Rosa Flamingos

Izzie und ich haben uns heute ins Weihnachtsgetümmel gestürzt und uns zum Ziel gesetzt eine möglichst hässliche Weihnachtsdeko für unsere Eingangstüre zu finden. Nach langem Suchen – es gab unglaublich viele hässliche Dinge – wurden wir fündig. Unsere Eingangstüre wird nun geziert von zwei rosa Flamingos mit Hut. Dieser Deko-Wahn ist wirklich krass. Fast schon gruselig. Schön aber war, dass ich die ganze Woche nicht so viel gelacht habe, wie heute inmitten von FluffelWuschelKugelGlitzer.

Flamingos

Heute Abend gehen Vanalia und ich Endo Anaconda schauen und Knuts Koffer. Irgendwo in Hintertupfingen. Ob wir je wieder nach Hause finden werden? Wir werden sehen…

Geniesst Tee und Kuchen!
Hasenherz

Azurblaue Unterwassermusik

Das war ein schönes Wochenende. Habe mich vom Erdboden verschlucken lassen und bin in die azurblauen, mit Tiefe getränkten Räume abgetaucht. Es war als ob ich eine ganz bestimmt Musik hören würde. Eine Unterwassermusik. Eine „es-ist-Nacht-und-es-liegt-ein-Meter-Schnee-Musik“. Die Bewegungen werden verlangsamt. Es ist warm. Alles ist ruhig. Gleichmässig. Der Körper fühlt sich schwerelos an, die Haut ist warm und weich. Zeitlupe, neblig, beruhigend, verwirrend. Und über die Welt hat sich ein ganz bestimmter Duft gelegt, kaum wahrnehmbar. Dreht man aber den Kopf, riecht man es, für eine Sekunde, ganz deutlich. Ich höre sie gern, die Unterwassermusik.

Herzlich,
Hasenherz

Willkommen im echten Leben!

Mein Unwohlsein breitet sich über die Landschaft aus wie ein Fluss, der über die Ufer tritt. Das ist also der Zeitpunkt, wo ich Frieda gebeten habe ihre Axt hervorzuholen und die Stränge, die Starken, abzuhacken. Ihr fragt euch sicher, wie sich sowas anfühlt und ich kann nur sagen, dass es sich seltsam und auch befreiend anfühlt. Und obwohl es schmerzt, es schmerzt immer, merke ich, dass mein Kopf schon längst die grosse Reise angetreten hat. Mein Herz ist noch etwas zu Hause geblieben. Hat jetzt aber auch den Koffer gepackt und ist in den Zug gestiegen. Die Zahnbürste zu Hause lassend. Komisch, wenn man die Kraft fühlt, die Abschied auslöst. Man denkt zuerst, Abschied würde lähmen und Kraft kosten. Das tut es auch. Wenn man es aber hinter sich hat, fühlt man die Unbändigkeit und die trotzige Freiheit.

Wünscht mir Glück.
Herzlich,
Hasenherz

Wer will kein Papierschiff haben?

Gestern hab ich gearbeitet und heute endlich meinen wohlverdienten Tag Wochenende. Gestern gegen Abend hat es mir dann auch die Sicherungen durchgebrannt, meine Kopfschmerzen haben Besitz von mir ergriffen und mein Körper hat mich plötzlicher Schlafattacke reagiert. So fand ich mich also mitten in der Nacht halb auf dem Bett, halb auf dem Boden liegend wieder. Nachdem ich mich mit grösster Kraftanstrengung ganz ins Bett gekämpft hatte, schlief ich den Schlaf der Gerechten. Heute morgen um neun dann weckte mich Timo mit einem Geräusch, das an wettkampfmässiges Geschenke auspacken erinnerte. Raschel, raschel, raschel. Ich versuchte es zu ignorieren, ging aber nicht. Nach einer Stunde Geraschel, entschied ich mich aufzustehen. Da Timo fluchtartig die Wohnung verlassen hatte, konnte ich der Herkunft des Geräuschs nicht auf den Grund gehen. So werde ich wohl noch lange Zeit in Ungewissheit leben müssen.

Seit Izzie bei uns wohnt, herrscht Zucht und Ordnung. Es ist richtig angenehm. Es ist aufgeräumt, alles blitzt und blinkt vor Sauberkeit und niemand lässt mehr – als wär’s schon immer so gewesen – was liegen. Einzig Timos Psycho-Katzen wollen sich nicht so schnell an die neuen Regeln gewöhnen und lassen nach wie vor ihre Haare unmotiviert in der Wohnung rumliegen. Ich bin aber überzeugt, dass sie sich auch noch daran gewöhnen werden.

