what the hell, what the fuck

In den ersten Sekunden des Grossglücksjahrs 2011 (mit Ente)

In den ersten Sekunden des Grossglücksjahrs 2011 (mit Ente)

Mein Motto für diesen Silvester war ja: „Ach, scheiss drauf.“ Dieses Motto haben meine grossartigen Freunde kurzerhand übernommen und in „what the hell, what the fuck“ transformiert. Es war eine Silvesterparty wie sie sein muss. Mit blöden Spielen, grosser Langeweile, noch grösseren Dramen und schlussendlich, als sich die Langeweile wie Hochnebel über die Stadt zu legen drohte, brach das Abenteuer durch die zähe Decke und machte die Nacht zu etwas Besonderem. Und dann stand ich morgens um halb sieben am Bahnhof Hardbrücke mit ganz, ganz vielen sehr betrunkenen Jugendlichen und befand, dass ich jetzt bereit sei für das grosse Glück.

Nach kümmerlichen 5 Stunden Schlaf wartete Izzie mit dem Frühstück auf mich und nachdem mir am Nachmittag ein Engel im Trenchcoat begegnet war, trafen wir sechs Freundinnen uns in einer Pizzeria und versöhnten uns mit dem Einschnitt der Nacht. Ich liebe meine Freundinnen. Sie haben die fantastische Eigenschaft, über sich selbst lachen zu können. Peter war anschmiegsam und verbat es sich über die Wahl des Films zu diskutieren, Äph erfand den neuen geflügelten Ausdruck „einen Äph machen“ und meinte damit gaaaaaaanz viel Drama machen, Biene grinste in sich hinein und erwies sich als harter Hund – sie trank Bier, Badana fluchte ein Bisschen und war versöhnlich, Jackie O. flackerte und malte mir ein Bild von Romantik im Schnee.

Wir waren dann noch im Kino und haben „The Tourist“ geschaut. (Das aber auch nur, weil Machete ausverkauft war.)  Also, ich muss schon sagen, Angelina ist ja echt nicht gerade atemberaubend und Johnny Depp ein Waschlappen. Auf dem Heimweg hab ich „Don’t let go the coat“ von „The Who“ gehört und war einwenig müde, einwenig glücklich und alles in allem sehr, sehr gespannt. 2011, ich stehe gern zu Diensten.

Mistral

In Südfrankreich wird erzählt, dass Menschen, die einen Mord begehen während der Mistral weht, Strafmilderung erhalten, weil der Mistral – dieser warme und fiese Wind – verrückt macht. Gestern war ich an einem Kundenanlass im Rheintal und der Föhn – dieser warme und tückische Wind – hat geweht und wir sassen draussen auf einer Bank im Garten dieser Villa und die Stimmung war beängstigend und wunderschön. Es war sowieso ein sehr samtiger und überraschender Abend. Und zum Schluss sassen wir in einer Bar – Hagi, Zweigelt und ich – und wir tranken Irgendwas mit Cola. Es gibt sie, diese Abende, wo die Menschen, die aufeinander treffen, offen sind und wohlwollend und die Stimmung von Vertrauen geprägt. (Wer weiss, ob es am Föhn lag, diesem warmen und tückischen Wind.) Solche Abende sind die Essenz, solche Abende haben Kraft und lassen an Schönheit glauben. Kleine Wundertage – Spacedays. Als der Föhn bliess und die Herbstblätter durcheinanderwirbelten, kam mir das Gedicht in den Sinn, dass ich vor einiger Zeit geschrieben habe:

Eselzungenzart erscheinst du mir in Träumen,
hast alles gefressen und ich
wisch weg den Wind in den Bäumen,
der säuselt und streicht und spricht,
hast alles und alles gefressen,
mich gefressen hast du nicht.

Und heute Abend also ein Abend mit Chérie – endlich mal wieder, nach langer Zeit. Ich freue mich darauf.
Auf die Frage, wie es mir geht, würde ich heute so antworten, wie ich im Geschäft immer antworte: Es geht mir gut, ja, es geht mir gut. Ich bin glücklich, kann wirklich nicht klagen, nein, kann ich nicht.

PS: Erst wenn der erste Schnee fällt, montiert man Winterreifen.

Unterwegs

Unterwegs, der Aare entlang

Unterwegs, der Aare entlang

Und einmal mehr bin ich unterwegs. Sitze zwischen fliehenden Landschaften und bin allein mit mir und meinem Kopf.

