechanismen, die zu Rechtsradikalismus führen. Wahnsinn.

Jetzt geniesse ich 4 Tage Wochenende. Sooooo schön! Am Samstag werde ich zusammen mit Vanalia die Solothurner Literaturtage unsicher machen. Ha!

Geniesst die Tage!
Hasenherz

Tango und Feuchtgebiete

Wie die Zeit vergeht! Wahnsinn. Im Büro haben alle mal eben die Büros getauscht und ehrlich gesagt (und man sollte ja ehrlich sein) war das alles ziemlich mühsam und mir geht das Thema echt auf den Keks. Sowieso ist das Arbeiten momentan ziemlich harzig (obwohl ich meinen Job eigentlich liebe).

In der Zwischenzeit habe ich „Weil nichts bleibt, wie es ist“ von Laurence Tardieu gelesen. Das hat mir sehr, sehr gut gefallen. Eine samtweiche, schöne und auch traurige Liebesgeschichte. Wunderschön erzählt, warm und weich zu lesen.
Gleich anschliessend las ich „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche. Oh.Mein.Gott. Bei einer besonders blutigen Stelle – ziemlich gegen Schluss des Buches – wurde mir echt übel. Ich sass nichtsahnend im Zug, noch nix im Magen, noch keinen Kaffee getrunken und las. Die besagte Stelle brachte mich fast dazu in die S-Bahn zu kotzen. Eigentlich finde ich das Buch aber gar nicht schlecht. Es ist keine hochliterarische Lektüre, nein. Aber irgendwie gefällt es mir. Mir gefällt der Umgang der Hauptfigur mit ihrem Körper und diese Faust-Schlag-Leichtigkeit.

Gestern hab ich Tango tanzen gelernt und Eric unser Tanzlehrer ist echt streng. Fast schon militärisch streng. Aber gut. (Mir tut alles weh.)

Herze euch
Hasenherz

Kupus

„Und wenn ein Mensch stirbt, dann stirbt mit ihm sein erster Schnee und sein erster Kuss und sein erster Kampf. All das nimmt er mit sich.“ (Jewgeni Alexandrowitsch Jewtuschenko)

Wenn Schnee fällt, dann ist das jedes mal wie neu geboren werden. Diese Stimmung! Dieses Licht! Die Ruhe, die vom zugedeckten Asphalt ausgeht!
Wenn Schnee fällt, dann sollte man zu Hause bleiben, die Füsse hochlegen, eine Katze streicheln, ein Feuer machen, ein gutes Buch lesen und im Geiste Kupus machen aus seinen Lieblingsfeinden. (Das Wort „Kupus“ hat mir übrigens Vanalia beigebracht. Es heisst Kohl auf serbisch.)

Heute Abend gehe ich mit meinen Geschäftskollegen bowlen. Ich hab noch nie in meinem Leben gebowlt. (Also, noch nie „in echt“. Mit Nintendo Wii hab ich natürlich gebowlt und bin darin Meister. Leider ist das nicht das selbe…) Freu mich drauf. Wird bestimmt opti (wie Herr Fischer 2 sagen würde).

Grüsse euch herzlich – geniesst den Schnee!
Hasenherz

Die schönste Liebesgeschichte überhaupt

Projekt. Stress. Lange Abende. Viele Nerven, die verloren gehen.
Gestern war Gustavo bei mir – den hab ich schon ewig nicht mehr gesehen – und wir haben über die Liebe und über das Unvermögen in der Liebe (manchmal) gesprochen und darüber, wie Liebe alltagstauglich gemacht werden kann, ob das überhaupt geht. Gustavo ist Bildhauer von Beruf und er besitzt sehr viel Kraft und Talent und Wille. Seine Sachen, die er macht (aus Stein und auf Papier), sind wunderschön und ich gehöre zu den Glücklichen, die ein Werk von ihm besitzt.

Heute Abend ist der Schöne in der Stadt und darauf freue ich mich. Ausserdem sagt Herr Fischer, dass die Sonne durch die Wolken dringt. Das ist doch mal ein Anfang!

Herzlich,
Hasenherz

PS: Ich lese „Bis(s) zum Abendrot“ – der dritte Teil der schönsten Liebesgeschichte überhaupt. Heute bin ich mit dem Bus fast ne Station zu weit gefahren, weil ich so vertieft war. Einfach nur schön!

Blut ist im Schuh

Rucke di guh, rucke di guh, Blut ist im Schuh. Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.
Seltsamerweise hab ich den Aschenputtel-Satz im Kopf und er will und will nicht verschwinden. Er dreht und dreht und hört sich irgendwie verheissungsvoll und kalt an. Im Geschäft läuft es wieder mal drunter und drüber und mir ist nach verreisen. Nach abhauen. Nach verschwinden. Nach in Luft auflösen. Und so recht komm ich nicht klar. Mit all den Sachen.

Heute Abend gehen Vanalia und ich Jess Jochimsen und Sascha Bendiks im Miller’s Studio anschauen. Darauf freu ich mich und Vanalia sagt: „Ich schicke dir einen virtuellen Strauss magischer Koboldveilchen und mein rabenschwarzes Herz.“ Wie schön! Wie schön!

Herzlich,
Hasenherz

alternde Freunde, bellende Hunde

Heute kommt „Der Freund“ in die Kinos. „Der Freund“ ist ein Schweizer Film, der teilweise in unserer zweiten Heimat spielt und der darum unbedingt geguckt werden muss. Heute ist ein Interview mit dem Hauptdarsteller (Philippe Graber) in der Zeitung. Er sagt: „Selbstverwirklichung ist schon eher mein Ziel. Zu mir selbst kommen und mit meinen besten Freunden alt zu werden.“ Und ich sage: Klasse Idee! Auch ich will mit meinen besten Freunden alt werden! Damit beginne ich doch gleich heute und ruf jetzt als erstes Vanalia an. So.