Timos morgendliches Geraschel hat mich daran erinnert, dass ja bald Weihnachten ist (jetzt wo ich es endlich mal kurz vergessen habe!) und dass Weihnachten auch immer bedeutet, dass man für seine Liebsten Geschenke kaufen muss. Im Buchhandel ist das seit August das grosse Thema und Lea (meine geniale Mitarbeiterin) und ich haben uns Mühe gegeben eine tolle Auswahl zu treffen. Leider ist es so, dass wenn man für andere tausend Ideen hat, einem die Ideen für sich selber ausgehen. Darum habe ich entschieden, dass all meine „Lieben“ (die armen!) dasselbe Geschenk erhalten. Und zwar ein Papierschiff an hauchdünnem Draht, dass sie dann irgendwo in der Wohnung aufhängen, aufstellen müssen, um mich nicht zu verletzten, wenn ich auf Besuch komme. Ha! Und nächstes Jahr muss ich mir neue „Liebe“ suchen. Das Papierschiff werde ich übrigens noch mit lustigen Zeichnungen versehen, damit auch keiner sagen kann, es handle sich um Kunst. Wer kein solches „Kunstwerk“ haben möchte, der kann sich jetzt bei mir melden. Wer nix sagt, ist selber schuld. (Ich habe euch gewarnt.)

Papierschiff

Nun wünsch ich euch einen schönen Sonntag!
Hasenherz

Ein Leben wie Schlangenzungen

Gestern hatten wir Geschäfts-Weihnachtsessen. Das war lustig. Leider haben die Mädels und Jungs hier weniger Sitzfleisch als die in meiner früheren Buchhandlung. Um Mitternacht waren wir zu Hause und das stocknüchtern. Das ist gut, denn jetzt bin ich nur einbisschen müde. Und das auch nur, weil Thesi (bei ihr durfte ich übernachten) und ich noch lange geschwatzt haben. Thesi hat einen Kater der „Mehl“ heisst. Der war äusserst anhänglich und es tut gut mal eine anhängliche Katze zu erleben, denn Timos Psycho-Katzen sind sehr psycho und gar nicht anhänglich.

Am Weihnachtsessen wurde mir aus der Hand gelesen. Es hiess ich hätte Glückssterne in der Hand und eine Lebenslinie wie eine Schlangenzunge. (Ich verbitte mir jegliche Deutungsversuche!)

Lese gerade „Memoiren eines alten Arschlochs“ von Roland Topor. Sehr lustig und sehr beweglich.

Auf dass der Tag sich schnell dem Abend zuneigt!
Hasenherz

Mein Bett ist eine Insel

Izzie ist heute eingezogen. Wir haben den ganzen Tag mit Izzies fabelhaften Freunden Möbel geschleppt. Jetzt tut mir alles weh und ich bin froh. Etwas seltsam ist es schon. Wir haben seit vierzehn Jahren nicht mehr zusammen gewohnt. Spannend! Sogar Timos Psycho-Katzen scheinen sich gut mit Izzie zu verstehen.

Izzie ist jetzt ausgegangen und ich habe den schönen Gefühlsmensch verschmäht und schaue schlechte Filme im Fernsehen. Manchmal braucht man das. Manchmal braucht man Rückzug und man muss verschmähen. Manchmal ist das eigene Bett wie eine Insel und am Horizont weites Nichts.

Herzlich,
Hasenherz

Heimlich wie die Kraft der Sterne

Bald zieht Izzie bei mir ein und ich freue mich sehr. Wie es wohl werden wir? Ich freue mich auf unser gemeinsames Zuhause. Ich freue mich auf den Kaffee mit ihr am Küchentisch und auf die gemeinsame Zigarette. Ich freue mich.

Bald geh ich zu Vanalia und dort werde ich bekocht. Ist das nicht schön? Dann werden wir unsere zweite Heimat betreten, die Türsteher angrinsen und die Nacht unter Augen verbringen.

Geothe sagt (in seinem Gedicht „Glück der Entfernung“):

Ew’ge Kräfte, Zeit und Ferne,

Heimlich wie die Kraft der Sterne,

Wiegen dieses Blut zur Ruh‘.

Mein Gefühl wird stets erweichter;

Doch mein Herz wird täglich leichter

Und mein Glück nimmt immer zu.

Geniesst das Wochenende und habt Spass!
Hasenherz

Tretet ein mit mir in den weissen Tag

„Venid conmigo al día blanco que se muere dando gritos de novia asesinada.“ (Pablo Neruda)
(Tretet ein mit mir in den weissen Tag, der da stirbt unter Schreien wie eine ermordete Braut.)