Heute geht’s in meine Kindheitsheimat: Ins Wallis. Ich liebe das Wallis. Oft sehr sonnig, schöner als Tessin oder Graubünden – das vergessene Tal der Schweiz.

Ich mag es alleine unterwegs zu sein, versuche die Menschen so weit wie möglich von mir fern zu halten. Was oft ein sinnloses Unterfangen ist. Sie reden, blicken, nehmen unanständig viel Raum ein. Und wenn ich mich ihnen mit Buch und Kopfhörer entziehe, ist da noch immer der Geruch. Wonach Menschen riechen, unglaublich! So aufdringlich auch. Zwiebeln, Alkohol von gestern Nacht, nach ungewaschener Bettwäsche, nach Feuchtigkeit, Schweiß und Überdruss.

Heute mag ich Menschen nicht, sie kommen mir zu nah, sind sich ihrer selbst zu hörig. Vielleicht blöd, dass ich an ein Openair fahre…

(Sommer-, Sende-, Atem-) Pause.

Heute ist ein müder Tag. Badana sagte, es sei, alls hätten alle Ferien, als seien alle Läden geschlossen. Stimmt schon, die Stadt schläft, als ob sich alle von der Bruthitze erholen, ausgeflogen sind, endlich mal durchschlafen. Nachdem ich heute in der Max-Frisch-Badi war und das Wasser wärmer war als die Luft, mag auch ich nichts weiter. Heute ist ein Tag, wo man sein Bett frisch bezieht, bei geöffnetem Fenster zusieht, wie sich alles einbisschen bewegt und die kühle Luft geniesst.

Ich bin glücklich, denn heute ist ein müder Tag. Es braucht nichts weiter. Sendepause. Tanzen tu ich morgen wieder. Heute schlafen wir aus, heute erholen wir uns, heute laden wir die Batterien auf für alles, was kommt.

Letzte Nacht hat Häschen von einem Stubentiger geträumt, der Ameisen fängt und mir, mir träumte von einer Elster, die mit Menschenstimme Lieder sang. Auch dieses:
O Welt voll Glanz und Sonnenschein,
O rastlos Werden, holdes Sein,
O höchsten Reichtums Fülle!
Und dennoch, ach – vergänglich nur
Und todgeweiht, und die Natur
Ist Schmerz in Schönheitshülle. (Marie Ebner-Eschenbach)

Heute ist ein müder Tag. Heute schreit nichts und gar nichts rüttelt. Heute mag süsser Schlaf mich übermannen.

Life ist hard – And so am I

Heute am frühen Morgen (so gegen 11 Uhr) im Zug von St. Gallen nach Zürich: Mir gegenüber ein alter Mann, der mir unablässig und ohne jegliche Form von Zögern Geschichten aus seiner Jugend erzählt hat, neben mir eine Frau – gefühlte 500 Kilo schwer -, die unglaublilch abgestanden und ungewaschen gestunken hat, dass mein sowieso schon etwas angeschlagener Magen einen Manson * schnurstracks weg aus meinem Körper zu machen drohte. Ich habe also meine Ohrstöpsel eingestöpselt und in unanständiger Lautstärke Eels „Novocaine For The Soul“ im Repeatmodus gehört.

Gestern Abend waren wir am Kulturfestival St. Gallen und haben uns da Knuts Koffer und Stereo Total reingezogen. Und dann verliert sich die Spur, bis ich mich heute am frühen Morgen (so gegen 11 Uhr) im Zug nach Zürich wiederfand.

Und vielleicht, vielleicht sollte ich mir mal Gedanken über die vergangene Woche machen, die an Intensität wohl in nichts Nahe steht, die meine kleine, runde Welt um ein paar Zentimeter verschoben hat. Und nochwas: Ihr solltet dringend mal Motorboot fahren auf dem Zürichsee. Erstens sieht man die Stadt aus völlig neuer Perspektive und zweitens ist es bei dieser Hitze sehr erfrischend. Also, hopp! Los geht’s!

* „einen Manson machen“ = abhauen, eben mal Zigaretten holen gehen, plötzlich verduften, verschwinden, nie wieder gesehen werden…

Leidenschaftlich neugierig

Meine nächste grosse Liebe, vielleicht?

Meine nächste grosse Liebe, vielleicht?

Ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Sogar ausgesprochen neugierig. Wenn also jemand den Fehler macht und zu mir Dinge sagt wie: „Nein, ich sags nicht!“, kann es durchaus vorkommen, dass ich monatelang immer wieder frage: „Was hast Du damals, Du weisst schon, dort im Park, an diesem Sommerabend, wo wir danach noch dahin oder dorthin gegangen sind, nicht sagen wollen? Biiiiiitte! Sags mir!“ Meistens geben die Menschen dann irgendwann nach und meistens ist es nichts spannendes. Und mein monatelanges Nachfragen wirkt dann einigermassen lächerlich. Nun. Ich bin eben leidenschaftlich neugierig.