Ansonsten ist es ruhig bei mir. (Bin ja auch seit drei Tagen alleine.) Tucholsky sagt: „Mensch: ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.“
Auf bald,
Hasenherz

Silvester in Nürnberg

Noch hab ich zehn Minuten Mittagspause und verbringe die damit euch allen ein schönes Neues Jahr zu wünschen: Ein schönes 2008! Auf dass es grundgut wird und handzahm.

Unser Urlaub in Nürnberg war wirklich toll. Wir haben Knödel gegessen, waren bei Beate Uhse, haben uns Dinge angeschaut, waren nicht auf der Burg, haben getanzt und getrunken und einen blöden Kanadier mit vielen, vielen Zigaretten in die Flucht geschlagen. Silvester dann hat wirklich gut getan, nicht zuletzt wegen dem Schönen, der mit uns (zusammen mit seinem Freund Nils) den Jahreswechsel gefeiert hat. Sepp hat jetzt endlich ein eigenes Seelentierchen: ElfElf. ElfElf wiederum hat bravourös ihre Diplomarbeit geschrieben. Biene hat unheimlich süss in roten Socken ausgesehen und Vanalia hat sich Nürnberg von einer völlig anderen Seite reingezogen (zusammen mit Sepp). So schliesst sich der Kreis. Tschickens, ich danke euch. Dieser Urlaub war unheimlich wertvoll.

Jetzt hat für mich das harte Arbeitsleben wieder begonnen. Aber der Januar birgt auch viele schöne Sachen. Fantasmus kommt mich besuchen. Izzie hat Geburtstag. Und Vanalia und ich haben schon tausend Pläne.

Herzlich,
Hasenherz

PS: Happy Birthday, Dramaqueen!

Willkommen im echten Leben!

Mein Unwohlsein breitet sich über die Landschaft aus wie ein Fluss, der über die Ufer tritt. Das ist also der Zeitpunkt, wo ich Frieda gebeten habe ihre Axt hervorzuholen und die Stränge, die Starken, abzuhacken. Ihr fragt euch sicher, wie sich sowas anfühlt und ich kann nur sagen, dass es sich seltsam und auch befreiend anfühlt. Und obwohl es schmerzt, es schmerzt immer, merke ich, dass mein Kopf schon längst die grosse Reise angetreten hat. Mein Herz ist noch etwas zu Hause geblieben. Hat jetzt aber auch den Koffer gepackt und ist in den Zug gestiegen. Die Zahnbürste zu Hause lassend. Komisch, wenn man die Kraft fühlt, die Abschied auslöst. Man denkt zuerst, Abschied würde lähmen und Kraft kosten. Das tut es auch. Wenn man es aber hinter sich hat, fühlt man die Unbändigkeit und die trotzige Freiheit.

Wünscht mir Glück.
Herzlich,
Hasenherz

Das Traummantelboot und die Fliederkaukröte

Hab gestern ein paar Worte auf der Strasse gefunden und sie aufgehoben. Hab sie zu verschenken versucht. Blieb beim Versuch. Und darum, liebe Leser, schenke ich die Worte nun euch:

  • Herbstlaubsalat
  • Traummantelboot
  • Honiglaunegefühl
  • Wasserpurpurhexe
  • Wechselseelensinn
  • Betonwattenlaut
  • Fliederkaukröte

Jetzt können wir mal versuchen Sätze zu bilden – vielleicht gelingt das ja:

Als die Wasserpurpurhexe eines kalten Morgens im November erwachte, hörte sie leise aber sehr deutlich diesen Betonwattenlaut, den sie damals, als das alles geschah, das letzte Mal gehört hatte. Sie erstarrte. Das Honiglaunegefühl, das sie am Tag zuvor so schön getragen hatte, war wie weggeblasen. Sie blieb im Bett sitzen und merkte, wie sie zitterte. Regungslos blieb sie, bis sie sich nicht mehr sicher war, ob sie den Betonwattenlaut wirklich gehört hatte. Vielleicht hatte sie nur geträumt? Sie nahm sich vor so zu tun als wäre nichts. Sie verliess das Bett und nahm sich wie jeden Morgen etwas Herbstlaubsalat aus dem Kühlschrank, goss sich ein Glas Milch ein und setzte sich ans Fenster. Draussen auf dem Fluss war alles ruhig. Er floss träge und gleichgültig an ihrem kleinen Haus vorbei. Sie rieb sich die Augen und schüttelte sich die Angst aus den Gliedern. Alles war gut. Dann blickte sie auf und sah auf dem Fluss das Traummantelboot, das gerade eben vorbeiglitt. Sie starrte und erkannte ganz deutlich die Gestalten – genau wie damals. Es war alles genau wie damals. Ihr blieb ein Stück Herbstlaubsalat im Halse stecken. Das Traummantelboot verschwand hinter der Flussbiege. Alles, was zu hören war, war das Herz der Wasserpurpurhexe, das zum Zerspringen schlug. Was hatte damals die Fliederkaukröte geschrien, als sie geflohen war? Genau. Sie hatte geschrien: „Dem Wechselseelensinn wirst du nie entfliehen!“

Oke. Ich glaub, ich lass das mal. Aber immerhin: Ich hab Worte! Ich lache gerade sehr und grüsse euch herzlichst,
Hasenherz