Gesicht

Neruda bringts immer mal wieder auf den Punkt. Schön, seine Gedichte, wirklich schön.

Wie ich prophezeit habe, hat mir Tom gestern den Spiegel vorgehalten und hat mein zweistündiges Jammern folgendermassen kommentiert:
„Du hast drei Möglichkeiten. 1. Du änderst Dich (schwer möglich). 2. Du leidest weiter (bedingt möglich). 3. Du suchst das Weite.“
Was soll man dazu sagen? Wo er recht hat, hat er recht.

Diese Tage, wo es kälter wird und man den Wintergeruch in der Nase hat, sich wohlig in die Winterjacke einwickelt, mit grossen Augen zum Himmel blickt und darauf wartet, dass endlich der erste Schnee fällt, ist es, als stürzte man von der Haut hinab in die Seele.

Um es mit Nerudas Worten auszudrücken: „Mi corazón se cierra como una flor nocturna.“

Schönen Nudeltag wünsch ich euch!
Hasenherz

Des Teufels Advokat

Letzte Nacht hab ich geschlagene 13 Stunden geschlafen. Uff. Wie ohnmächtig. Denke mal, ich habe das gebraucht. Wahnsinn. So viel hab ich wohl seit Monaten nicht mehr geschlafen.
Dann hat mich der Gasableser-Mensch geweckt. *grummel* Aber er hat nur seinen Job gemacht. Gut, dass mir das klar war, sonst hätte ich ihn noch viel böser angeblickt.

Heute treff ich – nach langer, langer Zeit – endlich mal wieder Tom. Und ich freue mich sehr darauf. Er ist ja sowas wie mein persönlicher „Kopfwäscher“. Er legt innert kürzester Zeit das Innerste, den Kern frei. Er hält mir den Spiegel vor, macht mich auf meine Defizite aufmerksam. Und das tut gut. Weil er es mit viel Wärme tut. Er hat eine sehr schöne Art jemandem den Kopf zu waschen. Des Teufels Advokat – haben wir ihn immer liebevoll genannt. Ich freue mich sehr.

Bin noch ganz erschlagen von dem vielen Schlaf. Habe schwere Glieder und stehe mal etwas auf einem Bein. Vielleicht hilfts.
Hasenherz

Warm und verzeihend

Gestern Abend war ich mit ElfElf und Vanalia an einem Jazzkonzert. Das war schön. Das Licht schien orange. Draussen war es kalt und drinnen sehr warm. Wir haben Tee mit Schnaps getrunken und uns über die Stürme und den Nieselregen unterhalten. Am Morgen dann, als ich nach Hause kam, hat es genieselt (fast wie in Wuppertal) und die Stadt war noch ruhig und unbekümmert. Sie hat sich leise auf den neuen Tag vorbereitet, hat mir Schutz geboten in der Dunkelheit, die langsam wich. Diese Zeit frühmorgens, wenn alles erst Andeutung ist und Versprechen, mag ich sehr.
In unserer zweiten Heimat haben wir einen Weinbauer kennen gelernt, der nur eigene Äpfel ist. Seine Freunde haben ihm einen „echten Zürcher Abend“ versprochen und ich weiss nicht, wie ein solcher Abend genau aussieht. Der Weinbauer hat mich dann gefragt, ob man von Zürich enttäuscht sein kann und ich habe gesagt, dass Zürich geradezu prädestiniert ist zu enttäuschen, dass man aber, wenn man sich einlässt auf diese unzugängliche Diva, leuchtende Überraschungen erleben kann. Blickt man erst hinter die Arroganz, scheint das orange Licht warm und verzeihend.

Jetzt, da ich aufgestanden bin, habe ich Lust das Gedicht „Funeral Blues“ von W. H. Auden zu lesen. Lest mit!

Stop all the clocks, cut off the telephone,
Prevent the dog from barking with a juicy bone,
Silence the pianos and with muffled drum
Bring out the coffin, let the mourners come.

Let aeroplanes circle moaning overhead
Scribbling on the sky the message He is Dead.
Put crepe bows round the white necks of the public doves,
Let the traffic policemen wear black cotton gloves.

He was my North, my South, my East and West,
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song;
I thought that love would last forever: I was wrong.

The stars are not wanted now; put out every one,
Pack up the moon and dismantle the sun,
Pour away the ocean and sweep up the woods;
For nothing now can ever come to any good.

Schönen Sonntag!
Hasenherz