So geht es mir auch mit meinem Leben, gerade im Moment. Ich bin furchtbar, mörderisch neugierig, was meine Zukunft bringen wird. Ich kann es kaum erwarten, zu erfahren, was alles noch passiert. Und da ich zu allem Elend auch noch zu den Menschen gehöre, die einen ausgeprägten Abenteuergeist besitzen, dazu auch noch recht mutig sind und schnell gelangweilt, passiert mir auch fast täglich was Lustiges, Seltsames oder zumindest doch Unterhaltendes. Gestern zum Beispiel auf dem Lindenhof, als die Hitze auch nachts um 3 noch die Arme hochkroch, direkt ins Hirn, wo Denken keine Möglichkeit mehr war, hab ich eine Wette mit Hubi abgeschlossen, die ich dann auch wirklich in die Tat umgesetzt hab (nun, zumindest teilweise). *ächz*

Worauf ich aber am gespanntesten bin, ist die Antwort auf die Frage: In wen werde ich mich als nächstes verlieben? Es ist ja so, dass ich mich sehr schnell verlieben und aber auch sehr schnell wieder entlieben kann. Jetzt, da ich gerade so überhaupt nicht verliebt bin, bin ich schon sehr neugierig, wer mich denn um den Finger wickeln kann.

Wir sind gespannt. Das Leben bleibt spannend.

Drahtkatze

Ich liebe mein Fahrrad. Es macht mich ein klitzekleines Bisschen frei. Wenn ich also so durch die Stadt radle und die Luft auch noch nachts warm ist und die ganze Stadt plötzlich kleiner und alles näher ist, fühl ich mich befreiter, das Atmen fällt leichter. Mein Fahrrad ist blau und ich hab mit Klebebuchstaben „Drahtkatze“ draufgeschreibst. Drahtkatze und ich sind ein gutes Team. Wir mögen uns. Denn obwohl Drahtkatze ein stinknormales Velo ist, macht es so einiges mit. Kein Randstein zu hoch, kein Kopfsteinpflasterweglein zu steil, keine Baustelle zu eng.

Gestern auf dem Kies wurden Badana und ich als „Arterfritzen“ bezeichnet. Mit „Arterfritzen“ war gemeint, dass wir uns für Kunst und Literatur interessieren und auch ab und zu mal im Gespräch eine Verbindung zu einem Buch herstellen oder uns in langweiligen Stunden gegenseitig Gedichte beibringen. Mich hat diese Kategorisierung erstaunt, weil es in meiner Welt sehr normal ist, dass man seine „gelesene Erfahrung“ in ein Gespräch einbringt oder aber, dass man Sprache und Rhythmus liebt und gern mal den Inhalt der Form wegen verlässt.

Willst du immer weiterschweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
denn das Glück ist immer da.
(Goethe)

Drama, Baby, Drama!

Was für ein schöner Samstag! Soeben bin ich aufgestanden und bin mit Sonnenbrille und Kaffee auf dem Balkon gesessen und hab das TagiMagi gelesen. Die Kolumne von Michèle Roten hat mir gefallen. Darin schreibt sie, dass wir – von Liebesfilmen inspiriert – immer von der Realität enttäuscht sein werden, weil die Realität eben nie ein Liebesfilm ist, etc, etc. Ich habe mir nach der Lektüre überlegt, wie denn das bei mir so ist und musste feststellen, dass ich einen Hang zur dramatischen Inszeniereung der Realität habe. Meine Liebesgeschichten waren nie einfach. Sie waren sogar immer grossartig kompliziert, sie hatten fast schon Romeo-und-Julia-Charakter. Meine erste grosse Liebe, die notabene 6 Jahre dauerte, wurde heimlich gelebt, denn seine Familie (und hier sind wir wirklich bei „Romeo und Julia“ angelangt) war gegen diese Bindung. Dann haben wir noch der beste Freund meines Exfreundes, einen verheirateten Mann, 12 Jahre Altersunterschied (wobei in die unübliche Richtung: ich älter als er), grosse geografische Distanz, psychische Krankheiten und ähnliche „Rucksäckli“, mein Chef, er will gerade in den Krieg ziehen (ok, ich übertreibe: er will zum Roten Kreuz) und so weiter und so fort. Ich merke, ich könnte diese Liste noch ewig fortsetzen. Immerhin kann ich aus einem reichen Fundus an Erfahrung schöpfen, sollte ich mal eine Liebesgeschichte schreiben wollen, eine mit Trief-Charakter.

Der Grund, warum ich diesen Hang zur Dramatisierung der Realität habe, scheint auf der Hand zu liegen: Alles andere ist einfach langweilig. Und das Leben ist kurz – wo kämen wir hin, wenn wir nicht einbisschen Drama leben würden? (Gerade in der Liebe.) Eben.

So ganz befreit

Ich hatte gestern einen wunderschönen Abend. Zusammen mit Badana war ich am Goran Bregovic Konzert im Volkshaus. Ein heiteres und schönes Konzert war das. Und dann haben wir 6 Stunden lang an der AfterParty im Walcheturm die Schuhe druchgetanzt. Ich mag diese Musik. Weil es sich dazu wunderschön verspielt tanzen lässt. Glücklich war ich. Und – ganz im Vertrauen – das erste mal seit etwa eineinhalb Jahren befreit. So richtig befreit. Da gibt es nichts, was schwer ist. Keine Altlasten, keine in Böxli eingeschlossenen Gefühle, die hochzukommen drohen. Da ist nur Freiheit und Treue und die Reinheit des Herzens. Goethe dazu:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in raue Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flor;
Aber die Sonne duldet kein Weisses. (…)

Und heute werde ich mit meiner Drahtkatze durch die Stadt fahren und später dann auf einer Schaukel auf dem Lindenhof sitzen und jemandes Geschichten lauschen. Bei R. Freudenberger, der neben der pinken Leuchtreklame an der Langstrasse wohnt, werden wir zu Abend speisen und vielleicht, vielleicht die Nacht als Reise verstehen, als Mittelpunkt, als Heimat.

Langeweile vertreiben! Husch! Husch!

Die wieder fallenden Temperaturen sollen uns nicht von der Tatsache ablenken, dass Frühling ist. Wir sitzen also an einem Samstag Vormittag auf unserem Balkon oder auf der Treppe vor unserem Haus, trinken Kaffee aus einer grossen gelben Tasse, sind noch etwas müde vom Freitag Abend, der irgendwie verrückt war und langweilen uns einbisschen. Zeit also für ungewöhnliche Unternehmungen, die die Langeweile vertreiben! Wir könnten also folgendes tun:

  • All seine Kleidungsstücke nach Farben sortieren.
  • Am Hauptbahnhof mit dunkler Sonnenbrille und schwarzem Anzug durch eine mit Löchern versehene Zeitung Menschen beobachten.
  • Sich auf die Zunge eine Bildergeschichte tätowieren lassen.
  • Wasserballone auf Passanten werfen und dabei irre lachen.
  • Bei den Nachbarn klingeln und nach Mohnsamen fragen.
  • Zur Tramhaltestelle spazieren und dort den Ticketautomaten aufwändig mit Luftschlangen dekorieren.
  • Verschieden Freunde, die sich untereinander nicht kennen, jetzt sofort alle gemeinsam für heute Abend zum Abendessen einladen.
  • Das Fahrrad aus dem Keller holen, gründlich reinigen und mit Klebebuchstaben Sachen wie „Drahtkatze“, „Friedrich Heinrich Constantin der Vierte“ oder „Fahrdichum“ auf das den Rahmen schreiben.
  • Sich in der Sammlung des Kunsthauses Zürich neben die Pferdeskulptur legen und Schlafgeräusche machen.
  • In ein Brautkleidgeschäft gehen und dort mindestens 3 Brautkleider anprobieren. (Wenn du ein Mann bist, ist das bestimmt noch lustiger.)
  • Auf Ron Orp Zürich folgendes Inserat schreiben: „Hi! Ich wollte schon immer mal Zürich sehen. Zürich im Frühling soll sehr schön sein. Wer begleitet mich über Ostern in die Stadt an der Limmat?“
  • Blumen in Weingläser pflanzen.
  • Ein paar Facebookfreunde, die sich untereinander nicht kennen aber gut zueinander passen könnten, miteinander über die Funktion „Freunde vorschlagen“ bekannt machen.
  • An der Bahnhofstrasse sehr engagiert für „die vom Aussterben bedrohten Felsenkauzkräuterbärtlinge“ Geld sammeln.
  • Das Fenster zur Strasse hin mit einer Szene aus der Weihnachtsgeschichte bemalen.
  • Ein fiktives Tagebuch schreiben.